25.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Kölner Stadt-Anzeiger | Führung im Grandhotel Schloss Bensberg : Mythische und explosive Kunst
08. December 2014
http://www.ksta.de/401150
©

Führung im Grandhotel Schloss Bensberg : Mythische und explosive Kunst

Bergisch Gladbach -

„Klitumnus“, der Flussgott von Malerfürst Markus Lüpertz, schaut am Sonntagnachmittag gnädig auf die vielen Leser, die sich auf Einladung des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Foyer des Grandhotels Schloss Bensberg zur Leserführung getroffen hatten. Doch Ehrfurcht vor dem allmächtigen Gott der griechischen Mythologie kam eher nicht auf bei den Kunstliebhabern, die sich freudig der Führung von Kunsthistorikerin Parthena Pauli anschlossen.

Temperamentvoll führte die Mitarbeiterin des Kölner Museums Ludwig durch die Etagen des ehrwürdigen Bensberger Schlosses. Ab und zu ging es vorbei an einem Prominenten, doch die Teilnehmer widmeten ihr Interesse eher der zeitgenössischen Kunst, die in Fluren, Sälen und sogar in den Suiten in einer ansehnlichen Leihgaben-Sammlung vertreten ist – Markus Lüpertz, der Malerfürst, A. R. Penck, der Meister der Strichmännchen, und Georg Baselitz, der 1957 wegen „staatsbürgerlicher Unreife“ die DDR verlassen musste und um 1970 seine Werke einfach auf den Kopf stellte. Alle drei sind bedeutende Vertreter der Gegenwartskunst, alle drei pflegen freundschaftlichen Kontakt miteinander, wobei Lüpertz seine Kollegen und die Kunstwelt in der Vergangenheit oft mit erstaunlich heftig formulierten Kritiken in Erstaunen versetzt hat. Düster wirken seine teilweise großformatigen Farblithografien im Schein der gedimmten Lüster.

Pencks Situation im katholischen Köln und die Vergangenheit

Nur die farbenfrohen Aquatinta-Radierungen aus den 70er-Jahren von A.R. Penck wie der Leopard und das Vögelchen leuchten ein bisschen an diesem dunklen Adventsnachmittag im Flur mit den schweren Sesseln und Brokatportieren. Parthena Pauli wies auf die beiläufig gepinselten Symbole wie eine Mitra, ein panzerförmiger Hut und sogar Exkremente hin. „Das alles sind Anspielungen auf seine Situation im katholischen Köln und die Vergangenheit – Penck war gerade raus aus der DDR“, erklärte die Kunstkennerin die explosiven Werke, die wie ein Befreiungsschlag nach dem engen Korsett der Möglichkeiten im Osten wirken.

Im Salon Alberti begegneten den Besuchern zwei weitere Arbeiten zum Thema Flussgott von Lüpertz – düsteres Grün, verbundene Köpfe. Gestenreich erklärte Parthena Pauli Lüpertz’ künstlerische Annäherung an die Mythologie. Ganz still lauschten die Besucher ihren Ausführungen. Dann ging es mit lebhaftem Austausch wieder in den Aufzug, in die nächste Etage zu einem kleinen Umtrunk mit Häppchen. „Parthena Pauli gestaltet die Führung sehr lebendig und mit einer Begeisterung für Künstler und Menschen – die Fahrt nach Bensberg hat sich gelohnt“, lobte eine Teilnehmerin der Kunstführung, die aus Köln angereist war.