23.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Geschichte: Die Buchmühle in Bergisch Gladbach

Die Buchmühle in Bergisch Gladbach im Herbst 2011

Die Buchmühle in Bergisch Gladbach im Herbst 2011

Foto:

REPRO ARLINGHAUS

Bergisch Gladbach -

Die Auswahl an Bekleidungsstoffen war im Mittelalter in hiesiger Gegend stark begrenzt. Vor dem Ausbau des europäischen Fernhandels über Venedig und Flandern, wodurch später Wolle aus England und Baumwolle aus dem Orient nach Mitteleuropa kamen, hüllte man sich vornehmlich in Leinen. Eine der Flachsmühlen, in der der schwer zu bearbeitende Lein nach dem Rösten gebrochen wurde, war die Buchmühle.


Obwohl sie schon lange nicht mehr existiert, wird sie heute mit einem kleinen Fachwerkhaus in der Innenstadt in Verbindung gebracht, „das mit der Buchmühle nur noch den Namen gemeinsam hat“, so Hans Leonhard Brenner in seiner Abhandlung über die Gladbacher Mühlen. Mit der Buchmühle ist fast schon die Keimzelle von Gladbach markiert. Im Zeitraum zwischen 1100 und 1200 bauten die Grafen von Berg südlich des Bocker Bergs, unterhalb der heutigen Laurentiusstraße, auf einem Gelände, das von der Strunde umflossen wurde, den ersten Fronhof, Herrenhaus für eine neue Rodesiedlung. Zu dieser frühen Siedlung gehörte eine kleine Kirche – Vorgängerbau der heutigen Laurentiuskirche. „Zur Versorgung brauchten die neuen Siedler aber auch eine Fruchtmühle, was der alte Ausdruck für eine Getreidemühle ist“, so Brenner. So entstand auf dem Grund und Boden des Herrenhofes die Buchmühle.


Dem geringen Bedarf für die kleine Siedlung angepasst war auch die Mühle nicht sehr groß. „Von dieser Mühle ist aber nur noch der Name übrig geblieben, denn mit wachsender Bevölkerungszahl wurde eine größere Fruchtmühle benötigt“, erklärt der Lokalhistoriker. Diese größere Mühle war nicht etwa die Gladbacher Mühle, wie viele wegen des Namens vermuten, sondern die Gronauer Mühle, die ebenfalls den Grafen und späteren Herzögen von Berg bis zum Jahr 1806 gehörte. Da sie mit umfangreichen Zwangsmahlrechten ausgestattet war, sahen sich viele Bauern bis hin nach Herkenrath gezwungen, in Gronau mahlen zu lassen. Dabei war nicht nur der Transportweg lästig, auch das Mahlen selbst war sehr zeitraubend. „Bis zu neun Mahlgänge waren erforderlich, um eine optimale Mehlausbeute zu erreichen“, so Brenner.


Die Buchmühle wurde nun von der Frucht- zur Flachsmühle. Als durch die Einfuhr von Wolle und Baumwolle die Nachfrage an Leinenstoffen zurückging, schlug das Ende der Buchmühle als Mühlenstandort. Sie wurde in ein Bauerngut umgewandelt, das vor 1700 vom Offermann, also dem Küster von St. Laurentius, bearbeitet wurde. Später kaufte es der Gladbacher Pfarrer Matthäus Moritz zusammen mit einem Gut in Paffrath, um aus den Erträgen der beiden Höfe eine Vikarstelle finanzieren zu können.


„Das ging rund hundert Jahre gut“, so Brenner. Dann war das Haus heruntergewirtschaftet, kostspielige Reparaturen an Wohnhaus und Scheune nötig. Doch statt zu renovieren, verkaufte man die Buchmühle 1815 für 4530 Francs an den Wirt Peter Kierdorf. Um 1840 richtete sein Schwiegersohn hier eine Metzgerei ein und ließ den Ziegelsteinanbau errichten. Im 20. Jahrhundert gehörte das Gebäude lange der Stadt, die es bis 1977 als Wohnhaus vermietete. „Zwischenzeitlich gab es Pläne, das historische Gebäude abzureißen, man entschloss sich aber dann doch zur Renovierung“, zeichnete Brenner die Geschicke des Hauses nach. Erst zog hier für einige Jahre die Musikschule ein, bevor das Haus 1982 an ein Architektenpaar verkauft wurde. Sie gestalteten das Gebäude um. Seitdem befinden sich hier neben einem Architekturbüro ein Restaurant und ein kleiner Laden.