29.08.2016
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Gewitter: Land unter in Bergisch Gladbach

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Uta Broeker

Bergisch Gladbach -

Kanaldeckel springen in die Höhe, Keller und Geschäfte laufen voll, Straßen stehen unter Wasser: Land unter in Bergisch Gladbach zur gestrigen Mittagszeit. Das Hochwasser steigt innerhalb von Minuten. „Das war wie in einem Film“, sagt Anna Sodki um 14.45 Uhr. Der Himmel sei schwarz geworden, dann sei in einem Schwall das Wasser gekommen. Nicht nur vom Himmel, sondern auch aus dem Kanal. Schockiert blickt Sodki auf ihr Kinderbekleidungsgeschäft an der Buchmühle. Dort steht die braune Brühe noch eine Stunde später zehn Zentimeter hoch. Immer wieder wird Ware, gerade ist es eine Ledertasche, herausgespült. Sodki fischt sie aus der siffigen Flut. Panikartigartig war die Geschäftsfrau zuvor mit ihrer kleinen Tochter auf dem Arm durch das Fenster, was nach hinten rausgeht, in Sicherheit geflüchtet. „Ich hatte Angst, wir kommen hier nicht mehr raus.“

Schwere Unwetter im gesamten Rheinland
Köln, 20.06.13: Nach der Hitze am Anfang der Woche zogen jetzt schwere Unwetter über das Rheinland. In Köln sind die südlichen Stadtteile im Rechtsrheinischen besonders schwer betroffen. Die Feuerwehr Köln ist mit mehreren Einheiten im Einsatz.

So erging es auch den Verkäufern der Nachbargeschäfte. Eimerweise schippen sie das nun Wasser aus den Ladenlokalen. Servietten und andere Verkaufsgegenstände dümpeln wie kleine Boote im Dreckwasser. Das Wasser kommt von der Odenthaler Straße. Dort, wo die Strunde kanalisiert wird, ist der Rechen mit Unrat zugesetzt. Deshalb wird das gesamte Gebiet der Buchmühle überschwemmt. Die für diesen Fall gebauten Pumpen funktionieren nicht. Stephan Schmickler, der erste Beigeordnete der Stadt: „Noch ist es zu früh, um zu sagen, was genau nicht geklappt hat.“ Fest stehe aber, dass es eine Kombination aus mehreren Faktoren sein werde.

Extrem starker Regen, extrem viel Unrat an den Rechen und auch ein noch nicht komplett umgesetzter Hochwasserschutz. Schmickler: „Wir arbeiten an einer Erklärung.“ An den genannten Rechen an der Odenthaler Straße wird am Nachmittag fieberhaft gearbeitet: städtische Mitarbeiter und Anwohner Hand in Hand. Mit Mistgabeln und Rechen fischen sie Äste, große Baumstümpfe und anderen Unrat wie Sofakissen, Eimer und Fußbälle aus der reißenden Strunde.

Die Folge der Verstopfung: Die Fluten suchen sich ihren Weg über die Odenthaler Straße. In kürzester Zeit verwandelt sich die Hauptverkehrsader in einen See, die kleine Nebenstraße An der Strunde ebenfalls. Ein Mann schafft es gerade noch, seinen Wagen von dort wegzufahren. Die anderen Wagen versinken bis zur Stoßstange im Wasser. Die Odenthaler Straße ist zwischenzeitlich gesperrt, auch für die Buslinie 432.

Zwei Mädchen, auf dem Rückweg von der Schule nach Hause, stehen an der Haltestelle und warten und warten und warten, bis ein freundlicher Polizist ihnen endlich sagt, dass sie eine andere Buslinie nehmen müssen. Die Autofahrer auf der Hauptstraße dagegen sitzen fest: Es staut sich im ganzen Stadtgebiet. Bis 15.30 Uhr zählt die Polizei kreisweit 74 Einsätze.