28.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Radwanderweg: Balkantrasse ist längst in Arbeit

Baubeginn an der Leverkusener Balkantrasse. Erste Amtshandlung: Die Brücke zu den Herta-Teichen wird beigeputzt.

Baubeginn an der Leverkusener Balkantrasse. Erste Amtshandlung: Die Brücke zu den Herta-Teichen wird beigeputzt.

Foto:

Ralf Krieger

Leverkusen -

Die Balkantrasse war über Jahrzehnte ein wildes unkontrolliertes Grundstück. Manche bedienten sich unerlaubt am Schotter, andere holten sich kostenlos seltenes und teures Eichenholz vom Bahngrundstück. Aber manche brachten auch etwas dorthin: Das längste Grundstück Leverkusens diente vielen Anwohnern als Grünschnittkippe mit einer unendlichen Kapazität.

„Das darf jetzt nicht mehr sein“, sagt Harald Drescher vom Förderverein Balkantrasse. Denn – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – wird auf der Trasse endlich gebaut. Ingenieur Drescher ist im Verein „die Bauabteilung“, wie er sagt. Ehrenamtlich natürlich, denn bezahlte Angestellte kennt das Projekt Bahntrasse nicht. Es ist eine Initiative mitten aus der Bevölkerung, die den Radweg mit der sanften Steigung von Opladen durch Bergisch Neukirchen und Burscheid ganz beharrlich zunächst sogar gegen den Willen der Politik durchgesetzt hat.

An den Brücken wird derzeit schon gearbeitet, etwa an der doppelten Brücke an der Straße hinab zu den Herta-Teichen in Pattscheid. „Unsere Brücken sind meist aus Ziegel gemauert“, sagt Drescher, „über 100 Jahre alt, aber in einem guten Zustand“. Nicht weit davon reparieren die Burscheider gerade die Brücke Nagelsbaum. In Burscheid ist an der Trasse nicht mehr viel zu tun, die Arbeiten sind weit fortgeschritten.

Schotter wird zermahlen

Anders in Leverkusen: In einem ersten Arbeitsschritt wurde der alte Bahnschotter gereinigt und von Erde, Müll, Wurzelstöcken und anderen Pflanzenresten getrennt. Kein Wunder also, dass Drescher sauer ist, wenn Leute ihre Laubhaufen mitten auf der inzwischen pieksauberen Trasse abkippen.

Demnächst wird die obere Schicht des Schotters zermahlen, damit auf diesem Unterbau die vier Meter breite Asphaltschicht fest liegen kann. Die Maschine, die sich sicher nicht ganz geräuschlos von Kuckenberg aus die 5,3 Kilometer nach Opladen durch die obere Gesteinsschicht der Bahntrasse beißen wird, soll noch im Dezember loslegen. Der nasse bergische Winter könnte sich positiv dämpfend auf die Staubwolken auswirken, die diese Maschine ausstößt.

Noch keine konkreten Pläne

Über die Wolken werden sich einige Bergisch Neukirchener sicher nicht freuen. Vielleicht aber eines Tages über ein kleines, 15 Zentimeter dickes Leerrohr, das die Energieversorgung Leverkusen (EVL) in den Schotter hineinlegen will. Nicht nur Strom-, sondern Datenleitungen könnten später im Rohr liegen, sagte ein Sprecher der EVL. Allerdings sei das eine reine Vorsorgemaßnahme, es gebe noch keine konkreten Pläne.

Die Leverkusener zwischen Opladen und Burscheid leiden seit langem unter quälend langsamen Datenanschlüssen. Nur scheint es noch Planungsbedarf zu geben, denn Bauleiter Drescher möchte, dass das Rohr versenkt wird, noch bevor die Mahlmaschine loslegt. Der EVL-Sprecher sagte dagegen, dass es im Laufe des kommenden Jahres eingesetzt werde. Dann liegt aber schon der Asphalt.

In einem Abschnitt waren 2000 Tonnen Schotter verschwunden (wir berichteten), an anderen Stücken der Trasse liegt noch genug, so dass kein neues Material angefahren werden muss, es wird nur intern verschoben.

Tragschicht von acht Zentimetern

Die Ausschreibungen für die großen Asphaltarbeiten sind entschieden: Den Auftrag bekommt laut Drescher die Firma Eurovia. Sie wird zwei Asphaltschichten aufbringen: eine Tragschicht von acht Zentimetern und eine feine Schicht, zwei Finger dick. Eine andere Firma wird bald die Zufahrten zum Radweg bauen.

Der eine oder andere Trassen-Anlieger hat die Befürchtung, dass – wenn der Radweg erst frei ist – sich auch Diebe dafür interessieren könnten, Häuser von der Gartenseite her auszuspähen. Sie kann Drescher beruhigen: „Da werden bald Zäune und Sichtschutze gebaut. Aber meistens haben die Anlieger gleich ein Törchen zum Radweg hinaus, denn die Vorteile nehmen alle gerne mit.“