29.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Diskussion in Odenthal: Viele Gesichter der Familie

Von der Kinderdorfmutter bis zum Politiker: Auf dem Podium diskutierten (v.l.) Pfarrer Otmar Baumberger, Kreistagspolitiker Johannes Dünner, Ordensschwester Jordana Schmidt, PariSozial-Geschäftsführer Gerhard Marzinkowski und Moderator Uwe Schulz. (Foto: Volkmann)

Von der Kinderdorfmutter bis zum Politiker: Auf dem Podium diskutierten (v.l.) Pfarrer Otmar Baumberger, Kreistagspolitiker Johannes Dünner, Ordensschwester Jordana Schmidt, PariSozial-Geschäftsführer Gerhard Marzinkowski und Moderator Uwe Schulz. (Foto: Volkmann)

Odenthal -

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind aufzuziehen“, zitiert Gerhard Marzinkowski ein afrikanisches Sprichwort und weiß doch nur zu gut, dass es hierzulande manchmal schon an Eltern fehlt, die dazu in der Lage sind. Mehr Unterstützung auch für Familien, die nicht dem traditionellen Vater-Mutter-Kind-Schema entsprächen, wünscht sich der Geschäftsführer der Parisozial gGmbH.

Erfahrungen im Kinderdorf

Ist die Familie eine bedrohte Art? Diese provokante Frage nach „Zusammenleben im 21. Jahrhundert“ beschäftigte am Vorabend des Buß- und Bettags das „Altenberger Forum Kirche und Politik“. Dazu hatten der Ökumene-Ausschuss des Rheinisch-Bergischen Kreises und Landrat Hermann-Josef Tebroke nach einem ökumenischen Gottesdienst ins Martin-Luther-Haus eingeladen. „Familie ist kein Auslaufmodell – viele junge Menschen hängen daran“, berichtete Jordana Schmidt aus ihrem Alltag als Ordensschwester und Kinderdorfmutter. Familie könne aber im 21. Jahrhundert bisweilen daran scheitern, dass schon Eltern und Großeltern keine funktionierende Familie mehr erlebt hätten. Als Kinderdorfmutter sei sie selbst „alleinerziehend“. Gerade für die Jungen fehle da bisweilen ein Mann als Vorbild und Bezugsperson.

Die Konstellation von Vater, Mutter und Kind sei „schon die verlässlichste Form“ der Familie, sagte der Vorsitzende des Kreisjugendhilfeausschusses, Johannes Dünner und räumte zugleich ein, dass Politik die Familie möglicherweise dadurch von außen gefährden könne, dass sie Familien zu viel Erziehung durch immer ausgedehntere Betreuungsangebote abgenommen habe. „Ich bin auch in einen Kindergarten gegangen, und mir geht es trotzdem gut“, konterte Marzinkowski und forderte, dass sich Politik mehr auch um andere Formen von Familien, wie Patchwork-Familien oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern, kümmere. Während auch Kinderdorfmutter Jordana Schmidt in der von Uwe Schulz (WDR) moderierten Runde kritisierte, dass der Staat seine Sache nur halbherzig mache, in Betreuungsangeboten wie der Ganztagsschule Kinder eher „nur verwahre“ und so Familien destabilisiere, fand sich CDU-Politiker Dünner rasch in einer doppelten Verteidigerrolle wieder: Zur Politik jedweder Ebene sollte er ebenso Stellung beziehen wie als Katholik zur Position „seiner“ Kirche. Immer auf die Politik draufzuhauen, helfe auch nicht weiter, raunten da selbst Sozialdemokraten im Saal.

Als Pfarrer erlebe er viele Menschen, die im letzten Lebensdrittel noch neue Aufgaben übernehmen wollten, schlug der stellvertretende Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-rechtsrheinisch, Otmar Baumberger, als erster eine Brücke zu einer selbst organisierten Familienhilfe. Mehrgenerationenprojekte, in denen sich Großeltern um Enkel kümmern, die nicht ihre eigenen sind; Erwachsene, die Senioren betreuen, die nicht ihre Eltern sind – solche „Netzwerke gegenseitiger Hilfe und Anerkennung“ könne jeder mit verwirklichen, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. In jedem Fall, so ergänzte Parisozial-Geschäftsführer Marzinkowski, dürfe Kinderbetreuung nicht immer nur im Hinblick auf die Wirtschaftskraft der Eltern geplant werden. Stattdessen müsse viel mehr von den Bedürfnissen der Kinder und Familien ausgegangen werden, so Schwester Jordana.

„Familie ist überall dort, wo Menschen füreinander und für Kinder Verantwortung übernehmen“, stellte Marzinkowski fest – egal, ob es sich um Vater, Mutter, Kind oder zwei Väter und ein Kind handele. Nur eine Konstellation in seiner Nachbarschaft sei für ihn eher keine Familie, obwohl „Familie Esser“ auf dem Klingelschild stehe: „Da wohnen ein Mann, eine Frau – und eine Katze.“