28.07.2016
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Kleine Rathausgalerie Odenthal: Premiere für Künstler und Kurator

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Christopher Arlinghaus

Odenthal -

Dass die Chemie zwischen den beiden Männer stimmt, merkt man auf Anhieb. Entsprechend locker sind Thomas Kricsfalussy, der neue Kurator der Kleinen Rathausgalerie, und Künstler Frank Heller vor ihrer gemeinsamen Premiere.

Für den Maler aus Bergisch Gladbach ist es die erste Ausstellung in der Nachbargemeinde, für den neuen Galeriechef der erste öffentliche „Arbeitsbeweis“, die Weiterentwicklung einer Tradition, die naturgemäß ebenso neugierig erwartet wie kritisch vom Publikum beäugt werden wird. Am Donnerstag, 8. Mai, um 19 Uhr öffnet die Kleine Rathausgalerie unter neuer Leitung wieder ihre Pforten. Bis Mitte Juli können die Besucher dort Hellers „unsichtbare Städte“ in Augenschein nehmen; ein Zyklus, den der Künstler gerade beendet hat.

Mit den Bewerbungsmappen, die seit seiner Ernennung bei ihm eingegangen sind, könnte Kricsfalussy aus dem Vollen schöpfen und alle vier Wochen eine neue Schau anbieten. Stattdessen setzt er auf Verknappung des Angebots. Vier Ausstellungen pro Jahr sollen das Interesse an dem im unbespielten Zustand eher tristen und sperrigen Kunstort erhöhen. Auch vom geänderten Vernissagentermin (donnerstags statt freitags) verspricht sich der ehrenamtliche Kulturbeauftragte mehr Zuspruch.

Ausstellungen für ein Odenthaler Publikum zu präsentieren ist für ihn kein Neuland. Schon seit längerem betreut der Diplom-Designer für den Aktionskreis Altenberg die Präsentationen im Küchenhof. Dort, „unter dem Schatten des Domes“, wie er es formuliert, sei man thematisch allerdings ganz anders gebunden und es herrsche eine völlig andere Erwartungshaltung.

Auf den Verwaltungsfluren in der Rathausnebenstätte kann er mehr experimentieren. Hellers „unsichtbare Städte“ sind da ein guter Einstieg. Inspiriert von dem gleichnamigen Buch Italo Calvinos arbeitet der Maler nicht nach fotografischen Vorlagen, sondern mit Andeutungen und Erinnerungen: „Immer nur so viel Haus, Straße, Weg wie nötig, eher weniger“, beschreibt Heller seine Motive, „man meint mehr, als man erkennt.“ Wer sich auf das Spiel einlässt und tiefer in die fiktiven Städte eintaucht, der kann in den kleineren Bildern am Ende des Flurs einen Blick in die Gassen werfen, die man hinter den Fassaden vermutet. „Ich liebe es, Fährten zu legen“, sagt der Künstler, der den Betrachter so lange wie möglich im Bild binden will. So machen angedeutete Treppen, verschobene Perspektiven, Verdichtungen und Überlagerungen neugierig auf das, was hinter den Kulissen sein könnte. Hellers Städte wirken unnahbar und verschlossen, aber zugleich anziehend wie ein Sog.

Die meisten Exponate sind durchweg in Erdtönen gehalten; Farbe verwendet der Künstler ansonsten nur spärlich. Um dem Auge Halt zu bieten, werden vereinzelt Airbrush-Konturen gesetzt. Heller, der seine Aquarelle an der Staffelei malt, lässt den Farben ihren Lauf und sorgt so für buchstäblich fließende Übergänge in seinen Landschaften.

Offen für neue Ideen ist Galeriechef Kricsfalussy auch, was die Zukunft der Künstlerscheune betrifft. Enge Konzepte sind nicht sein Ding. „Ich sehe das im Augenblick alles temporär.“

Zurzeit ordnet sein Vorgänger Walter Jansen dort das umfangreiche Werk seiner verstorbenen Frau Elisabeth Jansen; im kommenden Jahr ist das Fachwerkgebäude am Hexenbrunnen einige Monate für eine historische Dokumentation gebucht.