30.07.2016
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Lärmschutz: Sind Rüttelstreifen eine Strafaktion?

Motorradfahrer unterwegs in Altenberg.

Motorradfahrer unterwegs in Altenberg.

Foto:

Diethelm Nonnenbroich

Odenthal -

Bis Mitte Juli 2013 haben auch die Odenthaler Zeit, ihren Lärmaktionsplan aufzustellen und zu überlegen, mit welchen Mitteln sich Lärm vermeiden ließe. Allerdings hat die Gemeinde nicht die Federführung für alles, was dann möglicherweise umgebaut werden könnte: Bei den vier Bereichen in Odenthal, in denen es besonders laut ist, handelt es sich immer um Landesstraßen, Baulastträger ist daher Straßen NRW. Bei der Öffentlichkeitsbeteiligung kristallisierten sich die L 101, die Altenberger-Dom-Straße zwischen Osenau und Odenthal, die K 29, Bergstraße in Blecher, die L 310 in Hüttchen und natürlich die L 310 zwischen Altenberg und Blecher als Lärmquellen heraus, die die Anwohner erheblich belasten.

„Sorgenkind“ beim Thema Lärm ist vor allem die Serpentinenstrecke zwischen Altenberg und Blecher – die „Rüttelstreifen“ auf der Fahrbahn, die die Motorradfahrer von dieser beliebten Rennstrecke vergrämen oder zumindest verlangsamen sollten, haben sich als zusätzliches Problem erwiesen. Inzwischen kochen die Emotionen hoch, der Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Touristik, Kultur und Verkehr (UTKV), Dietrich Kühner (FDP) explodierte in der Sitzung am Dienstagabend: „Das ist eine Strafmaßnahme von Straßen NRW; weil wir so massiv gegen den Motorradlärm protestiert haben.“ Die Behörden, zürnte der Liberale weiter, stellten sich auf den Standpunkt, dass die Rüttelstreifen nicht in der Straßenverkehrsordnung vorkämen und somit auch keinen Lärm verursachen könnten. Alle Fraktionen konnten an diesem Punkt nur mehr die Köpfe schütteln, sie wissen, dass es sich anders anhört. Michaela Bräutigam: „Den Krach, den Lastwagen auf den Rüttelstreifen machen, hört man noch in drei Kilometern Entfernung.“ Bürgermeister Wolfgang Roeske ergänzte: „Ein Dreiachser verursacht zwischen Blecher und Altenberg 138 Schläge, die alle Nachbarn hören. Das ist wirklich eine Strafe.“ Die Motorradfahrer hingegen, haben die Politiker beobachtet, lassen sich von den Querstreifen nicht stören: Je schneller sie diese überfahren, umso weniger sind die Erschütterungen spürbar. Der erhoffte Effekt ist gänzlich ausgeblieben, die Odenthaler Kommunalpolitik wünscht sich daher dringend die Entfernung der Rüttelstreifen, die ja nur testweise für eine Motorradsaison auf die Landstraße gesetzt werden sollten. Ein eigenes Lärmgutachten hingegen, das etwa 2200 Euro kosten würde, lehnte der Ausschuss mit breiter Mehrheit ab. Es sei schließlich mehr als klar, dass die ständigen Schlaggeräusche eine Gefahr für die Gesundheit der Anwohner bedeuteten, man müsse nicht unnütz Geld für diese Feststellung ausgeben. Die Gemeindeverwaltung will in der kommenden Woche mit Straßen NRW über die Entfernung der Rüttelstreifen reden. Mit dem Lärmaktionsplan befasst sich ein Fachbüro, das auch eine Veranstaltung für alle Bürger vorbereitet.