27.09.2016
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Kunstprojekt: Erinnerungen in Stein speichern

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Roland U. Neumann

Rösrath -

Hannes Lorenz wurde von der mütterlichen Verwandtschaft mit dem Kunstvirus infiziert. Das sagt er über sich selbst. Und das ist schon viel. Denn Lorenz, in Weil im Schönbuch geboren und seit vielen Jahren heimisch im Bergischen Land, redet nicht viel. Er denkt einfach jeden Tag aufs Neue nach über Konzepte für Kunstprojekte, Lyrik, Lieder. Und er sammelt: Steine an den Ufern von Sülz und Rhein, Flaschen in allen Größen. Letztere hat er in der Bretagne innerhalb von drei Wochen mit Wasser aus 60 Quellen in entlegenen Regionen Gebieten gefüllt. „Ich hab’ ein Gespür dafür, solche ungewöhnlichen Orte zu finden“, sagt er über sich. Zu sehen war die „Flaschenbatterie“ im Sommer in der Umkleidekabine des Freibads Hoffnungsthal bei der Kunstaktion der Rösrather Künstler: 60 Flaschen im Regalbrett, wo sonst die Sporttaschen aufbewahrt werden. „Jetzt sind die Flaschen auf Wanderschaft bei einem Geomanten“, erzählt er. „Der soll herausfinden, aus welchen Quellen das Wasser stammt

“ Und damit will er dem Geomanten auch auf den Zahn fühlen, denn so ganz traut Hannes Lorenz der Lehre der ganzheitlichen Erfahrungswissenschaft zur Erkennung von guten Plätzen in Raum und Landschaft zu erfassen, anscheinend nicht. „Ich hatte noch nie was von Geomanten gehört. Esoterischer Quatsch“, dachte er zu Beginn des Projektes.

Doch unbewusst hat er sich eingelassen auf die Geomantie, schafft selbst wunderbare Orte in den Landschaften und auch im Garten seiner Lebenspartnerin unterhalb der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg. Weil er davon ausgeht, dass Steine Geschichte speichern. Zuerst hat er dort angefangen, aus den flachen Flusssteinen Wege zu bauen und die Beete einzufassen. Aus der praktischen Ordnung entwickelten sich schon bald Objekte – er schichtete Türme aus flachen Rheinkieseln, die eigentlich Ausgeglichenheit symbolisieren sollen, aber auch aus jenen Pflastersteinen am Rhein unterhalb des Messegelände, über die ab 1940 jene Menschen gelaufen sein müssen, die zuerst in das Zwischenlager in den Messehallen, später nach Auswitz, Majdanek und andre Vernichtungsstätten verschleppt wurden. Aus den Türmen des Friedens wurden Mahnmale des Erinnerns und des Nachdenkens. „Diese Steine sagen mir: Pass auf, mach dich nicht schuldig“, erklärt Hannes Lorenz den langen Prozess zu der Erkenntnis, dass die Steine Geschichte speichern.

Als die Forsbacher Künstlerin Mary Bauermeister von den Steintürmen des Hannes Lorenz erfuhr, zeigte sie sich begeistert und forderte ihn auf, auf ihrem großen Gelände einen großen Turm aufzubauen. Aus einem Turm wurden inzwischen drei, mit eingesetzten Kristallen, Prismen und Linsen sowie Steinen aus den Beständen der Künstlerin, die auch mit den großen geschichteten Stein- und Prismenwerken berühmt wurde. Unendlich hoch stehen sie nun in dem verwunschenen Gartengelände – die Standorte von einen Geomanter abgesegnet. Er und Sie sind ein steinernes Brautpaar, fünf Meter hoch. Der dritte Turm ist oben offen. Mit der Leiter kann man hochklettern, um in das dunkle Loch ein Geheimnis hinein zu sprechen. Das ist ganz im Sinn von Hannes Lorenz: Die Türme haben etwas Versöhnliches.