27.08.2016
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Opladener Berufskolleg: Rote Karte für zu viel Politik-Blabla

Zu viel „Politik-Blabla“ wird mit Roten Karten unterbunden. Die meiste Zeit sind die Berufsschüler aber geduldige Zuhörer.

Zu viel „Politik-Blabla“ wird mit Roten Karten unterbunden. Die meiste Zeit sind die Berufsschüler aber geduldige Zuhörer.

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Bilder: Ralf Krieger

Leverkusen -

Zwei Wochen Vorbereitung im Unterricht haben sich gelohnt: Die Opladener Berufsschüler wissen ganz genau, was sie die Politiker fragen wollen. Und von welcher Qualität die Antworten sein sollen: „Bitte kein Politik-Blabla.“

Schließlich soll im Berufskolleg etwas gegen Politikverdrossenheit getan werden, die – so heißt es – vor allem junge Leute heimgesucht hat. Im Verlauf der nächsten 90 Minuten wird Daniel Zimmermann, 32 Jahre alt, Bürgermeister von Monheim und mit seiner Politikbewegung Peto der Vorzeige-Jugendliche schlechthin, das auf dem Podium bestreiten. Und es wird sich zeigen, dass wenigstens die gut 120 Schülerinnen und Schüler Interesse an Politik haben. Wahrscheinlich nicht nur an diesem Freitag vor zwei Wahlen. Trotzdem müssen die neun Personen an den Stehtischen erst einmal erklären, was gegen Wahlmüdigkeit zu tun ist. Die Antworten ähneln sich – bei graduellen Unterschieden: „Die Mitwirkungsmöglichkeiten sind eingeschlafen“, sagt Nicole Kumfert (Die Linke). „Ihr habt keine Chance, direkt Anträge zu stellen. Das muss sich ändern“, erklärt Ilias Emmanuil von den Piraten. Auch Lukas Kolodziej will sich für ein garantiertes Rederecht im Rat und den Ausschüssen stark machen. Derzeit muss das von einer Mehrheit erst beschlossen werden. Der junge SPD-Mann beklagt auch, dass Jugendparlament und ähnliche Einrichtungen in Leverkusen zu kurz kommen. Jonathan Steffens aus dem AfD-Nachwuchs urteilt, dass „die großen Themen von den Parteien nicht genügend erklärt werden“. Das aber sieht nicht jeder so.

Bezahlung von Schulsozialarbeitern

Eine andere Erklärung dafür, dass Politik nicht gefragt ist, hat Florian David (Grüne): „Es gibt viel mehr Konkurrenz zur Politik“, sagt er mit Blick auf Facebook und Co. Trotzdem kann man mit einer Partei die Jugend elektrisieren. Das hat Daniel Zimmermann mit Peto vorgemacht. Er findet sich an diesem Vormittag in der Rolle des alten Politikhasen wieder. Und des Vorbilds, wie Manuel Lindlar von der Lev-Partei herausstreicht. Dabei ist auch er nah dran mit seinem Ratsmandat, das er derzeit für die Unabhängigen wahrnimmt. Dass man wirklich eine Partei braucht, um sich in die Stadtpolitik einzumischen, bezweifelt Lukas Kolodziej. Frank Altenbach (CDU) hält Vielfalt für wertvoll, „weil so neue Ideen eingebracht werden“. Justin Skorupa findet die etablierten Parteien schlagkräftiger, weil sie auch auf höheren Ebenen vertreten sind: „Vieles wird im Landtag entschieden. Zum Beispiel die Bezahlung von Schulsozialarbeitern.“

Das passt zu einer Frage, die viele im Saal bewegt: Wie sollte soziale Arbeit in Kitas oder der Altenpflege bewertet werden? Das war Gelegenheit für ein bisschen Manager-Schimpfe und die hehre Feststellung, dass Arbeit mit anderen Menschen in der Gesellschaft zu gering angesehen und bezahlt wird. Damit ließ sich übrigens eher punkten als mit Aussagen wie „Netzzugang ist ein Menschenrecht.“ Dafür hätte Pirat Emmanuil fast die Roten Karten gesehen. Die gibt es ganz gelegentlich für zu viel „Politik-Blabla“.