24.08.2016
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Pilotprojekt ausgezeichnet: Digitale Krankenakte aus Leverkusen macht Schule

Symbolbild.

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dpa

Leverkusen -

Im Frühjahr vergangenen Jahres ist in Leverkusen eine Innovation in der medizinischen Versorgung gestartet, die über die Stadt hinauswirkt – und schon arbeiten die Organisatoren an dem nächsten Schritt. Gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg hat die Genossenschaft „Regionales Gesundheitsnetz Leverkusen“ eine digitale Krankenakte entwickelt, die nicht nur einem Mediziner in einer Praxis zur Verfügung steht. Das Besondere an ihr: Über ein Netzwerk können die teilnehmenden Haus- und Fachärzte aus ganz Leverkusen auf die Dateien zugreifen. 88 von 120 Ärzten sind Mitglied der Genossenschaft.

Das hat Vorteile für Patienten und Ärzte: Die Mediziner erkennen, ob bestimmte Untersuchungen schon gemacht wurden und welche Medikamente ein anderer Arzt verschrieben hat. Teure Doppeluntersuchungen entfallen und gefährliche Wechselwirkungen verschiedener Arzneien kann der Verordner frühzeitig erkennen.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) gefällt das Konzept so gut, dass sie die Genossenschaft mit einem Förderpreis ausgezeichnet hat. Sie sehe, „großes Potenzial, das Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland weiter zu verbessern“. Leverkusen ist Pilotregion, andere Städte ziehen nach. Mit dabei sind bereits Leichlingen, Burscheid und Bergisch Gladbach.

Auf Pflegeheime sollen angeschlossen werden

Das Geld aus dem Förderpreis soll laut Vorstandsvorsitzender Manfred Klemm für die Verbesserung der Gesundheitskarte genutzt werden: „Wir wollen, dass der Patient im Mittelpunkt steht.“ Deswegen reiche es nicht, Haus- und Fachärzte an die sogenannte Akte „VitaLev“ anzuschließen. „Vor allem chronisch Kranke sind oft weit weg vom Arzt und liegen in Pflegeheimen. Da kommt der Arzt aber nicht hin, weil er schon eine volle Praxis hat.“ Gerade diese Patienten nähmen oft viele Medikamente , ohne dass die behandelnden Ärzte und Pflegende davon wüssten. Deswegen möchte Klemm auch die Pflegeheime an die digitale Krankenakte anschließen.

„Wir werden nicht alle Pflegeheime auf einmal aufnehmen, drei Einrichtungen stehen im Fokus.“ Auch Apotheken und Kliniken will Klemm integrieren. „Was im Krankenhaus oder in einer Arztpraxis geschieht, wird bisher nicht ausgetauscht. Da gibt es einen Medienbruch.“ Den will die Genossenschaft schließen. „Mit allen Krankenhäusern wurde schon gesprochen und Interesse ausgelöst“, sagt Klemm.

Dennoch ist die Vernetzung nicht immer einfach. Patienten müssen ihre schriftliche Einverständniserklärung abgeben. Und manche Mediziner zieren sich. Schließlich machen sie durch die Teilnahme ihre Behandlungsabläufe sichtbar. „Dadurch fallen natürlich auch Fehler auf“, sagt Klemm. Die Genossenschaft wolle sich aber nicht als Prüfsystem aufspielen, sondern allein die Medienbrüche in der Medizin überwinden.