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Metal-Sängerin: „Das war immer mein Ding“

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Leverkusen
Wieder zuhause: Ji-In-Cho - geboren in Leverkusen - vor der Kulisse der City (Bild: Ralf Krieger)
Leverkusen

Auf der Bühne hat sie eigentlich immer schon gestanden. Zum Beispiel im edlen Spiegelsaal zu Morsbroich: Da wendete sie als Dreizehnjährige die Notenblätter der Pianisten. Der Lohn: ein kleines Zubrot zum Taschengeld. Bis sich ihr eigenes Blatt wendete. Heute dreht die Leverkusenerin Ji-In Cho kein Notenpapier mehr um. Im Gegenteil: Es ist zwei Wochen her, da sang Ji-In Cho vor 65 000 Menschen.

Das war im kleinen schleswig-holsteinischen 1800-Seelen-Dorf Wacken. Wer sich in der Musikszene ein wenig auskennt, der weiß: Hier findet einmal im Jahr das größte Metal-Musik-Festival Europas statt. Nicht jeder schafft's hierhin. Aber weil auch die Band „Krypteria“ zum Set gehörte und weil die 31-jährige gebürtige Schlebuscherin Ji-In Cho deren Frontfrau ist, stand in diesem Jahr mitten in dieser Gemengelage aus Lautstärke, Schweiß, Alkohol und Lederkutten eben auch eine Leverkusenerin und ließ sich feiern. Womit bewiesen sein dürfte: Ji-In Cho hat es weit gebracht, seitdem die Tochter koreanischer Eltern ihr Kindheitsidyll verließ, um in Köln klassischen Gesang zu studieren.

Streng genommen zählt Ji-In Cho gar zu den prominentesten Kindern der Stadt - woran eine Freundin nicht ganz unschuldig ist: Die nämlich meldete Ji-In Cho 2003 aus reinem Spaß an der Freud und ohne deren Wissen bei der TV-Casting-Show „Fame Academy“ an. „Ganz ehrlich: Im ersten Moment hätte ich ihr dafür am liebsten den Kopf abgerissen“, sagt die „Hintergangene“ noch heute - ist mittlerweile aus verständlichen Gründen jedoch recht glücklich über die einstige Unverfrorenheit der Freundin: Immerhin überzeugte sie schlussendlich die Jury der Sendung mit ihrem Gesangs- und Tanztalent und wurde („nach zwei Monaten Einkasernierung und Proben, Proben, Proben“) Mitglied der am Ende der Staffel gebildeten Band „Become One“ - Plattenvertrag und Popstar-Status inklusive. Für Ji-In Cho war es der Startschuss.

Obwohl „Become One“ bei nur einem veröffentlichten Album nicht allzu lange erfolgreich waren, so hatte die zierliche junge Frau doch den Schritt ins Musikgeschäft getan. Sie lernte recht schnell den Kölner Produzenten Christoph Siemons kennen - und kam als Sängerin zu dessen Metal-Band „Krypteria“. Einst als Musikkapelle für ein auf CD eingespieltes Musical gegründet, orientiert sich „Krypteria“ seit der Gründung 2003 an Sound und Struktur anderer Genregrößen wie „Nightwish“ oder „Within Temptation“: Frontfrau, harte Riffs, melodiöser Gesang, melancholische Texte.

Aber: Eine Gesangsstudentin und Metal? „Das passt. Ich habe ja schon an der Uni gemerkt, dass ich beim Singen nur schlecht stillhalten kann“, sagt Ji-In Cho lachend. Da sei ihr die Kombination Bühne-“Krypteria“ gerade recht gekommen. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: So nahm die Gruppe beispielsweise den Song „Liberatio“ als Thema des Fernseh-Spendenaufrufes für die Tsunamiopfer in Südostasien auf und wurde damit erst so richtig bekannt. Sie lieferte der koreanischen Fußballnationalmannschaft den Soundtrack zur WM 2006 und veröffentlichte bislang drei Alben, die es allesamt in die deutsche Top-100 schafften. Auftritte bei größeren Festivals wie dem erwähnten Wacken konnten da unmöglich allzu lange auf sich warten lassen.

Entsprechend viel ist Ji-In Cho rumgekommen in den vergangenen Jahren: Sie tourte durch Europa, sie tourte durch Korea. In diesem Sommer spielen „Krypteria“ unter anderem noch auf den großen Openairs „Summerbreeze“ und „M'era Luna“. Derzeit arbeitet die Band an Album Nummer vier, das Anfang 2009 erscheinen soll. Und doch hat Ji-In Cho ihre Heimat Leverkusen nicht vergessen.

Im Gegenteil: Als sie in einem Wiesdorfer Café einen heißen Latte Macchiato schlürft, kommt sie ins Erzählen - und hört so schnell nicht wieder auf damit: „Es ist unglaublich, was sich hier alles getan hat. Ich musste eben erst einmal Baustelle gucken“, sagt sie. Das Auto hat sie am Bahnhof geparkt - damit sie die City ohne Rathaus einmal richtig vom Kopf aus durchqueren kann. Aber Wiesdorf hin, Baustelle her: Am allerliebsten ist und bleibt ihr Schlebusch: „Da leben meine Eltern noch - die sich übrigens früher bei Bayer kennen gelernt haben - und da fahre ich immer wieder gerne hin.“ Es sei für sie jedes Mal ein „Nach-Hause-Kommen“, eine Erinnerung an Kindheit und Jugend: Ji-In Cho besuchte das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Sie ging mit ihrem Hund „Luke“ - der übrigens noch lebt - am Oulu-See spazieren. Und sie startete ihre kurze „Notenwenderinnen-Karriere“ bei Dirk Joeres, der heute die Westdeutsche Sinfonia dirigiert und einer der bekanntesten „Klassiker“ Leverkusens ist.

Sie purzeln nur so heraus, die Erinnerungen: „In der Grundschule Alkenrath hatte ich meinen ersten richtigen Auftritt“, sagt sie. „Ich habe bei einer Weihnachtsfeier »Es ist ein Ros'« entsprungen gesungen.“ Natürlich waren alle ganz hingerissen. Ji-In Cho war nach eigener Aussage Mitglied in mehreren Hobby-Bands (die „Jammed Nature“ und „Jukebox“ hießen und teilweise noch heute existieren). Und sie besuchte die Musikschule Leverkusen, wo sie eine Zeit lang Geige lernte - ehe sie sich endgültig dem Singen hingab. „Das war eigentlich immer mein Ding.“ Schon lange vor dem entsprechenden Studium. Im elterlichen Haus unter der Dusche habe sie gesungen, beim Spaziergehen im nahen, heiß und innig geliebten Bergischen - und sogar am Flughafen beim Warten auf den Urlaubsflieger: „Ich habe mich einfach vor die anderen Passagiere gestellt und losgelegt.“ Das Gen, das „Rampensäue“ seit jeher von schüchternen Menschen unterscheidet, war bei ihr immer schon vorhanden.

Heute - in einer Zeit, in der Ji-In Cho zum Metal ihrer Bandkollegen von weinenden Engeln („The Night All Angels Cry“), süßer Rache („Sweet Revenge“), Zeiten des Schmerzes („Time To Bring The Pain“) und den Toren der Vergeltung („At The Gates Of Retribution“) singt - lebt sie auf dem Land zwischen Köln und Aachen. „Ein gutes Refugium zum Erholen und Runterkommen“ sei diese Gegend, sagt Ji-In Cho. Und der musikalischen Arbeit ist es geschuldet, dass die Besuche in Leverkusen nicht sehr oft stattfinden.

Aber jetzt, wo sie so dasitzt und mit glänzenden Augen von ihrer Heimat erzählt - und dabei glänzen ihre Augen sogar noch ein wenig mehr als eben, wo sie von Wacken berichtete - da sagt Ji-In Cho: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, irgendwann wieder hierher zu ziehen.“ Irgendwie kein Wunder - Oulu-See, „Jammed Nature“, das Bergische: Es sind Dinge, die manchmal eben selbst mit dem guten alten Rock'n'Roll nicht aufzuwiegen sind.

 www.krypteria.de

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