30.07.2016
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Kommentar: Zur Wartezeit spanischer Krankenpflegekräfte

Daniela Fobbe-Klemm

Daniela Fobbe-Klemm

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Diethelm Nonnenbroich

Rhein-Berg -

In Europa gilt die Freizügigkeit, also die freie Wahl von Wohn- und Arbeitsort. Das klingt zunächst mal gut, zumal in Südeuropa arbeitslose Fachkräfte händeringend nach einer Beschäftigung suchen, die man ihnen in Westeuropa angesichts von Fachkräftemangel gerne bieten würde. Man sollte also meinen, dass sich problemlos alles fügen könnte, aber das ist nicht so. Während ein Sprachkurs mit berufsspezifischem Wissen sicher sinnvoll ist, fragt man sich schon, warum sich die Anerkennung eines spanischen Universitätsabschlusses über mehrere Monate hinzieht.

Was fehlt, sind europaweit, aber auch deutschlandweit einheitliche Standards, wie sie die Politik bei Kanalanschlüssen schon längst für ganz Europa formuliert hat. Zu einem freizügigen Arbeitsmarkt gehört zwingend auch ein einheitliches Bildungs- und Ausbildungssystem, das es den Menschen tatsächlich ermöglicht, eine Arbeit in dem Land aufzunehmen, in dem es Arbeit gibt.

Ansonsten bleibt die Freizügigkeit ein hehres Ziel, das in der Realität immer wieder an bürokratischen Hürden zu scheitern droht. Denn nicht jeder potenzielle Arbeitgeber will und kann sich auf einen monatelangen Bürokratiemarathon einlassen, gerade dann nicht, wenn er einen eher kleinen mittelständischen Betrieb hat. Und dass deutsche Behörden ausländische Arbeitskräfte zuweilen nicht als dringend gesuchte Spezialisten behandeln, sondern als Bittsteller, macht die Sache auch nicht einfacher.