28.08.2016
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Asylbewerber: Anwohner wehren sich gegen Neubau

Im August 2012 war die Notunterkunft für Asylbewerber an der Gierather Straße durch einen Brand zerstört worden.

Im August 2012 war die Notunterkunft für Asylbewerber an der Gierather Straße durch einen Brand zerstört worden.

Foto:

Roland U. Neumann

Bergisch Gladbach -

Die Unterbringung von Asylbewerbern oder Menschen in Wohnungsnot stellt Kommunen immer wieder vor neue Probleme. In Bergisch Gladbach plant die Stadt an der Gierather Straße ein neues Gebäude, im Gegenzug sollen andere Gebäude verkauft werden. An der Gierather Straße befinden sich bereits jetzt drei Häuser für Obdachlose und Asylbewerber – das jetzt dort geplante Haus ersetzt ein 2012 abgebranntes Gebäude. Die Anwohner befürchten durch die Ansammlung von Menschen verschiedener Ethnien geballte Probleme direkt vor ihrer Haustür.

Mit einer Liste mit 49 Unterschriften gegen den Neubau wurde man auch bei Bürgermeister Lutz Urbach vorstellig. Er verwies auf die Beschlusslage durch die Politik. Und die ist eindeutig. Nach der bisherigen Konzeption rechnet die Stadt mit einem Bedarf von 250 bis 300 Plätzen für Asylbewerber oder Obdachlose. Der Neubau an der Gierather Straße ist dabei gesetzt. Dabei wird bewusst in Kauf genommen, dass es nirgendwo sonst in Bergisch Gladbach eine derartige Dichte dieser Unterkünfte im Stadtgebiet gibt.

Dagegen wehren sich die Anwohner. Eine Betroffene ist Felicitas Esser: „Es geht nicht darum, die problematische Unterbringung von Menschen in Not aus unser Nachbarschaft wegzuschieben – aber es kann nicht sein, dass hier ein sozialer Brennpunkt geschaffen wird.“ Vier Häuser seien schlicht zu viel.

Dabei sind viele der städtischen Obdachlosenheime in einem äußerst schlechten Zustand. Schon seit Jahren werden die Sanierung oder der Ersatz in den verschiedenen Ausschüssen angemahnt. Allerdings scheiterten mögliche Baumaßnahmen bislang nicht nur am Geld, sondern auch am Widerstand – oder dem erwarteten Widerstand – von direkten Anwohnern. Nur eben in Gronau scheint der Neubau realisierbar zu sein.

Wobei gar nicht klar ist, wie viele Plätze die Stadt überhaupt vorhalten muss. In der Vergangenheit war vor allem Raum für ausländische Flüchtlinge gefragt. Rund die Hälfte aller Belegungen entfiel auf diese Gruppe. Menschen mit „Wohnungsproblemen“ stellten mit rund 30 Prozent den zweitgrößten Anteil. Mit dieser Bezeichnung im Verwaltungsdeutsch sind meist psychisch Kranke oder Suchtkranke gemeint. Spätaussiedler und jüdische Migranten waren die kleinste Gruppe. Es zeichnet sich ein Trend ab, wonach die Zahl der Menschen mit „Wohnungsproblemen“ weiter steigt, die der anderen Gruppen weiter sinkt.

Die Anwohner am Gierather Weg haben Rechtsanwälte eingeschaltet und planen, sich mit einer Petition an die Düsseldorfer Landesregierung zu wenden.