30.05.2016
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Wahlplakate in Rhein-Berg: Rätselraten vor großen Unbekannten

Auch diese beiden Jugendliche denken über die Direktkandidaten nach.

Auch diese beiden Jugendliche denken über die Direktkandidaten nach.

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Bilder: Diethelm Nonnenbroich

Rhein-Berg -

Um es gleich vorweg zu sagen: Eine Umfrage in der Fußgängerzone von Bergisch Gladbach mit zufällig ausgesuchten Gesprächspartner kann nicht den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein. Sie ist eine Momentaufnahme vor der Rhein-Berg-Galerie an einem Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr.

Am Anfang der Umfrage stand eine Frage, die sich Lokalredaktion des "Kölner Stadt-Anzeiger" in Bergisch Gladbach stellte: Was bringen die Wahlplakate mit den Gesichtern von Unbekannten? Darüber wird auch in den Parteien immer wieder diskutiert. Schließlich kosten die Plakate eine Menge Geld. Aber über die Wirkung lässt sich streiten.

Die Original-Wahlplakate der Direktkandidaten von CDU, SPD, FDP und Grünen wurden so bearbeitet, dass weder Partei-, noch Personenname zu erkennen waren. Mit diesen Plakaten ging es also in die Fußgängerzone auf der Suche nach Gesprächspartnern. Und das klappte - viele Passanten hatten zunächst Angst, in ein Verkaufsgespräch verwickelt zu werden - gut.

Eine große Überraschung gab es gleich zu Beginn: Die ersten beiden (von rund 50 Gesprächspartner) erkannten in Maik Außendorf, im wirklichen Leben Direktkandidat der Grünen, den FDP-Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Und wirklich, beim genauen Hinsehen, eine gewisse Ähnlichkeit gibt es. Aber später sah die niemand mehr. Also so groß kann die Übereinstimmung dann auch wieder nicht sein

Erwartungsgemäß erkannten sehr viele der Befragten Wolfgang Bosbach, den CDU-Direkt-Kandidaten, sofort. Ungefragt kam häufig eine persönliche Geschichte zu Bosbach. Das ist offensichtlich der Erfolg einer sehr langen Politikerkarriere. Wer so lange in Rhein-Berg unterwegs ist, so viele Veranstaltungen besucht und so viele Hände geschüttelt hat, den kennen einfach viele. Siegfried Wolter sagte: "Es ist doch eine Bildungslücke, Bosbach nicht zu kennen." Aber Vorsicht: Immerhin zehn von fünfzig der Befragten erkannten auch Bosbach nicht. Einigen dämmerte es, als man den Namen erwähnte. "Doch, den habe ich schon mal im Fernsehen gesehen."

Interessant auch, dass die Wahlplakate ohne erkenntlichen Parteinamen keiner Partei treffsicher zugeordnet wurden. Die Frage, für welche Partei dieser Kandidat denn werben könnte, wurde immer unsicher beantwortet. Die gelbe Farbe beim FDP-Plakat von Direkt-Kandidat Peter Ludemann hatte da noch den höchsten Wiedererkennungswert. Jedenfalls höher als der grüne Hintergrund bei Außendorf oder der rote beim SPD-Kandidaten Michael Zalfen. Zalfen, Kandidat der Sozialdemokraten, konnte sich von den Kandidaten der kleineren Parteien nicht absetzen. Auch er war fast gänzlich unbekannt. Lediglich vier von 50 erkannten ihn - so sah es, mit Ausnahme eben von Bosbach, bei allen Kandidaten aus.

Allerdings wurde schnell deutlich, dass die Älteren unter den Angesprochenen besser informiert waren. Von den Jüngeren wurde das Gespräch ab und zu abgebrochen, als demjenigen klar wurde, dass er überhaupt keine Ahnung hatte - das war wohl ein wenig peinlich. Aber vorgeführt werden sollte bei dieser Umfrage niemand.

Und es gab auch die Protestler, die allein bei der Erwähnung einer Umfrage zu Parteipolitikern gleich wütend wurden. Sinngemäß, aber mit Starkwörtern, hieß es dann: "Die kenn ich nicht, und die sind mir auch egal." Da hätte es gefühlt auch nichts geholfen, dass Plakat einer Protestpartei zu präsentieren. Wobei offen bleiben muss, ob das nun an Politiker- oder Politikverdrossenheit gelegen hat.
Was bleibt unterm Strich nach dieser Stunde in der Fußgängerzone? Vorhersehbar war sicher die höhere Bekanntheit von Bosbach im Vergleich zu allen anderen Kandidaten. Erstaunlich aber, dass Zalfen sich nicht auf einen klaren zweiten Bekanntheitsplatz befindet, sondern im Pool der Namenlosen mitschwimmt. Letztlich die Erkenntnis, dass selbst ein bundesweit bekannter Politiker wie Bosbach von einer größeren Personengruppe in seiner Heimatstadt konsequent ignoriert wird.

Ach ja, erstaunlich war der hohe Anteil von Menschen aus dem Oberbergischen in der Bergisch Gladbacher Fußgängerzone. Da müsste auch einmal nachgefragt werden, ob das Zufall war oder tatsächlich ein Trend.