26.07.2016
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Anna-Hermann-Schule: Mit Klebebändern Schmerz bekämpfen

Beim Tag der offenen Tür demonstrierte ein Therapeut der Anna-Hermann-Schule die Kinesio-Taping-Methode, mit der Schmerzen geli

Beim Tag der offenen Tür demonstrierte ein Therapeut der Anna-Hermann-Schule die Kinesio-Taping-Methode, mit der Schmerzen gelindert werden sollen.

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Anja Musick

Kerpen-Horrem -

Magdalena ist aus Frechen gekommen. Sie kennt die Anna-Hermann-Schule in Kerpen-Horrem nur von außen. Doch schon aus dieser Perspektive sehe das Ausbildungszentrum interessant aus, meint die Schülerin, die bald mit einem Abschluss die Realschule verlassen wird.
„Durch die Fenster sieht man viele Pritschen, Spiegel, Gymnastikbälle und Skelette“, hat Magdalena festgestellt. „Da geht es um Gesundheit und Bewegung. Und das ist genau mein Ding“, meint die 16-Jährige. Deswegen nutzt sie den Tag der offenen Tür, um sich zu informieren.

Viele Besucher drängeln durch das Gebäude. Im unteren Stockwerk ist zu beobachten, wie junge Frauen einander schminken. Sie wollen Kosmetikerinnen werden und demonstrieren ihr Können. In einem der Säle im oberen Stockwerk beißt Sophia Printzen gerade in eine Zitrone. Ihre Augen sind verbunden. Sie schüttelt sich und verzieht das Gesicht. Holger Sietlaff, der ihr die Frucht zwischen die Zähne geschoben hat, muss lachen. Was wie ein Kindergeburtstag aussieht, hat einen tieferen Sinn. „Wir schulen hier die Sinne. Zum Beispiel den Geschmackssinn“, erklärt Sophia, die wie Holger im zweiten Lehrjahr der Ausbildung zum Gymnastiklehrer ist. Diese Schulung der Sinne, zu der auch Bewegungsspiele gehören, sei Bestandteil der Motopädie. Das Zusammenspiel zwischen Bewegung und Psyche sei dabei wichtig.

In einem anderen Raum beobachten Menschen, wie ein Therapeut einen jungen Mann mit Streifen beklebt. Die Methode „Kinesio-Taping“ wird erläutert. Mit elastischen Klebebändern sollen schmerzhafte Erkrankungen behandelt werden. Diese Methode ist ein Bestandteil des Stundenplans für angehende Physiotherapeuten. „Wie sieht es mit der Beweglichkeit des Fußes aus?“, fragt der Therapeut und dreht am Gelenk des Probanden. Es knackt laut. „Uuh“, raunen die Zuschauer.

Petra Witt, Geschäftsführerin der Schule, empfängt Gäste, darunter Politiker. Längst ist die Schule und das dazu gehörende Präha-Zentrum mit den rund 400 Schülern, in dem Berufe wie Bachelor of Physiotherapie, Fitness- und Wellnesscoach, Gymnastiklehrer und Visagist angeboten werden, zum Aushängeschild der Region geworden.

Witt berichtet über neue Ausbildungsgänge in der Schule, die seit diesem Jahr auch ein „berufliches Gymnasium für Erziehung und Soziales im Aufbau“ ist. Jetzt können Schüler dort nämlich auch Abitur und parallel dazu eine Ausbildung zum Erzieher und zum Freizeitsportleiter absolvieren. Noch seien Anmeldungen möglich, sagt Witt. Pro Ausbildungsgang würden 24 Schüler angenommen.

Angehende Erzieher auf dem Weg zum Abitur hätten dann die Leistungskurse Biologie und Erziehungswissenschaften. Zudem lernten die Schüler Tanz und Rhythmik sowie Psychomotorik und Entspannungsmethoden. In den Bereichen gebe es auch entsprechende Fortbildungszertifikate. Wer fertig sei, könne direkt arbeiten oder aufsatteln, etwa ein entsprechendes Studium beginnen und während des Studiums dank der Ausbildung auch qualifiziert arbeiten. Schon hat Witt, die seit einigen Wochen auch Vorsitzende des „Verbandes Deutscher Privatschulen“ ist, neue Pläne im Gepäck. Bald soll es in Horrem ein Altenpflege-Seminar geben, so Witt.

Besonders spannend hört sich die Ausbildung zum Freizeitsportleiter mit Abitur an, der wie das Erzieher-Abitur ebenfalls im Sommer startet. Diese Schüler haben die Fächer Sport und Biologie als Leistungskurse und im Differenzierungsbereich beispielsweise Erlebnispädagogik. Da gehe es etwa an die Kletterwand oder mit dem Kanu in die Erft. Auch auf Wasserskiern dürften sich die Schüler ausprobieren. Die Trainerlizenz C, der Erste-Hilfe-Schein, der DLRG-Schein, das Sportabzeichen – diverse Fortbildungszertifikate würden während der Ausbildung ebenfalls gemacht. Freizeitsportleiter könnten etwa in Vereinen, Freizeitzentren und Ferienclubs arbeiten, heißt es. Oder auch dank des Abiturs ein Studium beginnen.

Magdalenas Augen leuchten. Sie hat die Informationsbroschüre eingepackt und macht sich auf den Heimweg. Es scheint, als habe sie eine Entscheidung getroffen.