30.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Frechener Jungunternehmer: Ein Geißbock mit Durchblick
02. January 2014
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Frechener Jungunternehmer: Ein Geißbock mit Durchblick

Die FC-Brille ziert natürlich der Geißbock.

Die FC-Brille ziert natürlich der Geißbock.

Foto:

Beissel

Frechen -

Ein Student aus Frechen will den Fanartikelmarkt des Profifußballs erobern – mit Brillen im Clubdesign. Der BVB, der 1. FC Köln, der VFB Stuttgart und Schalke 04 haben schon angebissen. Verhandlungen mit anderen Vereinen laufen.

Als Shahin Moghaddam im Dezember 2012 ins Internet geht, kommt ihm plötzlich eine Idee. Es ist eine, die aus dem Wirtschaftsstudenten und Praktikanten bald einen Unternehmer machen wird. Beim Surfen sieht der Frechener auf dem Bildschirm ein Foto des schnellsten Mannes der Welt, Usain Bolt. Es zeigt den jamaikanischen Sprinter beim Feiern in einer Diskothek in Barcelona, auf der Nase trägt er eine Brille. Aber nicht irgendeine: Auf dem linken Brillenglas prangt das Wappen des katalanischen Traditionsklubs FC Barcelona, auf der rechten die Nummer 10 von Stürmerstar Lionel Messi.

„Das sah supergut aus“

„Wow, das sah supergut aus“, sagt Shahin Moghaddam. Dass daraus ein Geschäftsmodell werden könnte, war ihm bald klar. Nachdem er nachgeforscht hatte, dass es solche Fan-Brillen von Fußballvereinen in Deutschland nicht gab, wollte er das ändern. Seine Vision heute: Er will den Fanartikelmarkt der Fußballclubs erobern. Und zwar mit Brillen, deren Gläser verziert sind mit den Farben und Wappen der Vereine.

In Frankreich machte er ein Praktikum bei einem Fanbrillenhersteller, um das dortige Geschäft kennenzulernen, erstellte einen Businessplan und überzeugte Kommilitonen von seiner Idee. Auch ein Name für die Firma war schnell gefunden: „Nunettes Germany“. „Die Bezeichnung „Nunettes“ ist ein Wortspiel aus dem Französischen“, erklärt Shahin Moghaddam. Das Wort setzt sich zusammen aus dem „N“ von nouveau (französisch für „neu“) und „lunettes“ (französisch für „Brille“).

Szenenwechsel. Ein Einfamilienhaus An der Waidmaar in Frechen. 14 steile Stufen führen in den etwa 25 Quadratmeter großen Keller des Hauses. Laptops, PCs stehen auf einfachen Tischen zwischen zahlreichen Brillenständern. Auf dem Flipchart Schlagwörter, die auf eine Reihe von neuen Kunden schließen lassen. Shahin Moghaddams Start-up-Firma ist auf fünf Mitarbeiter angewachsen – es sind Studenten der Wirtschafts- und Politikwissenschaft, die hoffen, mit Nunettes den Durchbruch zu schaffen. Die Chancen stehen gut. Die Rollen der einzelnen Studenten sind genau verteilt. Die Stimmung ist locker, aber man merkt, die jungen Männer arbeiten an einem festen Ziel.

Der 24-jährige Thomas Schneider, zuständig für Investment- und Finanzplanung, ist überzeugt, dass die Arbeit bei Nunettes Germany genau das Richtige für ihn ist. „Früher habe ich Praktika in großen Firmen gemacht. Wegen der strikten Hierarchien hat es sehr lange gedauert, bis ich meine eigenen Ideen einbringen konnte.“ Bei Nunettes sei das ganz anders: „Wir arbeiten hier alle auf Augenhöhe. Wer eine gute Idee hat, der kann sofort loslegen.“ Niko Nhouvannasak bereitet gerade die Messauftritte vor. „Werbung und Verkauf ist gerade in der Anfangszeit ein wichtiger Punkt.“ Cina Takhsha kümmert sich um den Einkauf, und Philipp Kessler ist für das Marketing zuständig.

Entwicklung verheißt Gutes

Die Studenten haben inzwischen einen Investor gefunden, der die Brillenproduktion mitfinanziert. Die Industrie- und Handelskammer fördert ihre Geschäftsidee, und inzwischen haben die Studenten eine GmbH gegründet. „Das war ein sehr wichtiger Schritt, denn seitdem wissen unsere Verhandlungspartner aus dem Profifußball, dass wir ein ernst zu nehmendes Unternehmen sind“, sagt Moghaddam. Mit Borussia Dortmund haben die jungen Leute den ersten Verein aus der Bundesliga bereits überzeugen können. Bald gibt es ihre Brillen in den BVB-Fanshops und im Dortmunder Stadion. Verträge mit dem 1. FC Köln, mit Schalke und Stuttgart stehen unmittelbar bevor. Verhandlungen mit weiteren Proficlubs stünden kurz vor dem Abschluss, sagt Moghaddam.

Fußballfans sind jedoch nicht die einzige Zielgruppe der Jungunternehmer. Sie lassen auch Brillen im Sponge-Bob- oder Halloween-Design produzieren. Außerdem bieten sie Unternehmen an, für Werbeaktionen Brillen mit ihren Firmenlogos zu bedrucken. Die Entwürfe werden in Frechen erstellt. Variiert werden kann in der Farbe und dem Aufdruck an den Brillenbügeln und dem Gestell. Hat der Kunde sich für einen oder mehrere Entwürfe entschieden, werden die Brillen über eine Partnerfirma in Frankreich eingekauft und die Gläser beklebt. Die spezielle, leicht durchlöcherte Folie ermöglicht auf der einen Seite einen klaren Durchblick für das Auge. Schaut man auf die Brille, sieht man klar die Strukturen der Motive.

Das unternehmerische Risiko nehmen die Studenten gern in Kauf. Die Entwicklung der Verkaufszahlen verheißt Gutes: „Am Anfang haben wir Aufträge von gerade einmal zehn Brillen bekommen, aber mittlerweile sind sie deutlich größer“, sagt Shahin Moghaddam. Vor Kurzem etwa bestellte ein Automobilkonzern für eine Werbeaktion 10 000 Brillen.

Mit Rat und Tat steht den Jungunternehmern Hans Matthijsse zur Seite. Bei einer Geschäftseröffnung lernte Shahin ihn Anfang 2013 kennen. Matthijsse, der die unternehmerischen Geschicke bei Nordsee leitete, betreibt eine Vertriebsagentur, die europaweit agiert. Der Geschäftsmann hat viele gute Kontakte, von denen die Jungunternehmer profitieren.