29.09.2016
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Hochwasserschäden: Kampf gegen die Ohnmacht

Das Treffen der Hochwassergeschädigten.

Das Treffen der Hochwassergeschädigten.

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Christopher Arlinghaus

Bergisch Gladbach -

Das Wasser ist weg, die Sorgen bleiben. Die Hochwasseropfer in Refrath stehen zum Teil vor den Trümmern ihrer Existenz. Deshalb rücken zehn Betroffene zusammen, entschlossen, „die Ursache und damit die Verantwortlichen“ zu finden. Und, wenn nötig, mit einer Klage zur Kasse zu bitten. D dies verabredeten die Hochwassergeschädigten bei einer Zusammenkunft.

Bei dem Unwetterregen am 20. Juni hatte sich der Frankenforst Bach in einen reißenden Strom verwandelt. Keller, Souterrains und Erdgeschosse von Häusern an den Straßen Kempershäuschen, Dolmannstraße, Vürfelser Kaule, Kierspelstraße sowie teilweise im Pippelstein liefen voll Wasser.

„Es geht diesmal um meine Existenz“, sagt Karin Kiel. Die Schadensbilanz werde gerade von einem Gutachter ermittelt. Das gesamte Mobiliar von Wohnzimmer, Essbereich, Küche – alles erst vor einem Jahr nach der letzten Überschwemmung angeschafft – sei wieder hinüber. Wie andere Betroffene habe sie mit Mitarbeitern von Stadtverwaltung und Abwasserbetrieb telefoniert, persönlich sogar mit dem Bürgermeister, aber weder hätten sie in ihrem Haus den Dreck weggeräumt, noch gebe es eine Aussage zu dem Grund für die Flutwelle, geschweige denn eine Entschädigung. „Ich habe den Anliegern längst mitgeteilt, dass in den letzten Jahren keine Umbauten am Frankenforst Bach stattgefunden haben, die eine Hochwassergefährdung ausgelöst haben“, sagt Arndt Metzen, Sachgebietsleiter Gewässer im Stadtentwässerungsbetrieb.

Um der Ursache auf den Grund zu gehen, werde jetzt ein Ingenieurbetrieb beauftragt, um die Probleme, die es beim Abfluss des Regenwassers gegeben habe, virtuell in einer Computeranimation nachzuvollziehen. So könne ein ziemlich genaues Abbild der Wirklichkeit gewonnen werden. Die Stadt habe bisher keinen Hinweis gehabt, dass Refrath in der Gefahrenzone liege, weil das Gebiet in den Hochwasserkarten der Bezirksregierung bisher nicht verzeichnet sei.

Da es seitens der Stadt keine gesetzliche Verpflichtung zum Hochwasserschutz gebe, sei insbesondere „die Eigenverantwortung betroffener Bürger und deren Bereitschaft zur eigenen Risikowahrnehmung“ gefordert. Arndt rät etwa dazu, Fenster zuzumauern oder Türeingänge zu verlegen.
Bei der Frage nach dem Versicherungsschutz zucken die meisten Betroffenen in Refrath die Schultern. „Die nehmen uns nicht, weil es 2012 schon einen Schaden gegeben hat“, sagt Karin Kiel. Gemeinsam mit ihrem Ehemann wolle sie „Himmel und Hölle“ in Bewegung setzen, damit die Stadt einen finanziellen Ausgleich zahle.

Menschen, die in ihrer Existenz bedroht sind, bekämen Hilfe vom Sozialamt, versichert Stadtsprecher Martin Rölen. Auch wenn es sich um eine vorrübergehende Bedürftigkeit handele.

Die zehn Hochwassergeschädigten sind bei ihrer Zusammenkunft zusammengerückt: im Kampf gegen die eigene Ohnmacht. Mit allen Mitteln wollen sie eine erneute Flutwelle verhindern. Nach dem ersten Schock wollen sie nicht den Kopf in den Sand stecken.