30.07.2016
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Ausbildungsmarkt: Vom Praktikanten zum Azubi

Schüler, die sich rechtzeitig über Ausbildungsberufe informieren, wie hier bei der Ausbildungsbörse in Overath, haben gute Chancen, eine Lehrstelle zu finden.

Schüler, die sich rechtzeitig über Ausbildungsberufe informieren, wie hier bei der Ausbildungsbörse in Overath, haben gute Chancen, eine Lehrstelle zu finden.

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Roland U. Neumann

Rhein-Berg -

Für die Besetzung von Lehrstellen wird nicht mehr so häufig die Agentur für Arbeit eingeschaltet. Viele Unternehmen wenden sich sofort an die Schulen in ihrem Dunstkreis, um geeignete Bewerber zu finden. Das ist durchaus auch so gewollt: Rhein-Berg gilt als vorbildlich in Sachen Übergangssystem Schule/Beruf. Spätestens ab der 8. Klasse erhalten die Jugendlichen eine systematische Berufs- und Studienorientierung. Hierzu gehören gezielte Praktika in Betrieben. Oft landet der Nachwuchs dann auch gleich als Auszubildender in der betreffenden Firma, wo man ihn kennt und richtig einschätzen kann.
Bei der gemeinsamen Präsentation der Ausbildungszahlen für Rhein-Berg, Leverkusen und Oberberg konnten die Agentur für Arbeit, die IHK zu Köln und die Kreishandwerkerschaft eine rundum zufriedenstellende Bilanz ziehen. Besonders beim Handwerk stieg die Zahl der Ausbildungsverträge recht deutlich an. Zurzeit ist ein Plus von neun Prozent zu vermelden.
Das liegt, wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Marcus Otto anführte, zum großen Teil an der guten Auftragslage: „Besonders Firmen, die sich der energetischen Sanierung von Häusern und Wohnungen verschrieben haben, melden eine sehr starke Nachfrage.“ Auch Zimmerer, Kfz-Mechatroniker und Sanitärfachleute waren gut beschäftigt. Sorgenkind bleibt das Friseurhandwerk.
Bei der Agentur für Arbeit sind in Rhein-Berg noch 90 Lehrstellen-Bewerber unversorgt. Ihnen stehen 39 unbesetzte Stellen gegenüber. In Leverkusen ist die Lücke etwas größer: 106 Unversorgte, 28 freie Stellen. Dennoch, so der Vorsitzende der Geschäftsführung Stefan Krause, habe man bisher 96 Prozent aller Bewerber erfolgreich vermitteln können: „Und bis Dezember werden es noch ein paar mehr sein.“
Im Zuständigkeitsbereich der Industrie- und Handelskammer sind nach Angaben von Ausbildungsleiter Alexander Uhr etwas weniger Stellen gemeldet worden als im Vorjahr: „Es war aber auch damit zu rechnen, dass wir das Rekordergebnis nicht wiederholen konnten.“ Ein Grund sei, dass die Unternehmen im gewerblichen-technischen Bereich etwas vorsichtiger in die Zukunft schauten.
Das sei aber nicht immer der richtige Weg, sagte Arbeitsagentursprecher Krause. Ab 2014 würden durch den demografischen Wandel weniger Auszubildende auf den Markt drängen. Krause: „Wer dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken will, sollte schon jetzt mit der Ausbildung beginnen. Es macht Sinn, langfristig zu denken. “