27.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Städtepartnerschaft: Drei Seiten einer Freundschaft

Ganey Tikva in Israel ist ab Sonntag offiziell neue Partnerstadt von Bergisch Gladbach.

Ganey Tikva in Israel ist ab Sonntag offiziell neue Partnerstadt von Bergisch Gladbach.

Foto:

Privat

Bergisch Gladbach -

„Gärten der Hoffnung“ heißt Ganey Tikva auf Deutsch – ein symbolträchtiger Name für eine Stadt in Israel. Er weckt Wünsche und Träume: Brücken bauen und Mauern einreißen. Mit Ganey Tikva in Israel vereinbart Bergisch Gladbach von Sonntag an eine neue Städtepartnerschaft. Bürgermeister Lutz Urbach will mit seinem israelischen Amtskollegen Avishai Levin beim Neujahrsempfang im Bürgerhaus Bergischer Löwe die entsprechende Erklärung unterzeichnen.

Es gibt nicht viele Städte in Deutschland, die Freundschaften gleich zu einer israelischen und einer palästinensischen Stadt pflegen, mit dem Fernziel dreiseitiger Beziehungen zwischen den Bürgern. Es war der ausdrückliche Wunsch des Rates, dass der 2010 geschlossenen Partnerschaft mit Beit Jala im Westjordanland eine mit einer israelischen Stadt folgen sollte: um nicht den Eindruck zu erwecken, parteiisch zu sein.

Es war ein schwieriger Weg für ein zuerst utopisch klingendes Ziel, erinnert sich Stephan Dekker, Leiter des Bürgermeisterbüros. Zuerst musste das Außenministerium sein Okay geben und die deutsche Botschaft in Israel einbezogen werden. Der israelische Städte- und Gemeindebund Union of Local Authorities in Israel (ULA) stellte schließlich den Kontakt her zu Ganey Tikva, einem Ort mit etwa 15 000 Einwohnern, 20 Minuten von Tel Aviv entfernt. Im Juli 2011 schließlich reiste eine israelische Delegation, zu der auch Bürgermeister Levin gehörte, nach Gladbach, um ihr Interesse an einer Partnerschaft zu bekunden. Für Levin ist dieses Projekt etwas Besonderes: Viele seiner Vorfahren wurden im Holocaust ermordet. Umso mehr Bedeutung hat für ihn der Austausch mit Bergisch Gladbach. Es ist ein Zeichen der Versöhnung.

„Wir denken in kleinen Schritten“, sagt Dekker. Das Wichtigste sei, Begegnungen mit Menschen zu ermöglichen. „Wir sind nicht für den Weltfrieden zuständig“, hat auch Urbach beim letzten Zusammentreffen mit Levin im November vergangenen Jahres im Rathaus betont. Bei der Dreier-Städtepartnerschaft gehe es um persönliche Kontakte. „Wir erhoffen uns, durch die Partnerschaft Vorurteile abbauen zu können“, sagt Pfarrer Achim Dehmel von der evangelischen Kirche Zum Heilsbrunnen. Zusammen mit Susanne Schlösser ist er der Initiator eines Arbeitskreises, der die Freundschaft mit der Stadt mit Leben füllen will.

Am besten geschehe das mit Jugendlichen. Das Otto-Hahn-Gymnasium und die Realschule Im Kleefeld sind schon dabei, Schüleraustauschprogramme für 2014 zu organisieren. In den Herbstferien dieses Jahres ist eine Bürgerfahrt in die „Gärten der Hoffnung“ geplant, kündigt Schlösser an. Und auch für einen Austausch zwischen den drei Städten gibt es einen Termin: bei einem Pfadfindertreffen in Bensberg 2014. Solche Begegnungen müssten langsam, klug und sensibel entwickelt werden, sagt Schlösser und fügt optimistisch hinzu: „Der Anfang ist gemacht.“


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?