26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Frauen im Chefsessel: Sie bringt Frauen in Führung
25. January 2013
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Frauen im Chefsessel: Sie bringt Frauen in Führung

Sigrid Meuselbach berät Frauen, die eine Führungsposition haben oder anstreben.

Sigrid Meuselbach berät Frauen, die eine Führungsposition haben oder anstreben.

Foto:

Roland U. Neumann

Bergisch Gladbach -

Welches Potenzial haben weibliche Mitarbeiter? Wie können die Talente der Frauen gefördert werden, und wie können Führungskräfte dafür sensibilisiert werden? Antworten auf diese Fragen will ein Pharmahersteller und -exporteur in Österreich finden. Mit dieser Aufgabe betraut das Unternehmen Sigrid Meuselbach aus Bergisch Gladbach. Auf das Thema Frauen in Führung hat sich die 59-Jährige seit Jahren spezialisiert und ist damit nicht nur in Rhein-Berg bekannt. „Ich bringe Frauen in Führung und helfe Männern, damit zu leben“, beschreibt sie ihren Arbeitsschwerpunkt.

„Die Aufgabe in Tirol ist neu für mich. Denn zunächst geht es vorrangig um die Sensibilisierung der Führungskräfte“, erläutert die selbstständige Trainerin. Bisher habe sie meist mit Frauen, die in einer führenden oder einer mittleren Position tätig sind, direkt gearbeitet. Sie trainiert Ratsuchende auch für Bewerbungs- oder Gehaltsgespräche. „Diese Anfragen kommen häufig. Und dafür bin ich da“, sagt sie mit sympathischem Lächeln, das stets ihre wachen Augen mit einschließt. Für den neuen Auftrag ist Sigrid Meuselbach im Team mit ihrem Kollegen Andreas Hartwig im Einsatz. „Denn hier sind der Frauenblick und der Männerblick wichtig.“

Die Gladbacherin hat die Frauen im Blick. Sie wünscht sich, dass es in Unternehmen gerechter zugeht, indem mehr Frauen an der Führung beteiligt sind. „Ich arbeite überwiegend mit beruflich sehr hochkarätigen Frauen. Wenn sie nicht weiterkommen, finde ich das nicht gerecht.“ Deshalb will Sigrid Meuselbach „Augen öffnen“ und helfen, dass sich in Betrieben mehr bewegt. Die Frauen selbst müssen sich ihrer Ansicht nach zunächst die wichtigste Frage beantworten: Will ich?
Geboren in Köln, aufgewachsen in Hessen, studiert sie in Frankfurt Pädagogik mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Sucht. Während des Studiums arbeitet sie mit inhaftierten und mit drogenabhängigen Frauen. Nach der Tätigkeit in einer Suchtklinik wechselt sie nach Norddeutschland als Therapeutin, dann nach Köln. Nebenher bildet sie sich über Frauenthemen und Therapie weiter.

Die Arbeit mit problembelasteten Menschen gibt sie auf. Sie heiratet, zieht mit ihrem Mann die gemeinsame Tochter groß, baut ihre beruflichen Aktivitäten aus und zieht mit Familie 2003 nach Gladbach. Ihr Profil als Beraterin für Frauen in Führung, Trainerin, Coach und Mediatorin hat Sigrid Meuselbach seit 1993 und ist bundesweit und in europäischen Nachbarstaaten gefragt. Seit fünf Jahren ist sie mit einem Team von fünf selbstständigen Trainern und Beratern aktiv. Auch im Netzwerk „Frauen in Führungspositionen“ engagiert sie sich.

Bei ihrer Unterstützung für Frauen will die 59-Jährige auch Brücken zwischen Männern und Frauen bauen. Neben einem Durchbox-Training für Frauen bietet sie ein Frauenversteher-Training an: „Männer müssen ermutigt werden, zu sehen, dass Frauen anders ticken als sie und auch anders kommunizieren.“ Denn meist säßen die Männer an der Macht. „Sie lassen die Frauen rein oder nicht.“

Aus ihren Kontakten weiß die Beraterin, dass viele Frauen eine Karriere mit Kind für kaum möglich halten. „Kinder sind kein Karriereknick. Das müssen auch Frauen lernen“, betont Meuselbach. Zum einen gebe es mit der Bezeichnung „Rabenmutter“ nach wie vor die Blockade bei Frauen. Zum anderen trauten Männer Müttern weniger zu. Eine Verschlechterung der Position und des Einkommens nach dem Erziehungsurlaub sei nicht selten. Für Männer sei es einfacher bei Einstellungen oder Beförderungen. „Kein Mann wird gefragt: Was machen Sie mit Ihrem Kind, wenn es krank ist?“

Mit ihrem Ziel, sich für Gerechtigkeit in Betrieben zu engagieren, hat Sigrid Meuselbach noch viel vor. Dabei hat sie auch die junge Generation im Blick. „Sie werden im Wohlstand mit weltweitem Medienzugang groß. Sie kennen kaum Grenzen. Das wird spannend.“