29.08.2016
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Schloss Venauen in Rösrath: Info-Tafel ist nicht erwünscht

Der Adler vor Schloss Venauen ist ein Überbleibsel aus der Nazi-Zeit, das bis heute unübersehbar ist. Spruchtafeln und andere Zeugnisse jener Zeit will das Kölner NS-Dokumentationszentrum ausstellen.

Der Adler vor Schloss Venauen ist ein Überbleibsel aus der Nazi-Zeit, das bis heute unübersehbar ist. Spruchtafeln und andere Zeugnisse jener Zeit will das Kölner NS-Dokumentationszentrum ausstellen.

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arlinghaus

Rösrath -

Eine Auseinandersetzung mit der Geschichte von Schloss Venauen hat Historiker Klaus-Dieter Gernert im letzten Sommer angeregt. Zu diesem Zeitpunkt kochte die Debatte um den Nazi-Adler vor dem Schloss hoch. Als „ersten Schritt“ empfahl Gernert eine Infotafel zur Geschichte Venauens. Inzwischen ist fast ein halbes Jahr vergangen, und es stellt sich die Frage: Was ist aus dem Vorschlag geworden? Vergangene Woche hat der Geschichtsverein Rösrath ein von Gernert erarbeitetes Buch zur Schloss-Historie öffentlich präsentiert, Landrat Hermann-Josef Tebroke lobte die Recherche, auch Bürgermeister Marcus Mombauer kam zur Buchvorstellung. Ohne öffentliche Aufmerksamkeit hat der Geschichtsverein inzwischen aber auch den Entwurf einer Infotafel vorgelegt, die am Schloss Venauen aufzustellen wäre.

Der Verein schlägt eine großformatige Tafel mit ausführlichem Text vor: Es geht darin um die gesamte Schloss-Geschichte. Die Zeit als Gauschule der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) spielt aber eine wichtige Rolle. Die Stadt Rösrath hat den Vorstoß des Geschichtsvereins aufgegriffen und nach einem geeigneten Standort für die Tafel Ausschau gehalten. Fachbereichsleiter Christoph Herrmann fasste einen Platz an der hufeisenförmigen Schlossanlage ins Auge – ganz am Ende der Garagen, die sich an die Seitenflügel des Gebäudes anschließen.

Angst vor Rechtsextremen

Die Stelle liegt auf Privatgelände. Herrmann wandte sich daher an den Eigentümer, Achim Beckmann von dem Kölner Unternehmen Immoconsult. Das Immobilienunternehmen hat die Wohnungen in der Anlage nach eigenen Angaben an 17 Eigentümer verkauft. Es sind aber noch nicht alle im Grundbuch eingetragen, daher hat Beckmann immer noch das Sagen. „Ich bin nach wie vor der allein Verfügungsberechtigte“, hält er fest. Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ bestätigt er die Anfrage der Stadt Rösrath. Er habe ihr eine deutliche Absage erteilt. „Ich habe ganz klar erklärt: Diese Tafel wird nicht aufgestellt“, sagt Beckmann. Er bemängelt, in dem Textvorschlag des Geschichtsvereins nehme die NS-Zeit rund ein Drittel des Gesamttexts und damit überproportional viel Raum ein – es gehe um weniger als zehn Jahre in einer über 400-jährigen Geschichte.

„In meinen Augen ist die Tafel sehr tendenziös“, sagt Beckmann. Er befürchtet, sie könnte rechtsextreme Gruppen zu Aktionen am Schloss herausfordern. „Mir wäre sehr daran gelegen, dass dieses Thema nicht noch einmal hochgekocht wird. Das können wir alle nicht gebrauchen.“ Von den 17 Käufern und auch den Mietern der Wohnungen ist Beckmann nach eigenen Aussagen keine Stellungnahme zugunsten einer Infotafel bekannt – außer von einem Paar. Er erwartet somit, dass es bei der Absage an Stadt und Geschichtsverein bleibt, wenn die Eigentümergemeinschaft die Verfügungsgewalt über das Schloss übernommen hat.

„Damit ist die Option auf dem Privatgrundstück wohl gestorben“, sagt Herrmann dazu. Dann bleibe nur, eine Infotafel im öffentlichen Raum aufzustellen oder auf das Projekt zu verzichten. Ob sich ein geeigneter Alternativ-Standort anbiete, sei noch zu prüfen. Über das weitere Vorgehen der Stadt gebe es aber „noch keine abgestimmte Meinung“.