27.09.2016
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Ausstellung: Ein Lächeln gegen die Gewalt

Thesa Terheyden und Annelise Butterweck präsentieren im Bonner Frauenmuseum eine Dokumentation über ihre Friedensbemühungen in Israel und Palästina – hier eine Demo an der Mauer.

Thesa Terheyden und Annelise Butterweck präsentieren im Bonner Frauenmuseum eine Dokumentation über ihre Friedensbemühungen in Israel und Palästina – hier eine Demo an der Mauer.

Foto:

Privat

Bonn/ Rhein-Berg -

Was war das? Detonationen, dumpfe Geräusche, dann Stille. Mitten im palästinensischen Beit Jala bekamen Thesa Terheyden und Annelise Butterweck im November vorigen Jahres die „Operation Wolkensäule“, die plötzlichen gegenseitigen Angriffe von Israelis und Palästinensern, zu spüren. „Wir riefen die Familie an: Es geht uns gut. Dann waren die Handys aus, die Mails gingen nicht mehr raus“, erinnert sich die Rösratherin Terheyden an das einschneidende Erlebnis.
Drastisch erfuhren sie und die Bergisch Gladbacher Friedensaktivistin Butterweck, was Krieg im Nahen Osten bedeutet. „In dieser Situation wurde mir sehr bewusst: Wir können wieder gehen, sie müssen dort weiterleben.“

Seit Jahren setzen sich die beiden Frauen für ein friedliches Miteinander zwischen den beiden Völkern ein. Im Frauenmuseum Bonn zeigen die beiden zur Zeit die Ausstellung „Zeichen zeigen“ – mit Fotografien von Thesa Terheyden und Texten von Annelise Butterweck. Aufmerksam studieren die Besucher die Studien, nehmen die Gelegenheit wahr, mit den beiden Aktivistinnen über ihre Eindrücke zu diskutieren. Und die haben viel erlebt – Gutes und weniger Gutes. Sie haben in Bergisch Gladbachs palästinensischer Partnerstadt Beit Jala den Wein von Cremisan genossen – aus jenem Gebiet, dass vielleicht bald von israelischen Siedlern bebaut wird. Sie haben an der Demonstrationen der „Frauen in Schwarz“ in West-Jerusalem teilgenommen. Die Frauen halten seit 1987 Mahnwache n mit der Aufforderung in englisch und hebräisch „Stoppt die Okkupation“. „Mittlerweile setzen sich nicht nur Frauen, sondern auch Männer dafür ein“, so Terheyden über die friedliche Demo, an der sich Menschen aus ganz Europa beteiligen. Und sie hat eine Vision entwickelt: „Was würde passieren, wenn die ganze Welt nach Israel und Palästina fahren würde? Aushalten müssten alle die Situation, dies ist mehr, als sich in den Heimatländern für Frieden und Abrüstung einzusetzen.“

Für Thesa Terheyden gibt es noch einen weiteren Grund, sich im Nahen Osten einzubringen: „Wenn meine Enkel mich einmal fragen, was hast du gemacht , kann ich sagen: Ich habe versucht, mich vor Ort intensiv zu informieren und die Lage dort in meiner Heimat zu vermitteln.“ Sie und Butterweck sind in Israel und in Palästina immer wieder auf Menschen gestoßen, die sich für den Friedensprozess engagieren. Sogar auf einer Demonstration an einer der acht Meter hohen Mauern, die die Israelis zum Schutz gegen terroristische Angriffe gebaut haben. „Es schien alles sehr bedrohlich: Israelische Militärs mit Megafonen, Demonstranten aus aller Welt – und dann: Ein Lächeln von einem Soldaten – es wird alles gut.“ Terheyden hat all das in einer Fotosequenz festgehalten.

Für sie war es auch ein besonderes Erlebnis, mit Annelise Butterweck durch einen der streng kontrollierten Checkpoints zu gehen: „Mein Ausweis wurde ganz genau kontrolliert. Annelise hat ihren gar nicht erst rausgeholt.“ Vielleicht habe es daran gelegen, dass Butterweck hebräisch sprach mit den israelischen Grenzkontrolleuren. Anscheinend wohlwollend beurteilten sie wohl auch ihre Antwort nach Verwandten in Beit Jala: „Ja, ich habe viele Familien dort.“ Daraufhin hätten sie die israelischen Kontrolleure in Ruhe gelassen. Bei ihren Freunden erfuhren die beiden auch die Umsetzung des arabischen Wortes „Summit“: Beharrungsvermögen und die Stärke, der Gewalt ein Lächeln entgegen zu stellen. Ein besonderes Erlebnis hatte Butterweck mit einem handgestickten Tuch mit der Aufschrift „Smile palestine“ (Lächle, Palästina): „Das wurde im Flughafen Tel Aviv untersucht – ein Beamter war verstört, sein Kollege aber lächelte.“
Die Dokumentation „Zeichen zeigen in Palästina und Israel – Herbst 2012“ mit Fotos und Texten von Thesa Terheyden und Annelise Butterweck wird bis zum 12. Mai im Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, 53111 Bonn, gezeigt. Geöffnet dienstags bis samstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr.
www.frauenmuseum.de


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