28.08.2016
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Aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis: Hilfe für die Helfer in Magdeburg

Sie unterstützen die Kollegen, wenn die Not groß ist: Die Ehrenamtler vom Deutschen Roten Kreuz in Rhein-Berg helfen sieben Tage lang im überfluteten Magdeburg.

Sie unterstützen die Kollegen, wenn die Not groß ist: Die Ehrenamtler vom Deutschen Roten Kreuz in Rhein-Berg helfen sieben Tage lang im überfluteten Magdeburg.

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Privat

Rhein-Berg -

Als die Bezirksregierung am Freitagnachmittag um 15.27 Uhr bei Sebastian Wanke anruft, ist der kein bisschen überrascht. Und auch die 52 Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis, bei denen nur wenige Minuten später das Handy klingelt, wissen gleich Bescheid.

Der Anruf, mit dem sie seit einer Woche rechnen, erreicht sie im Schwimmbad, im Supermarkt oder am Arbeitsplatz. Der Anruf besagt: Alles stehen und liegen lassen, vorbereiten, packen!

„Einigen war die Anspannung anzumerken“

Drei Stunden später treffen die 52 Menschen, alle sind ehrenamtliche Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), in der Einsatzzentrale des Kreisverbands in der Bergisch Gladbacher Jakobstraße aufeinander.

Eine Ärztin ist darunter, 15 DRK-Führungskräfte sowie weitere 36 Helferinnen und Helfer.

Sie kontrollieren Fahrzeuge, verladen Material – rund 200 Betten, 300 Decken, kistenweise Lebensmittel. „Einigen war die Anspannung anzumerken“, sagt DRK-Mitarbeiter Wanke.

Den Helfern helfen

Es geht ja auch um einiges, wenn der Anruf ein Katastrophenalarm ist und das Ziel Magdeburg heißt. Die Stadt in Ostdeutschland ist vom Hochwasser besonders betroffen. Sieben Tage lang sollen die Mitarbeiter dort ackern.

Aber nicht an der Front: Sandsäcke befüllen, durchs Wasser rudern oder waten tun andere. Sie sollen den Helfern helfen. „Wir sind zur Unterstützung der Führungseinheiten angefordert worden, die bereits in Magdeburg vor Ort sind.

Unsere Aufgabe wird also in erster Linie darin bestehen, für die dort bereits tätigen Einheiten Unterkunft und Verpflegung sicherzustellen und eine Hintergrundlogistik aufzubauen“, erklärt Wolfgang Heinke, der Kreisbereitschaftsleiter des DRK.

Betten sind Mangelware

Rund 3500 überwiegend ehrenamtliche DRK-Mitarbeiter sind derzeit in den Krisengebieten im Einsatz. Sie helfen, aber sie brauchen auch selbst Hilfe. Sie brauchen: ein Bett, eine Dusche, eine Toilette, Essen. Und: medizinische und psychologische Betreuung.

„Vor allem Betten sind Mangelware“, erklärt Wanke. „Und wir verfügen über einen Riesenstamm an Vorräten, um in Katastrophensituationen große Schlafstätten errichten zu können.“ Als alles verladen ist, setzen sich 16 Fahrzeuge in Bewegung. Sie fahren Kolonne.

Die Kolonne ist langsam, denn die Anhänger erlauben keine hohe Geschwindigkeit. Ein Rettungsfahrzeug ist dabei und mehrere Spezialfahrzeuge, die für Technik und Sanitätsdienste besonders ausgestattet sind.


Die Kolonne hält in Leverkusen, um dort vorrätige Betten einzuladen. In Bielefeld stoßen weitere Helfer dazu. Die Sonne geht unter, die Sonne geht auf. Am Samstagmorgen gegen neun Uhr erreicht die Kolonne ihren Einsatzort. An Schlaf ist für die Übernächtigten nicht zu denken.

Sie beginnen gleich damit, in einer riesigen Halle Betten aufzubauen, Duschen und Toiletten aufzustellen – im Zweischicht-System. Sie kochen und verteilen Essen an hunderte Kollegen, die erschöpft aus den Fluten zurückkehren und sich über warme Nudeln freuen. Sie reinigen Toiletten. Am Samstagabend dürfen auch sie erstmals schlafen gehen.

„Wenn das Wasser geht, beginnen die Aufräumarbeiten“
DRK-Mitarbeiter Wanke

Einen der Helfer aus Rhein-Berg telefonisch zu interviewen, ist nicht möglich. „Sie müssen zu viel arbeiten“, erklärt Wanke, der zur Koordination in Bergisch Gladbach geblieben ist, aber mit seinen Kollegen in engem Kontakt steht.

Die sieben Tage viel arbeiten und schlecht schlafen werden, weil es laut ist, weil der Einsatz nahe geht, weil Adrenalin den Körper überflutet. Dass es weniger als sieben Tage und Nächte werden, glaubt Wanke nicht – selbst wenn das Hochwasser schneller sinken sollte als gedacht. „Wenn das Wasser geht, beginnen die Aufräumarbeiten. Damit lässt man die Menschen ja nicht allein.“

Mehr als sieben Tage allerdings könne man den ehrenamtlichen Helfern nicht zumuten.

Nicht nur wegen der Anstrengung, sondern weil auch Arbeitgeber nicht unbegrenzt Verständnis zeigen, wenn der Mitarbeiter fehlt. Oder die Familie wartet. „Nach sieben Tagen werden wir abgelöst – von einer anderen Einheit irgendwo aus Deutschland.“