25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Yachtclub Hitdorf: Internationale Förderklasse repariert Segelboot
30. August 2015
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Yachtclub Hitdorf: Internationale Förderklasse repariert Segelboot

Bei strahlendem Sonnenschein ging der frisch reparierte Optimist am Samstag auf seine erste Reise.

Bei strahlendem Sonnenschein ging der frisch reparierte Optimist am Samstag auf seine erste Reise.

Hitdorf -

Ein Optimist ist nicht nur ein Mensch, der zuversichtlich in die Zukunft blickt. Ein Optimist ist auch ein Segelboot. Eine kleine Jolle für Kinder und Jugendliche. Und manchmal passt diese Bezeichnung perfekt – zum Beispiel im Falle von BKO 1, der seit ein paar Tagen die Bootsflotte des Yachtclubs Hitdorf komplettiert.

Er wurde repariert von Schülern einer internationalen Förderklasse des Opladener Berufskollegs. Sprich: Von Jugendlichen zwischen 16 und 18, die aus Flüchtlingsfamilien stammen und die auf eine bessere Zukunft in Deutschland warten. Und der Optimist könnte ein weiterer Schritt in diese Zukunft sein.

Der Yachtclub habe ihn einst in einem miserablen Zustand bekommen, erklärt Vereinssprecher Hans Joachim Müssig. In seiner Kunststoffhaut seien zig Löcher gewesen. „Den konnte man nicht mehr ins Wasser lassen.“ Als Anfang des Jahres dann jedoch Clubmitglied Horst Wende als Vorsitzender der Elternpflegschaft des Berufskollegs erstmals den Holz- und Werkraum der Schule sah, war er so begeistert von dessen Ausstattung, dass er Marcus Lutze – er unterrichtet die Förderklasse in Werksachen und ist Bootsbauer – nach einem gemeinsamen Projekt fragte: Im Yachtclub stehe da so ein altes Bötchen. Man könnte da doch vielleicht etwas machen.

„Und wir haben es gemacht“, sagt Lutze. Er ließ seine Klasse den Optimisten reparieren. Ein halbes Jahr lang, einmal in der Woche. „Eine wunderbare Erfahrung“ sei das für ihn und die Jugendlichen gewesen. „Sie müssen sich vorstellen: Wir haben Schüler bei uns, die kommen aus Somalia oder Nigeria und haben noch nie eine Stichsäge gesehen. Geschweige denn, dass sie wissen, wie man mit Kunststoff umgeht.“ Aber die Schüler hätten sich gegenseitig geholfen, beraten, motiviert. Und am Ende stand die kleine Jolle vor ihnen und war repariert.

„Als wir in Hitdorf waren, um sie dem Verein zu übergeben und zu sehen, wie sie sich im Wasser macht, war das ein tolles Gefühl für die Jugendlichen“, erinnert sich Lutze – auch wenn dem einen oder anderen aus Afrika nach Leverkusen Gekommenen erst einmal versichert werden musste, dass im Rhein keine Krokodile schwimmen und der Gang ins Wasser des Hafens ungefährlich sei. „Das gehört dazu. Das zeigt, wie neu und ungewohnt diese Umgebung für sie nach wie vor ist.“ Und dass alle hier weiter daran arbeiten müssten, diese Menschen zu integrieren.

Langfristige Pläne

Am Samstag wurde die Jolle stilecht mit Sekt eingeweiht und getauft. Der Optimist, der seinen Namen BKO 1 zu Ehren des Berufskollegs Opladen trägt, wird nun den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen, die in Hitdorf das Segeln lernen. Und die Zusammenarbeit mit der Schule soll weitergeführt werden. „Das wünschen wir uns. Das wäre schön“, sagt Lutze. Und Yachtclub-Mitglied Ernst Burand beruhigt mit einem Augenzwinkern: „Das wird schon. Wie ich die Kinder kenne, braucht jedes Boot nach einem Jahr Benutzung eine Rundumerneuerung.“ Sprich: Der Werkraum des Berufskollegs könnte also bald langfristig zur Außenstelle des Vereins werden.