30.05.2016
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Ausstellung: Frank Timpe zeigt mit „Steel Scrap“ Stahlkunstwerke im Kulturhaus Zanders

Künstler Frank Timpe begegnet seinem Selbstporträt, das seine Gesichtszüge mit Stahlteilen zeigt.

Künstler Frank Timpe begegnet seinem Selbstporträt, das seine Gesichtszüge mit Stahlteilen zeigt.

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Klaus Daub

Bergisch Gladbach -

Aus Abfällen der Industrie wird Kunst. Wie das geht, macht Frank Timpe vor, der im Kulturhaus Zanders ausstellt. Der englische Titel „Steel Scrap“ stellt klar, mit welchem Material der Künstler arbeitet – mit Stahlschrott. Seit mehr als vier Jahren setzt er Metallteile künstlerisch ein, während er sich auch als Maler und Grafiker auszudrücken weiß.

In der Mehrzahl der ausgestellten Arbeiten drapiert Timpe die Stahlteile auf weißen Leinwänden: Kleine Einzelstücke setzt er so zusammen, dass das Bild eines abgestorbenen Baums mit einem darunter liegenden Frauenakt entsteht. Oder zwei Frösche, von denen sich der eine in sprungbereiter Haltung zeigt, während der andere als „eitler Gockel“ Männchen macht. Auch zahlreiche Porträts von Persönlichkeiten der Weltgeschichte und Kultur bringt der Künstler so auf die Leinwand: Mahatma Gandhi trifft Sophia Loren, Käthe Kollwitz begegnet Che Guevara, Charlie Chaplin ist ebenso vertreten wie Mutter Teresa. Dazu gesellt sich ein Selbstporträt des Künstlers unter dem Titel „Der Unverstandene“.

Ob der Betrachter das verstehen kann oder nicht, so ist er doch beeindruckt, wie sich aus schlichten Metallstücken die charakteristischen Gesichtszüge der verschiedenen Berühmtheiten herausschälen. Wie schafft es Timpe, dass ein zur Spirale aufgerollter, dünner Stahlstreifen exakt so aussieht wie Che Guevaras rechtes Auge? Da bringt der Künstler offenbar viel Erfahrung und ein ungewöhnliches Geschick mit. „Ich bin ein guter Beobachter“, sagt Timpe dazu. Noch verblüffender ist seine Gabe, weil die Porträts nur aus einer Distanz von zwei oder drei Metern erkennbar sind, aber nicht im Abstand von 40 oder 50 Zentimetern von der Leinwand.

In einer weiteren Bilderserie geht es um bedrohte Tierarten, darunter Eisbären und Elefanten, die der Künstler in Szene setzt. Das gelingt ihm auch mit den Panoramen von Köln und Dresden. Als „Herkules auf dem Weg nach oben“ hat Timpe einen männlichen Akt betitelt, den der Betrachter von hinten und scheinbar von unten zu sehen bekommt. Da ist ironische Leichtigkeit zu spüren, die den Besuch bei den Arbeiten von Frank Timpe zum Genuss werden lässt. Auch das Objekt „Die Kämpferin“, bei dem er einen Kunststoff-Gorilla mit Metallteilen kombiniert, ist sicher nicht bierernst zu betrachten. Das zeigen schon die beiden Hörner am Kopf der Gorilla-Dame, die sich da nicht ohne Fantasie akzeptieren lassen. Doch auch bitterernste Themen weiß Timpe mit ähnlichen Mitteln anzusprechen. Mit Puppenteilen, insbesondere ihren Augen, und Stahlstücken setzt er das Thema sexueller Missbrauch von Kindern um. Das Ergebnis hinterlässt einen starken Eindruck.

Die Ausstellung „Steel Scrap – Medley“ mit Arbeiten aus Stahlschrott von Frank Timpe wird mit einer Vernissage am Sonntag, 13. März, um 15 Uhr, im Kulturhaus Zanders, Hauptstraße 267-269, eröffnet. Danach ist sie bis zum Sonntag, 10. April, zu sehen: dienstags, donnerstags und sonntags, jeweils von 15 bis 18 Uhr.