24.07.2016
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Altenberger Dom: Ein Monument ohne festen Plan

Verleger, Autoren und Förderer präsentieren die neue Dokumentation über den Altenbeger Dom.

Verleger, Autoren und Förderer präsentieren die neue Dokumentation über den Altenbeger Dom.

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Roland U. Neumann

Bergisch Gladbach -

„Versuch und Irrtum“ als Prinzip der Weiterentwicklung eines Gebäudes, wenn man einem heutigen Architekten diesen Vorschlag etwa beim Bau der Kölner Oper machen würde, man würde für verrückt gehalten. Aber genauso haben es die Baumeister im Hochmittelalter in Altenberg gehalten. Diese Erkenntnis ist eines der Ergebnisse, die Sabine Lepsky und Norbert Nußbaum im soeben erschienenen zweiten Band der Baumonographie zum Altenberger Dom vorstellen. Finanziert wurde das Buch vom Altenberger Dom-Verein und der Henkel-Stiftung. Ging es im ersten Band um die Choranlage, befassten sich die Autoren im zweiten Band mit Quer- und Langhaus der gotischen Kirche.

„Wir wissen jetzt so viel, wie die Erbauer damals über die von uns untersuchten Stellen“, stellt Nußbaum fest. Die Auswertung der Dom-Dokumentation, die Nußbaum und Lepsky im Auftrag des Altenberger-Dom-Vereins während der Sanierung der Simultankirche in den Jahren 1994 bis 2005 übernahmen, ergab Überraschendes. Der Dom ist nicht wie bislang vermutet, nach einem einheitlichen Plan entstanden. Die Bauforscher können anhand von gefundenen Bauspuren und ihrer Auswertung nachweisen, dass es zwischen Choranlage und Quer- und Langhaus eine grundlegende Änderung im Entwurf des Baukonzeptes gegeben hat. „Im Hochmittelalter gab es Tusche auf Pergament als neues Planungsmedium. Da niemand schreiben konnte, wurden auf dem Pergament nur die Zeichnungen der Bauformen festgehalten. Wie man ein gotisches Maßwerk herstellte, das musste jeder Baumeister vor Ort mit den vorhandenen Materialien komplett neu einüben“, ergänzt Lepsky. Die Baumeister gehörten zu den am besten bezahlten Gewerken im Mittelalter, allerdings mussten sie reisen, um Arbeit zu finden.

Da während der mehrere Generationen dauernden Bauzeit der Betrieb im Altenberger Kloster weitergehen sollte und musste, gab es keine Alternative dazu, die vorhandene romanische Kirche zu überbauen. „Das erklärt die immer größer werdenden Kirchen. Ich halte nichts von den Erklärungsansätzen, die den Zisterziensern Verschwendungssucht nachweisen wollen. Es war schlicht eine statische Notwendigkeit, größer zu werden“, meint Nußbaum. So geschah es auch in Altenberg, die alte Kirche wurde in mehreren Bauabschnitten überbaut, wie sich auch an den untersuchten Stellen nachweisen lässt.

Die nun vorliegende Dokumentation erleichtert auch den heutigen Baumeistern die Arbeit. Einmal im Jahr wird der Dom mittels Hubsteiger abgefahren, werden aufgetretenen Risse aufgenommen und beseitigt. „Wer kleinere Schäden sofort beseitigt, kommt günstiger weg als bei einer Komplettsanierung“, erklärt Nußbaum.

Gotische Konstruktion und Baupraxis an der Zisterzienserkirche Altenberg, Band 2, 200 Seiten, Heider-Verlag, 59 Euro, ISBN 978-3-87314-475-0.