27.09.2016
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Faszinosum Bartmannskrug: Geheimnisvoller Krug mit Bart

Der Frechener Künstler Peter Thumm schafft in seiner Wahlheimat Südfrankreich individuelle, moderne Interpretationen des Bartmannkruges.

Der Frechener Künstler Peter Thumm schafft in seiner Wahlheimat Südfrankreich individuelle, moderne Interpretationen des Bartmannkruges.

Foto:

Alexa Jansen

Frechen -

Geheimnisvoll und spannend geht es im Frechener Keramion ab Donnerstag zu: In der neuen Ausstellung „Faszinosum Bartmannkrug“ erzählen rund 300 Objekte von 30 Leihgebern Geschichten rund um das Wahrzeichen Frechens. Skurriles, Kitschiges, Rührendes und Lehrreiches ist über das Gefäß zu erfahren, das für viele Frechener ein Stück Heimat bedeutet. Die Präsentation ist die größte Ausstellung, die sich je mit dem Thema der Bartmannkrug-Nachbildung beschäftigt hat. Die Hälfte der Exponate hat einen Frechener Hintergrund, aber auch Fundstücke aus aller Welt, wie Indonesien, Australien oder Japan werden gezeigt. „Wir wollten erfahren, warum sich auch heute noch Menschen für den Bartmannkrug begeistern und immer wieder neue Varianten des ursprünglich aus dem 16. bis 18. Jahrhundert stammenden Gefäßtyps entwickeln“, erläutert Gudrun Schmidt-Esters, Direktorin des Keramions.

Stücke mit Spannung entgegengenommen

Mit Spannung nahmen sie und die wissenschaftliche Volontärin Bettina Starzetz jeweils die Stücke entgegen, die nach einem öffentlichen Aufruf im Museum abgegeben wurden. Doch nicht nur die Gefäße an sich interessierten, ein besonderer Schwerpunkt wurde auch auf die Geschichten dahinter gelegt. „Wir sammeln Geschichten“, so Schmidt-Esters. Sie und Starzetz haben die Ausstellung so konzipiert, dass zu den einzelnen Exponaten Karten mit Hintergrundinformationen gezeigt werden, und sich vor allem die Besucher aktiv beteiligen können. Sie sind eingeladen, eigene Geschichten rund um den Bartmann zu erzählen, eigene Fundstücke noch zu integrieren oder auch das Rätsel so manchen Ausstellungsstücks zu klären: Von wem stammt das Gefäß, gibt es dazu noch Abbildungen, wer hat noch so ein Exemplar zu Hause oder handelt es sich um ein Unikat? Die eigenen Geschichten können im Museum aufgeschrieben werden, sie sollen nach und nach in die Ausstellung integriert werden.

Im Mittelpunkt der Bartmannkrug-Kultur steht die Identifikation mit der Heimat. So sind selbst gebaute Krüge von Frechenern zu sehen, die zum Teil heimlich in den 1960er Jahren zwischen Steinzeugrohren mitgebrannt wurden. Auch Vereine und Organisationen entwarfen im Laufe der Zeit ihre ganz eigenen Interpretationen, die als Geschenk oder Ehrung offeriert wurden: Die Schützenbruderschaft St. Hubertus, der Gesangverein Concordia und auch die Stadtverwaltung sind mit Objekten vertreten. Zudem haben auch zahlreiche Einzelpersonen ihre ganz persönlichen Schätzchen abgegeben. So hat sich für die Ausstellung eine ältere Frechenerin von einem Krug getrennt, den sie nach dem Tod ihres Mannes von einem guten Freund als Glücksbringer geschenkt bekommen hat und der ihr bei dem mühsamen Neustart sehr geholfen hat.

Eine Dame brachte erst vorgestern noch einen kleinen, bronzenen Bartmannkrug als Schlüsselanhänger vorbei, den sie als Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement in der Seniorenarbeit erhalten hat. Auch das kleinste Objekt, das als der kleinste Bartmannkrug der Welt gilt, stammt aus einem Frechener Haushalt. Das Unikat wurde extra für einen Sammler als Geburtstagsgeschenkt angefertigt. Zahlreich sind auch Erbstücke vertreten, von denen die Erben oft nicht mehr wissen, als dass sie ihren Verwandten sehr viel bedeuteten. Warum und woher die Gefäße stammen, auch hierbei dürfen und sollen die Besucher als Detektive aktiv werden.

Künstlerischer Aspekt berücksichtigt

In der Ausstellung wird zudem der künstlerische Aspekt berücksichtigt. Der nordirische Künstler Peter Meanley ist mit speziellen Interpretationen vertreten: Er schafft Porträts als funktionsfähige Trinkgefäße, bei denen er sich stark an der Originaltechnik wie der Salzglasur orientiert. Moderne Versionen liefert auch der Frechener Peter Thum, der mit traditionellen Formenelementen des Bartmannkruges neue Kombinationen erschafft. Mit Gemälden mit Bartmannzitaten ist die Frechener Kunstmalerin Edith Dahm beteiligt. Für Filme, die den Bartmannkrug künstlerisch und historisch thematisieren gibt es einen speziellen Abend.

Die Ausstellung „Faszinosum Bartmannkrug“ in der Stiftung Keramion, Zentrum für moderne und historische Keramik, Bonnstraße 12, wird am Donnerstag, 12. September, 19 Uhr, eröffnet. Dann werden auch die Gewinner des Fotowettbewerbs „Bartmänner in Frechen“ ausgezeichnet. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 12. Januar 2014, zu sehen. Das Keramion ist dienstags bis freitags und sonntags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

www.keramion.de


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