27.09.2016
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Rückzieher: Kirche stoppt ihren Kita-Ausbau

Rund die Hälfte der Kindertagesstätten werden von freien Trägern geführt; so auch die evangelische Kita von-Diergardt-Straße.

Rund die Hälfte der Kindertagesstätten werden von freien Trägern geführt; so auch die evangelische Kita von-Diergardt-Straße.

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Ralf Krieger

Schlebusch -

Dezernent Marc Adomat verkündete die Nachricht vom Rückzieher der Evangelischen Gemeinde beim U3-Ausbaus der Kita von-Diergardt-Straße im Jugendhilfeausschuss. 38 Plätze für Kinder unter drei Jahren, mit denen die Stadt gerechnet hatte, werden nicht eingerichtet. Ab dem 1. Juli haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Die Evangelische Gemeinde Schlebusch wollte ihre Kita von drei auf fünf Gruppen vergrößern. 90 Prozent der Kosten für die zu schaffenden U3-Plätze trägt das Land NRW. „Das sind 530 000 Euro, die bis Ende 2013 investiert werden müssen. Sonst ist das Geld weg“, erläuterte Adomat. Die Verwaltung wird nun andere freie Träger ansprechen, die bei der Förderung bislang nicht zum Zuge gekommen sind. Ob diese in der Lage sind, kurzfristig auszubauen, sei aber fraglich. „Ich bin sehr verärgert über die Evangelische Gemeinde Schlebusch“, sagte Adomat: „Die Regeln waren bekannt.“ Das wiederum sehen die freien Träger anders.

Das NRW-Familienministerium hatte die Regeln im Februar erörtert. In einem Erlass heißt es, dass alle geförderten U3-Plätze in vollem Umfang in Betrieb genommen werden müssen. Eine Belegung mit älteren Kindern sei zweckwidrig – und das Land könne die Fördermittel zurück verlangen. Für viele Träger war das offenbar neu. Die Evangelische Gemeinde begründet ihren Schritt mit veränderten Rahmenbedingungen. „Bis Anfang 2013 gab es die Möglichkeit, mit U3-Plätzen bis zu einem gewissen Grad flexibel umzugehen“, so Pfarrer Gunnar Plewe. Nicht alle frei werdenden Plätze mussten sofort wieder belegt werden; das sei nun Pflicht. Für die Praxis bedeutet das: Ein Kind muss nach dem dritten Geburtstag seinen U3-Platz räumen und sich für die Betreuung in der älteren Altersgruppe erneut bewerben. Unter Umständen muss die Kita gewechselt werden.

Plewe: „Das ist für Eltern nicht attraktiv und entspräche auch nicht unseren Vorstellungen, die sich an der Entwicklung des Kindes orientieren.“ Zudem sei man lange Zeit davon ausgegangen, dass NRW die Schulpflicht ab fünf Jahren einführt und Kinder die Kita früher verlassen. Soweit ist es aber nicht gekommen; deshalb der Rückzug. Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände appelliert nun an die Stadt, sich beim Land für eine flexiblere Regelung einzusetzen und die Träger bei drohenden Rückforderungen finanziell zu unterstützen. Doch im Jugendhilfeausschuss wurde bereits deutlich: Mit Geld von der Stadt können die Kita-Träger nicht rechnen.