27.07.2016
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Richter verhängt höheres Strafmaß als der Staatsanwalt : Marihuana an 15-Jährigen verkauft

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dpa

Leverkusen -

So außergewöhnlich ist es nicht, wenn in der Altersklasse der 15- bis 25-Jährigen ein Tütchen Marihuana gegen Entgelt den Besitzer wechselt.

Woran die Beteiligten dabei wohl eher nicht denken: Ist der Käufer minderjährig, der Verkäufer aber ein Erwachsener, macht dieser sich eines Verbrechens schuldig, das mit mindestens einem Jahr Gefängnis geahndet wird. Dumm also für Frank N. (Name geändert), dass die Polizei ihn beobachtete, als er einem 15-Jährigen Drogen verkaufte. Noch dümmer war allerdings, dass Zivilbeamte ihn nur wenige Wochen zuvor schon einmal beim Dealen erwischt hatten.

Das stimme wohl, räumte der 23-jährige Hartz-IV-Empfänger jetzt vor dem Schöffengericht ein. Allerdings sei es bei der auf die erste Tat folgenden Durchsuchung seiner Wohnung an der Opladener Kanalstraße nicht mit rechten Dingen zugegangen, monierte seine Verteidigerin. Der habe er nämlich, anders als im Protokoll vermerkt, seine Zustimmung verweigert, so dass die Beamten von Rechts wegen einen richterlichen Beschluss gebraucht hätten. Insofern unterliege das in der Wohnung sichergestellte Marihuana möglicherweise einem Beweisverwertungsverbot.

Möglicherweise komme es auf die beschlagnahmten Drogen aber auch gar nicht an, da der Verkauf an Minderjährige deutlich schwerer wiege als der Besitz, konterte Philipp Förster, der Vorsitzende des Schöffengerichts. Dennoch widmete er der Vernehmung der beteiligten Beamten viel Zeit, um den Widerspruch zwischen Protokoll und Geständnis des Angeklagten aufzuklären. Die Polizisten konnten sich im Zeugenstand denn auch lebhaft daran erinnern, dass Frank N. anfangs nicht sehr begeistert gewesen sei, schließlich aber einverstanden mit der Durchsuchung gewesen sei.

„Sie müssen nicht Hurra rufen“, aber auch eine zähneknirschende Zustimmung sei eine Zustimmung, befand Staatsanwalt Olaf Riemann in seinem Plädoyer, in dem er den Verkauf an den 15-Jährigen als minderschweren Fall einstufte und 160 Tagessätze zu je sieben Euro, insgesamt also 1120 Euro Geldstrafe forderte.

Das „milde Urteil“, um das die Verteidigerin bat, fiel am Ende höher aus als die Forderung des Staatsanwalts: 1600 Euro verhängte das Gericht.