24.07.2016
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Festnahme des Sexualstraftäters Peter B.: Polizei prüft Zusammenhang mit weiterer Sexualstraftat

Häftling Peter B.

Häftling Peter B.

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Polizei

Brühl/Köln -

Die meisten Anwohner der Kurfürstenstraße haben von der Festnahme des Sexualstraftäters Peter B. erst erfahren, als der Gesuchte längst wieder hinter Schloss und Riegel saß. „Als ich aus dem Fenster meiner Wohnung sah, habe ich mich über die Streifenwagen gewundert“, berichtete eine 77-jährige Anwohnerin. Andere Anwohner äußerten sich erleichtert: „Gut, dass die Polizei ihn geschnappt hat.“

Um 12.02 Uhr klickten am Samstag in der Kurfürstenstraße die Handschellen. Der Gesuchte leistete laut Polizei keinen Widerstand. Peter B. hatte kurz vorher in einem Fahrradgeschäft in der Innenstadt ein Fahrrad gekauft und mit seiner EC-Karte bezahlt. Wie die Polizei in Köln mitteilte, hat das wesentlich dazu beigetragen, dass der Mann festgenommen werden konnte. „Wir haben die Nutzung der Karte registriert und sofort die Beamten vor Ort sowie den Fahrradladen informiert“, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Es kam darauf an, dass alles ganz schnell geht, die Kommunikation hat sehr gut funktioniert.“

Im Fahrradgeschäft nicht erkannt

Die Brühler Polizei hatte kurz nach dem Kauf auch den Fahrradhändler befragt und eine Fahndung nach Peter B. eingeleitet. Einer Streife fiel der Gesuchte gut eine Stunde später auf der Kurfürstenstraße auf. In dem Fahrradladen war Peter B. unerkannt geblieben. Etwa 15 Minuten lang soll er in dem Geschäft gewesen sein. „Uns ist nichts aufgefallen, wir haben ihn nicht erkannt“, berichtete der Junior-Chef des Fahrradgeschäftes dieser Zeitung. Er habe ganz anders ausgesehen als auf den Fahndungsfotos. „Er trug keinen Schnauzbart, hatte eine Mütze und eine Brille mit dunklen Gläsern an.“ Mit seinem Fahrrad habe er das Geschäft verlassen.

Die Kriminalpolizei in Köln bearbeitet den Fall Peter B. Dort wolle man herausfinden, wo sich der Gesuchte in der Nacht von Freitag auf Samstag aufgehalten hat. Ebenfalls werde überprüft, ob er etwas mit dem Sexualdelikt am Bahnhof in Bornheim-Merten zu tun hat. Dort wurde am Freitagabend an der Haltestelle der Stadtbahnlinie 18 eine 21-jährige Frau gegen 21.45 Uhr von einem Unbekannten angesprochen. Im weiteren Verlauf habe er sie sexuell attackiert und anschließend auf sie eingeschlagen. Der 21-Jährigen sei es gelungen, einen Notruf an die Polizei abzusetzen.

Noch am Abend leitete die Bonner Polizei eine Großfahndung nach dem flüchtigen Täter mit 50 Einsatzkräften und einem Hubschrauber der Bundespolizei ein. Peter B. war am Mittwoch seinen Bewachern bei einem Ausgang in einem Kölner Brauhaus entkommen. Der 58-Jährige war 1991 unter anderem wegen Vergewaltigung verurteilt worden.

Forderung nach Änderung der Richtlinien

„Wir sind froh, dass er gefasst wurde“ sagte ein Sprecher des NRW-Justizministeriums. Minister Thomas Kutschaty (SPD) sei erleichtert und danke der Polizei für die gute Zusammenarbeit und den Fahndungserfolg. Der CDU-Landtagsabgeordnete Gregor Golland fordert, die Richtlinien für die Unterbringung von Sicherungsverwahrten zu ändern. Sie sollten künftig keinen Anspruch mehr auf einen begleiteten Ausgang anmelden können. Die Justiz solle sich mehr um die Opfer von Verbrechen als um die Resozialisierung der Straftäter kümmern. Peter B. soll nicht in die JVA Aachen zurückkehren.