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Praktikum auf der Rennbahn: Rundentraining für Rennstars

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Rennbahn
Auf der Kölner Rennbahn erfährt Praktikantin Gisela Norrman von Trainer Peter Schiergen, wie Pferde auf Rennen vorbereitet werden. (Bild: Krasniqi)
Bergisches Land

Interessiert recken die Pferde ihre Köpfe aus den Boxentüren und beäugen den Gast auf dem Hof. Den Tieren ist nicht anzusehen, dass sie erfolgreiche und teure Sportler sind, einige - wie Fußballer sagen würden - in der Bundesliga, einige gar in der Champions League des Rennsports etabliert. Doch Besucherin Gisela Norrman kennt viele der Namen, die auf den Schildern neben jeder Boxentür eingraviert sind: Elle Shadow, Lindenthaler und Duellant sind drei von 100 Pferden, die im Stall Asterblüte an der Kölner Rennbahn trainiert werden.

Für Pferderennen begeistert sich Gisela Norrman schon seit ihrer Kindheit. Seit 40 Jahren ist sie Dauergast bei Rennen in Köln, Düsseldorf und Neuss. „Ich habe früher zu jedem Pferd, das ich gesehen habe, eine Karteikarte angelegt“, erinnert sie sich. Etwa 5000 Karten mit Daten von Rennpferden sammelten sich so über die Jahre an.

Gisela Norrman mit Duellant
Gisela Norrman begeistert sich für Pferdesport und ist häufig bei Veranstaltungen an der Rennbahn. Der Name von Duellant ist ihr daher nicht fremd. (Bild: Krasniqi)

Weil sie nach 40 Jahren auf der Zuschauertribüne auch einmal erleben wollte, wie Pferde auf Rennen vorbereitet werden, bewarb sich Gisela Norrman beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ als „Praktikantin für einen Tag“. Einer der erfolgreichsten Trainer in Deutschland, Peter Schiergen vom Stall Asterblüte, ließ sie den Arbeitsablauf in einem Rennstall miterleben.

Dieser Ablauf ist rundum gut durchorganisiert. Das ist wörtlich zu nehmen, denn tatsächlich läuft alles rund: Zum Aufwärmen werden die Pferde im Trabring geritten, wo sie unter dem Reiter ihre Runden im Uhrzeigersinn drehen. Praktikantin Gisela Norrman wundert sich, warum das Dach der Ringbahn so niedrig ist, dass der Reiter scheinbar mit dem Kopf oben anzustoßen droht. „Ist das nicht gefährlich?“, fragt sie Schiergen. Durch die niedrige Deckenhöhe seien Pferde und Reiter besser vor Regen geschützt, erklärt dieser. So könnten die Tiere sogar in strengen Wintern bewegt werden. Außerdem würden die Tiere durch die niedrige Deckenhöhe weniger zu Bocksprüngen und anderem Übermut verleitet. Nach mehreren Runden im Schritt und Trab fordert Schiergen einige Reiter auf, die Bahn zu verlassen, um auf die große Rennbahn zu wechseln. Die Reiter pfeifen ihren Pferden zu: das Signal, langsamer zu werden.

Auch Schiergen und Praktikantin Gisela Norrman wechseln den Standort. Sie überqueren die gesamte Bahn in Richtung Osten, wo über den Bäumen gerade die Sonne aufgeht. Von einem Aussichtsposten in etwa zwei Meter Höhe aus verfolgt Schiergen durchs Fernglas, wie die Pferde laufen. „Ein guter Trainer ist ein guter Beobachter“, habe sein Lehrmeister gesagt. Nach einer Runde, die manche im schnellen Renngalopp, manche im Kanter zurückgelegt haben, bremsen die Reiter ihre Pferde wieder ab. Einige Tiere schwitzen und blähen die Nüstern.

Zurück im Innenhof geht es wieder rund: Auf einem weichen Untergrund werden die Pferde im Oval trocken geführt. Obwohl sie nur Schritt gehen, klopfen die vielen Hufe im Stakkato auf den Boden. Anschließend führen die Pfleger die Pferde auf den Rasen im Inneren der ovalen Bahn, wo die Tiere Gras zupfen dürfen. Eine Stunde lang Bewegung, 23 Stunden in der Box: So sieht der Alltag eines Rennpferdes aus. Nur wer besonders viel Bewegung braucht, kommt am Nachmittag noch einmal raus. „Zu viel darf man nicht machen“, ist Schiergen in Bezug auf das Training überzeugt.

Deutlich länger als der Arbeitstag der Pferde dauert der der Angestellten. Um die 100 Pferde im Stall kümmern sich 35 Menschen. Sie sind von etwa 7 bis 11 Uhr damit beschäftigt, die Tiere in so genannten Lots, in Arbeitsgruppen, zu bewegen. Wer in welchem Lot welches Pferd reitet, hat Schiergen auf einem Plan in der Stallgasse festgelegt. „Ich bin beeindruckt, wie viele Menschen hier beschäftigt sind“, sagt Gisela Norrman beim Blick auf diesen Plan. Vor dem alltäglichen Wechsel aus Satteln, Warmreiten, Galoppieren, Trockenreiten beginnt der Morgen mit der Fütterung und Pflege der Pferde. Ein Futtermeister sorgt dafür, dass die Tiere ihre angemessene Ration Kraftfutter bekommen - gerade so viel, dass der Magen nicht zu voll zum Rennen ist. Die Pfleger putzen die Pferde, misten den Stall aus und versorgen die Tiere mit Heu.

Sein Beruf wurde Schiergen in die Wiege gelegt. Er kommt aus einer „Pferdefamilie“: Seine fünf Geschwister ritten von Kindheit an, er selbst wechselte durch seine Lehre zum Pferdewirt vom Spring- in den Rennsport. Zehn Jahre lang war Schiergen Jockey in Köln. „Ein guter Jockey“, betont Gisela Norrman, die, auch wenn sie längst keine Karteikarten mehr anlegt, im Rennsport jeden kennt, der Rang und Namen hat. 1995 schaffte es Schiergen 273-mal aufs Siegerpodest und brach damit den Rekord aus dem Jahr 1947. Mit seinem letzten Ritt 1997 verabschiedete er sich als Jockey aus dem Rennsport - „eigentlich zu früh“, sagt er. Doch sein Arbeitgeber bot Schiergen an, sein Nachfolger als Trainer zu werden. Dieses Angebot wollte Schiergen nicht ausschlagen. Jetzt steigt er nur noch an Sonntagen selbst aufs Pferd, reitet gemeinsam mit seinen Söhnen, die inzwischen auch an Rennen teilnehmen.

Zwischendurch hat Peter Schiergen Zeit, Fragen von Gisela Norrman zu beantworten: Warum das Training mit den Pferden immer so früh am Morgen beginnt, will Norrman wissen. Das sei auf der ganzen Welt so, erklärt Schiergen, der mit seinen Pferden nicht nur in Europa, sondern auch in Kanada, New York, Hongkong und Dubai auf Rennen ist. Pferde mögen es gern, wenn sie immer den gleichen Tagesrhythmus haben. In Hongkong gingen die Jockeys schon morgens um 5 Uhr mit den ersten Pferden raus.

Deutsche Rennpferde sind im Ausland hoch angesehen. Umgekehrt aber, sagt Norrman, leide der Rennsport hierzulande an mangelndem Publikumsinteresse. Seit Wetten auch übers Internet möglich sind, ist es nicht nötig, zur Rennbahn zu fahren. Dabei gibt es für Norrman kaum eine schönere Beschäftigung am Sonntagnachmittag. „Man ist an der frischen Luft und sieht Pferde.“ Angenehm vor allem in Köln sei das bunt gemischte Publikum: Familien nutzen den Renntag für ein Picknick im Grünen am Rand der Bahn. Manchmal wettet Gisela Norrman auch - dann sei das Rennen noch spannender. Im Vordergrund stehen für sie jedoch die Pferde. Sie selbst ritt früher und verwirklichte sich sogar den Traum von einem eigenen Vollblüter. Mit der Arbeit in ihrer eigenen Kleintierarztpraxis ließ sich dieses Hobby auf Dauer jedoch nicht vereinbaren.

Einen Tipp für künftige Wettkönige hat Peter Schiergen nicht. Sichere Prognosen über Erfolg oder Misserfolg eines Pferdes kann selbst der beste Trainer nicht liefern. Aber Schiergen sieht, welches Pferd Potenzial hat. Mit seinen Kunden besucht er Gestüte und Auktionen, wo Pferdeliebhaber fünf- oder sechsstellige Beträge in mögliche künftige Rennstars investieren. Manch große Hoffnung bringt auf der Bahn dann doch keine Erfolge. Andere siegen nach Anlaufschwächen gleich mehrmals in Folge. Sicher ist im Rennsport nur: Morgen kommt der nächste Tag, an dem zwischen Satteln, Aufwärmen, Reiten, Abwärmen alles rundum organisiert abläuft.

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