24.08.2016
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Osenauer Kunst und Garten: Genuss für Geist und Leib

Der Autor Sven André Dreyer (l.) las im Garten von Richard und Mary Pyka.

Der Autor Sven André Dreyer (l.) las im Garten von Richard und Mary Pyka.

Foto:

Christopher Arlinghaus

Odenthal -

Hypochonder leben gefährlich. Davon konnten sich die Besucher der zweiten Osenauer "Kultur und Garten" (KuGa) am Sonntag überzeugen.

Denn im Garten von KuGa-Mitinitiatorin Katja Flakowski las Hanno Fasel aus der Kurzgeschichte „33 Löffel bis zum Tod“ von Danuta Ahrends.

Ahrends, Autorin aus Sachsen-Anhalt, hat Fasel durch Zufall entdeckt: „Ich hatte mir Bücher für den Urlaub gekauft, darunter auch der Sammelband »Blasenwurst und tote Oma«.“ Darin Ahrends Geschichte eines untreuen Hypochonders, der allein, weil er daran glaubt, dass seine Frau ihn ertappt hat und vergiften will, tatsächlich stirbt und zwar beim 33. Löffel der Bohnensuppe mit Eierkucheneinlage.

Die Bohnensuppe bot Gastgeberin Katja Flakowski ihren Gästen an – völlig giftfrei, wie sie mit einem Schmunzeln beteuerte.

Die zweite Auflage bot acht Spielorte in Osenau. Unter dem Motto „Lesen und genießen“ wurde an allen Stationen Futter für Geist und Leib geboten.

Geschichten und Gedichte

Es gab Märchenhaftes mit Maggy Ziegler oder Geistvolles, wie Weinkurzkrimis, mit Gaby Friedel. Im Garten von Richard und Mary Pyka las der Düsseldorfer Autor Sven-André Dreyer. Er zeigte mit seinen Kurzgeschichten und Gedichten, dass schwere literarische Kost mit leichter Nachspeise ein wunderbares Menü ergeben kann.

Eine Erzählung aus dem Buch „Die Luft anhalten bis zum Meer“, ließ die Zuhörer ganz still den stakkatohaften Sätzen folgen, mit denen Dreyer atmosphärisch dicht die Geschichte eines Krebskranken erzählte.

Mit „Die Autobahn im Ohren Tal“, die ohne Ausfahrt sei, beschrieb er das Gedankenkarussell, das sich im Kopf des Sterbenskranken dreht. Für seine Protagonisten ist alles hoffnungslos, da der Befehl „Steuerung X“, der beim PC der Tastaturbefehl für Ausschneiden steht, im Operationssaal ohne heilende Wirkung blieb. Nach solch schwerer Kost kredenzte Dreyer den Zuhörern ein Gedicht, das einem guten Curry glich.

Mit 28 verschiedenen Gewürzen mischte er ein Beziehungsgericht, das damit endet, „wenn man nicht mehr pimpernellt, oft der Satz »Ich melisse dich« ungehört verhallt.“