29.07.2016
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Brandstiftung in Odenthal-Voiswinkel: „Schlechte Unterbringung bei der es zwangsläufig zu solchen Taten kommen kann“

Die Flüchtlingsunterkunft ist bei dem Brand zerstört worden.

Die Flüchtlingsunterkunft ist bei dem Brand zerstört worden.

Foto:

Christopher Arlinghaus

Odenthal/Bergisch Gladbach -

Ein 24 Jahre alter Asylbewerber aus Algerien, dem die Staatsanwaltschaft Brandstiftung an einem Flüchtlingswohnheim in Odenthal-Voiswinkel und schwere Körperverletzung vorwarf, ist seit Dienstag wieder in Freiheit – nach mehr als fünf Monaten Untersuchungshaft. Die Vorsitzende Richterin am Bensberger Amtsgericht verurteilte den Asylbewerber zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Drei Jahre darf sich der junge Mann nun nichts mehr zu Schulden kommen lassen, sonst droht ihm die Verbüßung der Haftstrafe.

Mildernde Umstände

Mildernde Umstände für den Brandstifter sah die Vorsitzende Richterin in der Unterbringung der Asylbewerber in den Wohncontainern in Voiswinkel. Sie sprach von einer „schlechten Unterbringung, bei der es zwangsläufig zu solchen Taten kommen kann“. 16 Asylbewerber aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Religionen hockten auf engstem Raum zusammen. Streitigkeiten waren an der Tagesordnung. Das Gericht blieb mit der Gesamtstrafe deutlich unter dem Strafmaß von drei Jahren und drei Monaten, das der Staatsanwalt gefordert hatte. Der Strafverteidiger Rachid Aabadi hatte für seinen Mandanten auf Freispruch plädiert.

Am Abend vor dem Brandanschlag hatte sich der Angeklagte mit einem 25 Jahre alten Mitbewohner heftig gestritten. Dieser soll ein Messer gezogen haben und damit auf den 24-jährigen Angeklagten losgegangen sein. Nur das schnelle Eingreifen eines weiteren Asylbewerbers soll Schlimmeres verhindert haben. Dieser Mann habe die Streithähne auch getrennt. Im Anschluss soll er beruhigend auf sie eingeredet haben. Die Situation schien entschärft. Doch nur wenige Minuten später ging der Angeklagte mit einem Gegenstand auf sein Opfer los. Mehrere Zeugen sprachen von einer Mistgabel, der Angeklagte behauptete, einen Stock benutzt zu haben. Unstrittig ist, dass der 24-Jährige seinen Widersacher am Hals verletzte.

Flüchtlingen blieb Notunterkunft erspart

Doch damit war der Streit nicht beendet. Am Morgen des 6. Dezember gerieten die Männer erneut aneinander. Nach einem erneuten Streit soll der Angeklagte eine brennbare Flüssigkeit im Wohnraum seines Opfers verschüttet haben. Laut Zeugenaussagen habe er diese mit einem Feuerzeug angezündet. Der Angeklagte widersprach dieser Darstellung der Zeugen und behauptete, zur Tatzeit bei einem Freund in Köln gewesen zu sein. Doch die Aussage der Zeugen ließen bei Richterin und Schöffen keine Zweifel aufkommen.

Der Brand löste damals einen Großalarm bei der Feuerwehr aus, die aber nicht verhindern konnte, dass das Haus vollständig abbrannte. Den übrigen 15 in dem Altbau untergebrachten Bewohnern blieb ein Notquartier erspart: Sie wurden von der Feuerwehr in eine neue Flüchtlingsunterkunft im Gemeindegebiet gebracht.