27.09.2016
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Verein Spielbaustelle: Sie wollen nur spielen

Spielfiguren, Karten und Ausdauer sind bei der jährlichen Spielenacht in Altenberg gefragt.

Spielfiguren, Karten und Ausdauer sind bei der jährlichen Spielenacht in Altenberg gefragt.

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Christopher Arlinghaus

Odenthal -

Wolfgang Drötboom hat schon einige Male für seine Leidenschaft, das Brettspielen, im Gefängnis gesessen. Zwar nicht im wirklichen Leben, aber wenn der Gründer des Vereins Die Spielbaustelle Zeit hat, gehört eine Partie Monopoly für den Sozialpädagogen einfach dazu. 1988 gründete Drötboom den Odenthaler Verein mit ein paar Gleichgesinnten aus der Not heraus: „Weil es auf dem Land in Neschen wenig Freizeitmöglichkeiten für Erwachsene gab“, wie er sich erinnert. „Wir sind anfangs im Ort schon kritisch beäugt worden“, fügt er an und schmunzelt – heute sind Erwachsene, die spielen, nichts mehr Ungewöhnliches.

Auch wegen der vielen Computerspiele, die inzwischen den Markt erobert haben. „Damit haben wir bei der Spielbaustelle aber nichts zu tun, das ist eine eigene Welt, ebenso wie die Rollenspiele“, sagt Drötboom. Er hält bis heute nichts davon, sich über Computer mit Gleichgesinnten zu vernetzen, auch wenn es längst selbst für traditionelle Brettspiele Online-Verlängerungen gibt. Etwa für die „Siedler von Catan“, dem Spiel des Jahres 1995. Sein Autor, Klaus Teuber ist bis heute Mitglied der Spielbaustelle, kommt selbst gern zur Spielenacht, die seit 1988 immer in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr stattfindet.

Ein anderes Mitglied der Spielbaustelle sitzt seit 2009 in der Jury für das Kinderspiel des Jahres: Sabine Koppelberg. Die Fachjournalistin kam über die WDR-Reihe Lilipuz, für die die Spielbaustelle Kinderspiele mit Grundschülern aus Neschen testete, mit dem Thema Spielen in Berührung und fand in der Juryarbeit ihre Berufung. Für die Hörfunkbeiträge wurde auch schon mal die Tür der Neschener Kirche St. Michael zweckentfremdet, sie war als Kirchentür des Spiels „Barbarossa“ zu hören. „Weil sie es so schön knarrt, wenn man sie aufmacht“, wie Drötboom erläutert.

Heute hat der Verein seinen Sitz zwar immer noch in Odenthal, die Geschäftsstelle ist aber seit anderthalb Jahren in der ehemaligen Rathausnebenstelle in der Ortsmitte, wo heute Sabine und ihr Mann Jörg Koppelberg wohnen. Tierarzt Koppelberg ist Schatzmeister des Vereins und gemeinsam mit Drötboom auch schon der ganze Vorstand. Schon vor dem Umzug der Geschäftsstelle gab es eine Zäsur: „Als die Zukunft der Kirche in Neschen in Frage gestellt wurde, haben wir uns nach einer neuen Bleibe umgesehen“, erinnert sich Drötboom. Mit dem Umzug 2005 wurde kräftig ausgemistet, denn der Vereinsfundus an Spielen war im Laufe der Jahre riesig geworden.

„Bei den monatlichen Spieleabenden sind natürlich die neuen Spiele gefragt, andere wandern dafür ins Archiv, da muss man schon mal aufräumen“, sagt Drötboom. Zur Verfügung gestellt werden die Spiele oft von Verlagen, die dafür ein kritisches Feedback der Spielergemeinschaft bekommen. Unter dem Dach der Freizeiteinrichtung in Schildgen, dem Fresch, lagern die Spiele, rund 3000 sind es aktuell. Das Fresch war auch Austragungsort der „Kölner Stadt-Anzeiger“-Serie „Spielkameraden“, bei der sich bekannte Menschen aus dem Kreis auf dem Spielbrett maßen. Etwa Oldtimerfreunde aus Bensberg und Bergisch Gladbach, die nicht etwa mehrere hundert Pferdestärken auf dem Spielfeld in Bewegung setzten, sondern die mit genau einem Pferd vor ihrem Streitwagen beim Spiel „Ave Caesar“, einer Art römischem Pferderennen, auskommen mussten. Was auch eines der Lieblingsspiele von Wolfgang Drötboom ist.

Neben Besuchen der Spielemesse in Essen organisiert der Verein auch Spielereisen für seine Mitglieder und Fortbildungen für Pädagogen. Bei einer Reise kamen die Spieler in der Jugendherberge in Nettetal unter. Die dort veranstaltete Zirkuswoche gefiel den Betreibern der Jugendherberge so gut, dass heute ein echtes Zirkuszelt hinter dem Haus am Niederrhein steht und die Herberge heute rund ums Jahr Zirkusfreizeiten anbietet. „Da haben wir den entscheidenden Anstoß zu geben“, freut sich Drötboom.

Am Gymnasium Odenthal wurde gemeinsam mit der Spielbaustelle der Pausentreff mit Spielen ins Leben gerufen. Auch Ausstellungen hat der Verein organisiert, wie etwa 1994 gemeinsam mit dem Kreisjugendamt die Ausstellung „Warum ist die Kokosnuss blau?“.


„Damals gab es ein Spiel, bei dem die Kokosnüsse tatsächlich blau waren, was natürlich zu Fragen bei Kindern führte. Wir haben das beim Spielhersteller recherchiert, der uns erklärte, dass Blau besser in der Werbung aussieht als Braun“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende. Der Spielemarkt ist eben ein hart umkämpfter, allein ein großer Spieleverlag kommt auf einen Umsatz von rund 250 Millionen Euro im Jahr.
Dass man umgekehrt auch mit der Spielbaustelle Geschäfte machen kann, war für die Ehrenamtler trotzdem eine große Überraschung. „Als das Neubaugebiet in Neschen 1999 vermarktet werden sollte, warb die Kreissparkasse Köln in einem Prospekt sogar mit uns als Beweis für die Attraktivität unseres Dorfes“, sagt Drötboom.

Eine eigene Festschrift zum Jubiläum wird es bei der Spielbaustelle nicht geben. „Wir sind einfach zu wenige Aktive im Vorstand“, bedauert Sabine Koppelberg. Zwar zählt der Verein 107 Mitglieder. „Aber jemand für die Vorstandsarbeit zu gewinnen, wird immer schwieriger“, fügt Koppelberg an.
Vielleicht ändert sich das am Sonntag, denn vor der Jubiläumsfeier findet die Jahreshauptversammlung des Vereins in Odenthal-Altenberg statt.