25.07.2016
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Haus-Besetzung in Kerpen-Manheim: Polizei räumt besetztes Haus

Die Polizei führte Demonstranten gewaltsam ab.

Die Polizei führte Demonstranten gewaltsam ab.

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Udo Beissel

Kerpen-Manheim -

Nach etwa zwölf Stunden beendete die Polizei am Samstagabend eine Hausbesetzung der Klimaaktivisten in Kerpen-Manheim. In der Esperantostraße hatten die Demonstranten in der Mittagszeit ein leer stehendes Haus besetzt, das im Rahmen der Umsiedlung von Kerpen-Manheim bereits im Besitz von RWE-Power ist. Nach der Besetzung stellte das Unternehmen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch.

Die Aktivisten wollten das Gebäude als Workshop-Zentrum und Schlafgelegenheit während des Klimacamps nutzen. Die zweiwöchige Protest-Veranstaltung, die sich gegen die Verstromung von Braunkohle und der damit verbundenen Tagebauerweiterung richtet, startete am Freitag auf einer Wiese in Kerpen-Manheim.

Übernachtungsmöglichkeiten verboten

Doch die Einrichtungen, die zur Versorgung und Unterbringung der Teilnehmer gedacht waren, mussten auf einem privaten Acker gleich neben dem eigentlichen Campgelände, einer städtischen Obstwiese, aufgebaut werden. Das Verwaltungsgericht Köln hatte für die zweiwöchige Versammlung Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegungsstellen verboten.

Während auf dem eigentlichen Campgelände die Veranstaltung friedlich ablief, sperrte die Polizei vor dem besetzten Haus die Straße ab. Bis auf fünf Demonstranten, die sich auf das Dach des Hauses geflüchtet hatten, räumten Beamte einer Polizeihundertschaft das Gebäude.

Nachbarn und Anwohner von Kerpen-Manheim verfolgten die Besetzung und das Handeln der Polizei. Einige vermummte Aktivisten saßen auf dem Dach und rollten Transparente aus. Vor dem Gebäude führten andere ein Puppentheater auf und schrieben mit Kreide Botschaften auf die Straße. Auch einen Verpflegungstransporter mit heißer Suppe und Brot hatten die Aktivisten zuvor organisiert.

Plötzlicher Tumult vor dem Haus

Am Nachmittag kam es plötzlich zu einem Tumult vor dem Haus. Ein als Clown verkleideter Demonstrant hatte mit Wunderkugeln jongliert und war der Polizeiabsperrung trotz Vorwarnung zu nahe gekommen. Er war bereits am Mittag aufgefallen.

Nach Angaben der Polizei soll er bei der Räumung des Hauses die Beamten behindert haben. Der Mann, der auch an der Besetzung im Hambacher Forst im November vergangenen Jahres beteiligt war, wurde festgenommen und zur Polizeiwache gebracht.

Am Abend erreichte eine größere Gruppe von Fahrradfahrern die Esperantostraße. Die BUND-Jugend NRW hatte zu einer Radtour aufgerufen, die in Gütersloh startete und quer durch das Ruhrgebiet über Köln nach Kerpen führte. Ziel der Radtour war das Klimacamp. Mit der Fahrradtour demonstrieren die Teilnehmer für umweltfreundlichen Verkehr, warben für das Klimacamp und protestieren gegen RWE.

Während vor dem Haus die Radfahrer den Demonstranten auf dem Dach Mut zusprachen, bereitete die Polizei im Hintergrund bereits die Räumung vor. Baustellenzäune wurden mit Lastwagen angekarrt und in Seitenstraßen geparkt. Eine Hebebühne rollte ebenfalls an.

Gegen 23 Uhr leitete die Polizei schließlich die Räumung ein. Nach einer weiträumigen Absperrung wurden die Aktivisten vom Dach des Hauses geholt und festgenommen.
Nach Polizeiangaben wurde dabei niemand verletzt. Pressesprecher Anton Hamacher: „Für uns stand die Sicherheit aller Beteiligten bei der Räumung im Vordergrund.“
Noch in der Nacht stellte RWE-Power einen Bauzaun auf, um eine Wiederbesetzung zu verhindern.

In einer Stellungnahme verurteilt der Energiekonzern die Hausbesetzung durch die Braunkohlegegner auf das Schärfste. Es sei für RWE selbstverständlich, dass über die Energieversorgung ein konstruktiver Dialog geführt werde. Aber mit dieser Aktion seien erneut Grenzen des friedlichen Protests überschritten worden. Das sei für das Unternehmen und seine Mitarbeiter nicht akzeptabel. Das Unternehmen werde auch in Zukunft mit allem Nachdruck gegen jede Form rechtswidriger Handlungen vorgehen, sagte Lothar Lambertz, Pressesprecher von RWE-Power.

(von Udo Beissel, Christina Hustedt und Frank Kreidler)