29.09.2016
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Wiedereröffnung für Herbst 2015: Althoff-Gruppe gibt Lerbach auf

Nils Henkel, Thomas H. Althoff und Kurt Wagner.

Nils Henkel, Thomas H. Althoff und Kurt Wagner.

Foto:

Volkmann

Bergisch Gladbach -

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Thomas H. Althoff gibt das Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach auf. „Ich muss zugeben, Lerbach, mein erstes Luxushotel, war eine Herzensangelegenheit für mich“, gibt der Hotelier zu. „Deshalb ist mir die Entscheidung wirklich sehr, sehr schwer gefallen.“ Drei Jahre, so Althoff, habe er mit der Eigentümerfamilie von Siemens verhandelt. „Doch wir konnten uns letztlich nicht darüber einigen, wie wir das Hotel neu aufstellen wollen“, bedauert der Begründer der Gladbacher Luxusgastronomie. „Wir hätten gern weitergemacht, aber eben anders.“

Im Januar 2015 läuft der 25-jährige Pachtvertrag aus und Althoff zieht nicht die Option, die diesen um fünf Jahre verlängern würde. Bereits Ende des Jahres schließen sich die Türen des Landgutes, das zum Vorreiter für die Kombination aus Luxushotellerie und Sternegastronomie geworden ist. Im Frühjahr startet eine Generalsanierung, für die Siemens Millionen in die Hand nehmen möchte, wie Familiensprecherin Ute C. Hopfengärtner erklärt. „Im Herbst werden wir einen neuen Partner vorstellen. Das Haus wird in jedem Fall als Luxushotel weiter geführt“, stellt Hopfengärtner in Aussicht, ohne Namen nennen zu wollen. „Es werden Gespräche geführt mit mehreren Interessenten. Es ist ein herausragendes Objekt.“ Schloss Lerbach wurde mehrfach zum besten Landhotel Deutschlands gewählt.

Denkbar sei sogar, dass das Gourmetrestaurant unter Leitung des Zwei-Sterne-Kochs Nils Henkel weitergeführt werde. „Aber so weit sind wir noch nicht“, sagt Hopfgärtner. Zunächst einmal bedeutet die Schließung des Hotels das Aus für Henkel und seine Küchenbrigade. Erst vergangene Woche haben die insgesamt 80 Hotelangestellten von der anstehenden Schließung erfahren – eine bittere Botschaft so kurz vor Weihnachten, auch wenn Thomas H. Althoff versichert: „Alle Angestellten bekommen einen neuen Job in der Althoff-Gruppe, wenn sie möchten.“ Das in Köln ansässige Unternehmen betreibt 17 Hotels in vier europäischen Ländern, darunter das Regent Hotel in Köln, den Königshof in Bonn und das Parkhotel in Euskirchen. Insgesamt sind dort 1200 Personen beschäftigt.

Kurt Wagner, der das Schlosshotel Lerbach vor 23 Jahren aufbaute und im Frühjahr 2014 zurückkehrte, wird als Direktor ins Grandhotel Schloss Bensberg wechseln. Trotzdem „tut mir das Herz weh“. Er habe nie damit gerechnet.

„Wir wollen hier ein klares Bekenntnis für die Region ablegen und uns in Bensberg noch mehr engagieren“, versichert Althoff. Dennoch sagt Bürgermeister Lutz Urbach: „Das war eine echte Hiobsbotschaft.“ Er wurde gestern auf dem Weg zur Arbeit von Hotelier Thomas H. Althoff informiert. Ganz überraschend sei der Schritt für ihn allerdings nicht gewesen. Er sei seit längerem insbesondere mit Hoteldirektor Wagner im Gespräch gewesen. „Gerade seit seiner Rückkehr nach Lerbach hatte das eine ganz positive Entwicklung genommen.“

Das Schlosshotel Lerbach sei stets „ein Stück Alleinstellungsmerkmal“ für die Stadt gewesen, so Urbach: „Natürlich sind wir froh und glücklich, dass uns Kurt Wagner erhalten bleibt, noch froher wären wir aber, wenn uns auch Nils Henkel erhalten bliebe.“ Baurechtlich und in Sachen Denkmalschutz werde die Stadt den Standort Lerbach gleichwohl weiterhin konstruktiv begleiten. Mit Nils Henkel, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, will Althoff Gespräche über eine Zukunft im Unternehmen führen. Kein Wunder, dass die Spekulationen da Richtung Köln wandern, wo Althoff das Dom-Hotel übernehmen wird. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, weil die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen des Prachtbaus noch nicht einmal begonnen haben.

Aber, darauf weist Dieter Müller hin: „Das wird ein Highlight in der Familie.“ Müller war der Mann, der Lerbach einst zur ersten Feinschmeckeradresse in Deutschland machte. Noch heute ist Lerbach mit dem „Drei-Sterne-Müller“ assoziiert, obwohl dieser sich vor vier Jahren zurückgezogen hat – nicht ohne Reibereien. Verärgert war der „Vater des kulinarischen Erfolgs“ unter anderem darüber, dass nach dem offiziellen Abschied seine Spuren so schnell und gründlich entfernt worden waren.

„Wir haben etwas vorgegeben an Gastfreundschaft, das geht nicht immer so weiter“, deutet Dieter Müller einen möglichen Grund für den Rückzug an. Kurt Wagner berichtet zwar von wieder steigenden Übernachtungszahlen, „doch das hat nicht gereicht“. Tatsächlich ist es kein Geheimnis, dass in Lerbach erheblicher Sanierungsstau herrscht. Zudem ist auch das Landhaus-Konzept etwas in die Jahre gekommen. Top-Wellness ist angesagt, und das ist teuer.

Zu teuer für den Eigentümer? Dazu möchte sich Thomas H. Althoff nicht äußern, doch wenn die Familie von Siemens bei den Investitionen von „mehreren Millionen Euro“ spricht, kann das in einer unteren Höhe durchaus zu wenig sein. Beispiel Brandschutz: Hier muss das unter Denkmalschutz stehende Gebäude auf den neuesten Stand gebracht werden – allein das kann ein mehrstelliger Millionenposten werden.