28.08.2016
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Balkantrasse: Auf flacher Strecke ins Bergische Land

Die Wege sind asphaltiert und damit leicht zu fahren.

Die Wege sind asphaltiert und damit leicht zu fahren.

Foto:

Jan Sting

Rhein-Berg -

Die Reifen surren auf dem Asphalt des Panorama-Radwegs. Mit der Zeit hat das was von Meditation. Kilometer für Kilometer zuckelt man an der Landschaft um die stillgelegte Eisenbahntrasse im Bergischen Land vorbei, so urwüchsig, als sei sie im Hobbykeller modelliert. Hin und wieder gibt es alte Alleen, lichtdurchflutet wie Kathedralen aus Bäumen. Dann tun sich wieder Ausblicke auf satte Wiesen mit geflecktem Milchvieh, tiefgrünen Waldrand und lustige Fachwerkhäuser auf, als radele man gerade durch eine Landschaft aus dem Ferienkatalog.

Aber das sind tatsächlich Ferien, direkt vor der Haustüre, im Bergischen Land, ohne das störende Getöse des Autoverkehrs. Der Weg verläuft abseits der Hauptstraßen. Lange Zeit war er eingewachsen und wie verwunschen. Dann entdeckten unter anderen die Initiatoren des ADFC die Chancen für den Radtourismus. Ganz famos - es gibt keine mühsamen Steigungen. Das Höhenprofil, das einst die schwerfälligen Eisenbahnen bedachte, ist für gemütliche Radtouristen wie mich ideal. Und mein Drahtesel ist darüber bestimmt genauso glücklich wie ich. Wir machen nämlich ansonsten nur an Karneval etwas gemeinsam, oder wenn das Auto aus der Werkstatt abgeholt werden muss. "Und da tut der Popo weh", feixte der Kfz-Meister zuletzt über die verzweifelten Erfahrungsberichte zum Thema Radfahren im Redaktionsalltag. Und er hatte völlig recht.

Direkt vor der Haustür

Nun habe ich mich von meinen Wanderfreunden zum Radwandern überreden lassen. Von Burscheid aus geht es über Wermelskirchen weiter bis nach Gummersbach - hin und zurück knapp 70 Kilometer. Als erstes steht der "Balkan" auf dem fünfstündigen Radreiseprogramm. Aber ein ganz besonderer. Die Trasse liegt nämlich direkt vor der Haustür. Die Balkantrasse, so heißt sie im Volksmund, ist eine ehemalige Bahnverbindung von Leverkusen- Opladen bis nach Remscheid-Lennep. Sie zweigt nördlich des Bahnhofs Opladen von der Bahnstrecke Köln-Wuppertal ab und führt parallel durch Bergisch Neukirchen, Burscheid, Wermelskirchen und Bergisch Born bis nach Lennep.

Dass die anderen immer wieder auf mich warten sollen, habe ich mir ausbedungen. Der Start ist am alten Bahnhof in Burscheid. Kilometerlang geht es nun geradeaus. Die Strecke ist gemütlich. Genau das Richtige für mich. Neben der Asphaltfahrbahn, auf der auch Skateboarder, Fußgänger und immer wieder einmal Senioren mit dem Rollator oder auf dem Elektrorad unterwegs sind, kommt man sich nicht ins Gehege. Ruhe und Gelassenheit herrschen auch deswegen, weil auf der Trasse kein Motor nervig knattert und jault. Als plötzlich aus einem angrenzenden Garten eine Motorsäge aufheult, schrecke ich zusammen.

Mein Radwanderclub ist schon stramm voraus. Aber sie werden warten. Bäume ziehen vorbei und ich bin so tiefenentspannt, dass ich unwillkürlich auf Fantasiereise in die Zeit der Bummelzüge zurückfalle. Schon sitze ich in Gedanken im rumpelnden Balkanexpress. Da gibt es noch viel zu tun. Hausaufgaben abschreiben zum Beispiel. Das Pausenbrot riecht verlockend, und im Winter werden Bilder auf die beschlagenen Scheiben gemalt. Die Geschichte der Bahn ist allenthalben erlebbar. Es gibt verwitterte Meilensteine und frisch renovierte. Eine Menge Herzblut unzähliger Ehrenamtler steckt in den Projekten der Panorama-Radwege auf stillgelegten Bahntrassen im Bergischen und im Sauerland.

Nur vereinzelt wächst ein indisches Springkraut am Wegesrand im Schotter. Alles ist gut durchdacht und gepflegt. Der Respekt vor der Natur führte so weit, dass bei Hückeswagen ein Tunnel über lange Zeit gesperrt blieb, da es sich dort die Fledermäuse gemütlich machen. Ihnen hat man einen Schrank gebaut, der Weg ist nun wieder frei. In Bergisch Born wurde eine blaue Brücke installiert, um gefährliche Klettermanöver am Bahndamm zu vermeiden. Nun können auch hier die Radtouristen passieren.

Federnde Poller

An den Zufahrten zur Trasse, die in regelmäßigen Abständen eingerichtet sind, so dass man im Notfall nicht querfeldein zu radeln braucht, sorgen rot-weiße Poller dafür, dass kein Auto sich hier verirrt. Sie stehen auf einem Federgelenk, und lassen sich wegboxen. Immer wieder fallen Radfahrer drauf rein und wollen sich abstützen. Aber dafür gibt es Geländer dort, wo die Trasse am Abhang entlang führt. Zudem gibt es Rastplätze und Gastronomie: Mobile Waffelstände und Bierbuden, ein Grieche hat auf einem alten Bahnsteig in Wipperfürth Plastikstühle und Tische aufgestellt, der Blick geht auf die Rollbahn des kleinen Flugplatzes. Stromtankstellen für die Elektroräder gibt es auch.

In Marienheide geht es von der ehemaligen Bahntrasse ab in Richtung Schloss Gimborn. Zwar geht es bergab, aber wie ein Kontrastprogramm wirken Autos und Motorräder. Schöner war es auf der Trasse. Eine Gastwirtschaft beim Schloss entschädigt für die Strapazen. Und es geht wieder retour.