26.07.2016
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Karneval: Jecke Bilder von den Karnevalszügen in Odenthal

Foto:

Diethelm Nonnenbroich

Odenthal -

Alle Karnevalszüge in Odenthal in der Übersicht.

Oberodenthal

Von Daniela Fobbe-Klemm
Den Bechener Eseln ist es warm, den grauen Gesellen stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Ein Luxusproblem an diesem Karnevalswochenende, denn während fast alle anderen Züge mit mehr oder weniger schauerlichen Wettervorhersagen zurechtkommen mussten, feierte Oberodenthal seinen Zug an Karnevalssamstag bei schönstem Sonnenschein.
Und dementsprechend war so manches Kostüm der Zugteilnehmer ein bisschen zu warm. Guido Hoffstadt und Danni von Wirtz, die aus Bechen kommen und entsprechend als Grautiere aus dem Nachbardorf im Zug mitgehen, nehmen es mit Humor. „Ich wollte eh noch zwei Kilogramm abnehmen“, sagt Danni von Wirtz schmunzelnd.
Treffpunkt für alle Zugteilnehmer ist der Platz am Feuerwehrgerätehaus in Neschen, hier drängen sich die 14 Gruppen und ihre Wagen. Musik schallt aus unzähligen Lautsprechern, man entdeckt Freunde und Bekannte, es werden Fotos gemacht, die Stimmung ist familiär. Alle brennen darauf, dass es losgeht.

Als Prinz Sven, Bauer René und Jungfrau Mona die Teilnehmer begrüßen und FKO-Präsident Friedel Bosbach die schönste Kostümierung prämiert, brandet Applaus auf.
Und dann setzt sich der Zug endlich in Bewegung.

Alaaf und Kamelle-Rufe mischen sich mit der Musik vor und hinter uns und ich tauche ein in ein Meer aus guter Laune und schönem Wetter. Die gut geplante Wurfmaterial-Logistik geht auf, jeder hilft jedem beim Nachfüllen der Kamelle, auch die Kartoffelsäckchen sind begehrt. Obwohl die meisten ab Hüttchen kein Wurfmaterial mehr haben, freuen sich die Menschen am Wegesrand, wenn die Gruppen vorbei ziehen.
Als der Zug in Schmeisig auf dem Platz neben der ehemaligen Gaststätte ankommen, ist es schwer zu glauben, dass der Zug tatsächlich zu Ende ist. Vier Stunden und sieben Kilometer sind vergangen wie im Flug.

Odenthal-Voiswinkel

Von Daniela Fobbe-Klemm

4711 Doppelhaushälften sagt der Dynamo Zitrone, also die Zuggruppe aus der Voiswinkeler Zitronensiedlung dem Ort voraus. Gekonnt nahmen die alten Voiswinkeler Neubürger den Bauboom vor ihrer Haustür auf die Schippe. Die neuen Neubürger kamen gleich danach als Engelbääts Jecke um die Ecke.

Kaum ein Jahr stehen ihre Häuser an der St-Engelbert-Straße und schon nehmen sie die Tradition im Dorf auf und ziehen im Weiberfastnachtszug mit. Als Bautrupp verkleidet, nahmen sie sich selbst auf die Schippe. Zugleiter Herbert Meyer hatte einen bunten und sehr musikalischen Zug auf die Reise geschickt, in dessen Verlauf sogar der Himmel ein Einsehen hatte und die Schleusen dicht machte.

Aus fast allen Ortslagen waren Karnevalisten beim ersten Odenthaler Zug dabei. Die Chris-Di-Ro-Go Supershow aus Eikamp zeigte, dass sie Musik nur mag, wenn sie laut ist. Zur Technomusik hüpfte in ihrer Mitte der aus Eikamp stammende Bürgermeister Robert Lennerts mit und brachte jede Menge Kamelle unters jecke Volk.

Alphörner auf der Straße

Aus Oberodenthal waren die Wilden Jecken dabei und brachten Vitamine auf die Straße. Gleich dutzendweise regnete es Mandarinen.

Aus den Alpen, eigentlich aber vom Mutzbach, kamen die Alphornbläser, die anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens das erste Mal im Zug dabei waren und ihre beeindruckenden Instrumente über die Straßen schoben. Der Ahle Schlaach vom Küchenberg, in dem Jungfrau Claudia ihre jecke Heimat hat, zog folgerichtig vor dem Dreigestirnswagen. Als Hippies sorgten sie für Flowerpower vom Küchenberg.

Auch die Schwarzbroicher Buure machten eine Zeitreise in die 70er-Jahre und waren ebenfalls farbenfrohe Blumenkinder. Die Mutzer Jugend zog dem Dreigestirn zu Ehren mit einer Luftballonschlange mit und zeigte, was noch fehlt im Dorf: eine Schützengarde.

Das Voiswinkeler Kinderdreigestirn wurde von den Voiswinkeler Spatzen und der Bürgerwehr umrahmt. Die Fußgruppe baute sich die Welt, wie sie ihr gefällt, und zeigte als überdimensionale Legosteine verkleidet, wie das aussehen könnte. Die Interessengemeinschaft Voiswinkeler Karneval, die in diesem Jahr ihr 44-jähriges Bestehen feiert, hat bewiesen, das Dorf im Jröne versteht zu feiern.

Peter Raubuch, Sprecher der Kreispolizei, meldete in einer ersten Bilanz um 16 Uhr drei Platzverweise und eine Ingewahrsamnahme. Außerdem wurde vermutlich ein Dealer aus dem Verkehr gezogen.

Insgesamt seien „es wetterbedingt deutlich weniger Besucher“ gewesen, die auf eine nahezu doppelt so starke Polizeipräsenz trafen. Insofern war es aus Sicht der Polizei ein ruhiger Zug.

Odenthal-Blecher

Odenthal-Eikamp

Von Claus Boelen-Theile

Aber hallo! 364 Tage im Jahr ist es ruhig im kleinen Eikamp. An einem Tag nicht, dem Rosenmontag! Jecke Yuppies, prächtige Piraten und kleine Clowns bevölkerten das Dörfchen. Der kleinste Zug im Kreis mit acht Gruppen (darunter dreimal Chris-Di-Ro-Go) – vielleicht. Von der Stimmung war er aber erste Sahne. „Ich will Kamelle!“, schallte es den Jecken entgegen, die um 11.11 Uhr ganz langsam am Kramerhof losmarschierten. Dunkle Wolken flogen übers Land, das schadete der Stimmung nicht im Geringsten.
„Wir haben ein bisschen gebangt. Aber alles ist gut“, meinte Zugleiter Ulrich Zerna. Der befürchtete Sturm war in Eikamp lediglich ein laues Lüftchen.
„Bunt wie unser Erdenball, so feiert Eikamp Karneval“, das Zugmotto, hatte den Trupp vom „Hochscherfer Hexenkessel“ animiert. „Mer mole de Welt, wie’d usch gefällt“, texten sie um. Schnallten eine Pappmaschee-Hexe auf ihren Festwagen und kamen als jecke Malermeister um die Ecke.
Kehrtwende am Vogelherd
Als freundliche Batman-Kinder waren die vielen Eikamper Grundschüler dabei, steckten ihren Freunden Lutscher, Popcorn und Schokolade in die Tüten. Vor ein paar Tagen hatten die Grundschüler ihre Riesen-Karnevalsfete gefeiert, dreieinhalb Stunden Programm mit Bürgermeister Robert Lennerts als Moderator und dem Gladbacher Dreigestirn als Stargast. Schief gehen konnte bei dieser jecken Vorübung nichts mehr. Strahlend spazierte der Trupp über die Wipperfürther Straße zum Vogelherd, wo wie gewohnt die Wende war. Ein zweites Mal jubeln, das gefiel den Kindern.
Klar, auch die heimischen Karnevalsgrößen um Christoph Burger, Dirk Schoppeit, Robert Lennerts und Goofy Schmidt (man kennt sie auch als „Chris-Di-Ro-Go-Supershow“) rollten mit, zwei Festwagen voller Musik und sogar mit einem eigenen Fanclub im Schlepptau.
Da tanzten sogar die „Löwen“ und „Zebras“ von der Katholischen Jungen Gemeinde Herrenstrunden ausgelassen vor lauter Karnevalsglück.