26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Hambacher Forst: Baumhäuser sind ständig besetzt
19. March 2013
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Hambacher Forst: Baumhäuser sind ständig besetzt

Per Seil und Muskelkraft geht es zur Baumplattform.

Per Seil und Muskelkraft geht es zur Baumplattform.

Foto:

Hustedt

Kerpen-Buir -

Der Hambacher Forst ist erneut von Aktivisten besetzt worden. Seit etwa 10 Uhr am Montag haben sie ihr neues Lager in dem Waldstück südlich der Autobahn 4 zwischen Kerpen-Buir und Düren aufgeschlagen. Das gaben die Aktivisten auf ihrer Internetseite am Montagabend bekannt. Etwa zehn Umweltschützer halten sich derzeit im und am Wald auf, zum Teil auch auf Plattformen in Bäumen. „Für die nächsten Tage haben sich noch weitere Unterstützer angekündigt“, so ein Aktivist. Und auch in der Bevölkerung gebe es einen Unterstützerkreis von 50 Personen, die sie versorgten und im Hilfe zur Seite ständen.

Das Basiscamp am Flugplatz entstand im November nach der Räumung der Behausungen bei Kerpen-Buir und wird derzeit weiter ausgebaut. Dort stehen mehrere Bauwagen und Zelte, es gibt einen Küchenbereich und eine Hütte zum Aufwärmen. Vom Lager aus werden auch die Aktivisten auf dem Plattformen tief im Wald mit Tee, Essen und Material versorgt. Alles muss zu Fuß transportiert werden, die rund eineinhalb Kilometer zum Baumlager führen durch Gestrüpp und über umgestürzte Bäume. Erst wer direkt vor den Holzkonstruktionen am Boden und in etwa zehn Meter Höhe steht, erkennt sie zwischen den Stämmen. "Die Plattformen sind ständig besetzt, damit sie nicht einfach niedergerissen werden können", erklärt Clumsy, wie er genannt werden möchte. Er war auch schon im alten Camp dabei und will auch die Baumbesetzung so lange wie möglich fortführen. Der Weg in die Baumwipfel führt nur über Seile, an denen sich die Besetzer in Bergsteigermanier emporziehen.

In den nächsten Tagen sollen die einfachen Holzkonstruktionen zu einem Baumhaus ausgebaut werden und am Boden soll eine Schutzhütte entstehen. Ob es soweit kommt, ist allerdings fraglich, da sowohl RWE als auch ein örtlicher Jäger die Besetzung so schnell wie möglich beenden wollen. Eine Baumplattform wurde vor einigen Tagen bereits abgerissen, die stützenden Bäume gefällt. "Gestern hat der Jäger hier mit einer Sichel herumgefuchtelt, Zelte zerschnitten und gedroht, mit einer Kettensäge wiederzukommen", berichtet Aktivistin Hannah. Auch Mitarbeiter von RWE seien inzwischen gesichtet worden. Vertreiben lassen wollen sich die Umweltschützer aber auf keinen Fall. "Wir haben viele Ideen und Möglichkeiten", sagt Clumsy selbstbewusst. Mit der Plattform-Aktion gehen die Klimaaktivisten ganz bewusst wieder an die Öffentlichkeit. "Wir wollen auf lange Sicht eine kritische Masse erzeugen um die Öffentlicheit zu sensibilisieren", betont Campbewohner Dirk. Aber natürlich wolle man auch mögliche Rodungen verhindern beziehungsweise verzögern.

Dafür verbringen die Umweltschützer Monate im Wald, bei Kälte und Nässe. "Es war im Winter schon sehr anstrengend", gibt Dirk zu. "Wir hatten wenige warme Räume und die Arbeit in der Kälte war hart." Trotzdem lassen sich die Aktivisten nicht von ihrer Überzeugung abbringen, der Wald müsse erhalten bleiben. "Wir haben die Wintermoante genutz, unds mit anderne Gruppen noch besser zu vernetzen, das wollen wir auch noch weiterführen."

Mitarbeiter von RWE haben sich bereits ein Bild von dem neuen Protestcamp gemacht. Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärte eine Sprecherin von RWE-Power, dass der Konzern die Aktion nicht dulden wird: „Wir haben uns bereits an die zuständigen Ordnungsbehörden gewandt und behalten uns weitere rechtliche Schritte ausdrücklich vor.“ Auch die Polizei Düren hat sich im Camp bereits umgesehen. „Derzeit prüfen wir, ob es dort zu Gesetzesverstößen gekommen ist“, erklärte die Pressestelle.

Die Aktivisten protestieren gegen die Abholzung des Hambacher Forstes durch den Energiekonzern RWE. Nach dessen Plänen soll der Wald dem Braunkohle-Tagebau Hambach weichen. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Umweltaktivisten den Hambacher Forst monatelang besetzt. RWE hatte die Aktion lange Zeit geduldet, ließ das Protestcamp im November aber dennoch von der Polizei räumen. Die Räumung wurde zu einem tagelangen Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei und einem Demonstranten, der sich in einem selbstgebauten Tunnelsystem versteckt gehalten hatte. Zuletzt hatten die Aktivisten ihr Camp auf einer Wiese bei Morschenich im Kreis Düren aufgeschlagen.