26.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Haus Altenberg: Abbruch und Aufbruch für die Jugend

Rektor Mike Kolb wohnt im Obergeschoss der Orangerie. Im Erdgeschoss befindet sich ein Tagungsraum. Das Außengelände soll noch gestaltet werden, die Pläne dazu stellte er im Rat vor.

Rektor Mike Kolb wohnt im Obergeschoss der Orangerie. Im Erdgeschoss befindet sich ein Tagungsraum. Das Außengelände soll noch gestaltet werden, die Pläne dazu stellte er im Rat vor.

Foto:

Bilder: Christopher Arlinghaus

Odenthal -

Nein, sagt Mike Kolb schmunzelnd, die Geschichte Altenbergs müsse nicht neu geschrieben werden. Dass man unter der Remise der Jugendbildungsstätte Relikte romanischen Ursprungs gefunden hat, die eine Ausbreitung des ehemaligen Klosters zu einer deutlichen früheren Zeit als bislang angenommen belegen, habe die Forscher allerdings begeistert. Weil im Innenhof von Haus Altenberg bereits in den 70er Jahren bei Grabungen alte Klostermauern entdeckt worden waren, wollte man beim aktuellen Umbau dort Kellergründungen vermeiden und wich in Richtung Remise aus, wo man nicht viel Historisches im Untergrund vermutete.

Niemand hatte damit gerechnet, dass dort bereits einige Jahre nach dem Bau der romanischen Klosterkirche im 12. Jahrhundert Gebäude errichtet worden waren. „Das Kloster hat damals eine rasante Entwicklung genommen. Aufbau und Ausbreitung haben offenbar schneller stattgefunden als bislang gedacht.“

Allenthalben sind die Archäologen auf interessante Details gestoßen. „Das schießt uns aber nicht den Zeitplan durcheinander“, stellt Kolb fest. Alles wird aufgenommen, katalogisiert und zwischengelagert. Wie und wo die Grabungen später für die Öffentlichkeit dokumentiert werden, sei noch unklar. Verantwortungsvoll mit der Vergangenheit umzugehen und gleichzeitig den Boden für die Zukunft einer modernen Jugendbildungsstätte zu bereiten, erfordere immer wieder Abwägungen. Natürlich sei nicht auszuschließen, dass „Kostenherausforderungen auf uns zukommen, die wir heute noch nicht ermessen können.“ Bislang sei aber alles im grünen Bereich, sagt er mit Blick auf die vom Erzbistum veranschlagten 38,5 Millionen Euro.

Mit dem Umzug des Domladens in den provisorischen Pavillon auf der Wiese zwischen Altem Brauhaus und Haus Altenberg ist ein weiterer großer Schritt in der Bauvorbereitung getan. Elisabeth Bosbach-Dohmes und ihrem Team ist es mit Unterstützung von Hausmeister Andreas Mehlem gelungen, nicht nur schneller als geplant mit dem ganzen Laden samt Tourist-Information umzuziehen, sondern auch sicherzustellen, dass Altenbergbesucher immer einen Ansprechpartner fanden, wie Wolfgang Herweg, der Geschäftsführer von Haus Altenberg, betonte. Trotz des großen Lobs ging Mike Kolb bei der Einsegnung nur spärlich mit Weihwasser um; schließlich sollten Bücher und Kunstgegenstände keine Wasserflecken bekommen und der Computer des I-Punkts keinen Kurzschluss.

##bigimage

Ein weiterer großer Schritt war die Rückführung des inneren Bereichs auf Rohbauniveau. Auch dabei blieben Überraschungen wie die Entdeckung von Regenrinnen in Zwischenwänden, nicht aus. Kolb ist froh, dass er im Zuge der Abbrucharbeiten in die Orangerie umziehen musste. Ohne Heizung und Internet lebte es sich zuletzt nicht sehr komfortabel auf der Baustelle. Die zieht, obwohl die großen Kräne erst im nächsten Jahr kommen, schon seit Beginn der Arbeiten Zaungäste an. Manche wagen einen schnellen Blick durch die Plane in die relativ unspektakuläre Baugrube, andere freuen sich über eine spontane Einladung, die Veränderungen aus der Nähe zu betrachten. „Da gibt es natürlich auch die Nostalgiker, die meinen, wir machen alles kaputt“, beschreibt der Rektor von Haus Altenberg, „und auch diejenigen, die ungefragt Grenzen überschreiten, weil sie denken, ihnen gehöre dieser Ort. Auch wenn es manchmal schwer fällt, versuche ich, gelassen damit umzugehen.“ Zuweilen weisen ausgehebelte Bauzäune auf unliebsamen Besuch hin. Leider sei das Interesse einiger Altenbergbesucher groß, „einen Stein aus dem 13. Jahrhundert oder ein Skelettteil in den Partykeller zu transferieren, aber es ist bislang nichts Wesentliches entwendet worden.“

Knochenreste aus Gräbern versuche man im Boden zu lassen. Wo das aus bautechnischen Gründen nicht möglich sei, würden die Gebeine gesammelt, dokumentiert und später im Innenhof oder hinter dem Dom wieder bestattet. Bei Grabungen Skelettreste zu finden, sei am ehemaligen Zisterzienserkloster völlig normal, eine Zuordnung jedoch nicht möglich.

Die Zusammenarbeit von Heiner Stommel, dem Architekten des Erzbistums,mit dem Kölner Architekturbüro Gernot Schulz bezeichnet Kolb als Glücksgriff. Die Planer hätten nicht nur eine große Sensibilität für den Ort und seine Geschichte, sondern auch ein Gefühl für die religiösen Bedürfnisse der Jugend von heute. Ein solches Projekt mitgestalten zu dürfen, ist für Mike Kolb ein „unheimliches Privileg“. Im Mai 2016 möchte er das Altenberger Licht in neugestalteter Umgebung feiern – und danach seine Koffer packen. „Dann bin ich 42 und zehn Jahre hier. Dann möchte ich was Neues machen und Pfarrer einer Gemeinde werden.“

Infos zu den Umbauarbeiten bietet eine Broschüre, die in Altenberg ausliegt, sowie die Homepage der Jugendbildungsstätte unter dem Link Historie/ Sanierung.

www.haus-altenberg.de