27.06.2016
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Musik: Sich dem Leben ergeben

Die Band: (von links) Jan Stommel, Marco Isermann, Thorsten Odenthal und Luc Rod.

Die Band: (von links) Jan Stommel, Marco Isermann, Thorsten Odenthal und Luc Rod.

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Privat

Leverkusen -

Er hat es wieder getan. Und er hat es wieder einmal gut gemacht: Marco Isermann, der Opladener Liedermacher, veröffentlicht dieser Tage sein mittlerweile drittes Studioalbum. Der Name könnte dabei nicht isermann-typischer sein, lautet er doch „Das Schicksal ist kleinbürgerlich“.
Dieser Titel zeigt, wohin die Reise geht: in gewohnte Gefilde des Gewöhnlichen, die kaum einer in dieser Stadt so gut mit Worten zu beschreiben vermag wie Isermann. Gescheiterte Beziehungen, gescheiterte Lebensentwürfe, gescheiterte Träume – all das, was alle irgendwie kennen, kommt vor. Indes: All dem Scheitern und Bedauern wird die Tragik genommen, an ihre Stelle tritt die Zuversicht, wenn Isermann den Spieß umdreht und zu Pop-Klängen das ihm und manch anderem übel mitspielende Schicksal kurzerhand als spießig beschimpft. Wenn er die Machtgierigen der Welt als idiotische In-der-Schlange-Steher verunglimpft („Sie stehen Schlange“). Wenn er der Angebeteten, die ihn verlässt, genussvoll entgegnet: „Vielleicht ist es Glück, vielleicht ist es Pech, dass Du nicht mehr bei mir bist!“ Egal, es sei sowieso interessanter, der Waschtrommel beim Rotieren zuzusehen, als sich über verflossene Liebe allzu viele Gedanken zu machen („Waschmaschine“). Oder wenn er allem Exzess und aller Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit abschwört und sich lieber auf das Wichtige im Leben konzentriert: „Fernsehen und Sex“.
Nebenbei bekommen die ewig betroffenen Schwadronierer und Weltverbesserer ihr Fett weg („Frag’ Xavier Naidoo“), und überhaupt ergibt sich Isermann dem Leben so wie es eben ist und betont: „Schlimmer geht’s immer“.
All das kommt mit einem solchen Wortwitz daher, dass man sich als Hörer am Ende der Platte tatsächlich weniger desillusioniert ob all der geplatzten Träume vorkommt. Gestärkt, gestählt und bereit ist man für alle weiteren Rückschläge, die das letztlich doch gar nicht mal so schlimme und arge Leben unweigerlich noch mit sich bringen wird. Wir werden es schon schaffen. Denn was ist schon das Schicksal? Eben: kleinbürgerlich und spießig – und daher nicht der Rede wert.

Marco Isermann präsentiert seine neue CD offiziell im Rahmen eines Konzertes, das er am Donnerstag, 5. Juli, um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Bergisch Neukirchen (Pastor-Scheibler-Straße 1) mit Band geben wird. Der Eintritt kostet neun Euro im Vorverkauf (Gemeindehaus) und elf Euro an der Abendkasse. Weitere Infos zum Musiker und zur neuen CD gibt es im Internet.