25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Modelleisenbahn in Bergheim: Viel Geld für echtes Spielzeug
04. January 2015
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Modelleisenbahn in Bergheim: Viel Geld für echtes Spielzeug

Von Spur Z bis LGB fanden Freunde der Modelleisenbahn beim Suchen auf den Tischen von Adler-Modelleisenbahnbörse beinahe alles.

Von Spur Z bis LGB fanden Freunde der Modelleisenbahn beim Suchen auf den Tischen von Adler-Modelleisenbahnbörse beinahe alles.

Bergheim -

Der kleine Wagen aus grünem Blech in der Hand des Sammlers scheint nichts Besonderes zu sein. Mitnichten, klärt der Mittfünziger auf: ein seltener Fund sei der Güterwaggon der Firma Märklin. Komplett aus Blech und wahrscheinlich aus den 40er Jahren. Der allein sei schon 100 Euro wert. Und er sei ein gutes Beispiel für den stilistischen Wandel, den die Modelleisenbahn abhängig von einer Verfeinerung der Fertigungsmethoden und Zeitströmungen von Stil, Mode und Kunst erfahren habe: „Das ist eben noch ein echtes Spielzeug.“

Details seien produktionsbedingt damals nur angedeutet worden, heute gehe es darum, eine möglichst perfekte Nachbildung durch in Formen gespritzten Kunststoff anzubieten.

Seinen Namen will der Sammler am Sonntag lieber nicht nennen, so wie viele andere Händler und Sammler, die auf den Tischen des Adler-Spielzeugmarktes im Foyer des Medio Rhein-Erft ihr Weihnachtsgeld in das nächste Stück ihrer Miniatureisenbahn-Sammlung oder Bahn stecken wollen. Er sei vorsichtig geworden, sagt er. Im Laufe von rund 50 Jahren sei einiges an Werten zu Hause zusammengekommen, zunehmend stellten die Kleinode namentlich bekannter Sammler ein begehrtes Ziel für Einbrecher dar.

Groß angelegte Bahnen, wie sie die Vereine für Miniatureisenbahnen ausstellen, vermisste der Sammler auf dieser Börse nicht. Denn ob eine Börse eine gute ist, darüber entscheide allein, ob man ein lange gesuchtes Lieblingsstück nach Hause führe.

Und das gute Stück zeigt bisweilen eine Episode deutscher Geschichte auf, wie ein Triebwagen der Bayerischen Republik mit der Bezeichnung S 3/6, der sich im Modell aber in den Farben der belgischen Eisenbahn präsentierte. Im Zuge von Reparationsansprüchen seien die deutschen Eisenbahnwaggons nach dem ersten Weltkrieg an die belgische Eisenbahn gefallen und umlackiert worden, weiß ein ebenfalls ungenannter Sammler.

Gezielt hatte Jürgen Hörner seinen Adler-Modellspielzeugmarkt, benannt nach der ersten Adler-Dampflok, die 1935 auf der Strecke Nürnberg-Fürth den ersten Bahnbetrieb Deutschlands aufnahm, auf den Bedarf von Miniatureisenbahn-Sammlern ausgerichtet. „Im Großraum Bergheim findet man besonders viele eisenbahnaffine Menschen, hat man mir erzählt“, sagte Hörner. 20 Händler boten auf Tischen Neuware und Gebrauchtes an von der kleinsten Spur Z, über die gebräuchliche H0 bis zur LGB, der großen Lehmann-Garten-Bahn. Werbung für seine Internet-Verkaufsplattform www.eisenbahnkartei.de machte auch der Bergheimer Holger Schmitz. Bastler wurden fündig bei Gleiselementen, Achsen, Motorersatzteilen oder dem schier unerschöpflichen Fundus miniaturisierter Menschen in scheinbar allen Lebenslagen. Dass auch Klänge eine Rolle spielen, zeigte ein Geräuschbausatz, „Glockenklänge“ oder „Straßengeräusche“ inklusive Lautsprecher: Passend für alle Spuren.