24.07.2016
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Prozess: Betrunken, aber nicht schuldig

Amtsgericht Leverkusen
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Ralf Krieger

Opladen -

Selbst mit einem Geständnis kann man ein Gericht in Verlegenheit bringen. Das hat Pavel A. (Name geändert) in dieser Woche unfreiwillig bewiesen. Ja, er sei im vergangenen August betrunken Auto gefahren und er sei damit an allem schuld, versuchte der 60-jährige Küppersteger die Beweisaufnahme abzukürzen. Etwa zehn Flaschen Bier habe er an jenem Sommertag getrunken, gab der Angeklagte zu – was angesichts der später gemessenen zwei Promille nicht übertrieben erschien. Trotzdem setzte der Rentner sich ans Steuer seines Wagen und fuhr nach Opladen. An der Einmündung der Augustastraße in die Kölner Straße kam es zum Zusammenstoß mit einem anderen Wagen. Dafür müsse und wolle er die Strafe auf sich nehmen, sagte Pavel A., der wegen Straßenverkehrsgefährdung angeklagt war. Auf Nachfrage des Gerichts schilderte der 60-Jährige, dass er an der Einmündung vorschriftsgemäß angehalten habe.

Dann sei von rechts ein Auto aus der Kölner Straße nach links in die Augustastraße eingebogen. Offenbar habe die Fahrerin aber den Bogen falsch gewählt und deshalb seinen vor der Haltelinie stehenden Wagen gestreift. Dass die Anklage – sollte das so stimmen – damit hinfällig sein könnte, kam Pavel A. offenbar gar nicht in den Sinn. Für das Strafmaß ist es nämlich ein großer Unterschied, ob jemand betrunken fährt und in einen Unfall verwickelt wird oder ob er ihn selbst verursacht. Aus der Verkehrsgefährdung würde so eine einfache Trunkenheitsfahrt.

Aufklären könnten das Dilemma entweder die Polizisten, die den Unfall aufgenommen hatten, oder das Ehepaar aus dem anderen Wagen. Die Beamten waren gar nicht erst als Zeugen geladen worden, während das Ehepaar nicht zum Termin erschien. Das brachte ihnen zunächst einmal je 100 Euro Ordnungsgeld ein. Sie werden zu einer weiteren Verhandlung geladen, weil das Verfahren vertagt werden musste. (hz)