30.07.2016
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Hambacher Forst: Besetzern den Rücken gestärkt

Im Wald nahmen Peter Abels, Antje Grothus, Susanne Witt und Thomas Waldmann (v.l.) zu den Vorwürfen Stellung, von der Waldbese

Im Wald nahmen Peter Abels, Antje Grothus, Susanne Witt und Thomas Waldmann (v.l.) zu den Vorwürfen Stellung, von der Waldbesetzung gingen Straftaten aus.

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Meisen

Kerpen-Buir -

Rückendeckung bekommen die Waldbesetzer im Hambacher Forst von der tagebaukritischen Initiative „Buirer für Buir“: Man sehe mit „großer Sorge“, wie versucht werde, in der Öffentlichkeit „Stimmung“ gegen die Waldbesetzer zu machen und diese zu „kriminalisieren“, meinen Antje Grothus und Peter Abels von „Buirer für Buir“. Abels ist auch Sprecher der Kerpener Grünen.

Beide reagieren damit auf eine Pressemitteilung der Polizei von Anfang der Woche, wonach es eine „steigende Anzahl und Intensität der Straftaten“ im Zuge der Waldbesetzung gebe. Es handele sich bei diesen nicht um „friedliche Demonstranten“, sondern „um eine Gruppe, aus der heraus vermehrt Straftaten begangen werden“, sagte die Polizei.

Abels hält diese Formulierungen der Polizei für „unglücklich“ und „bedenklich“. Seit einem halben Jahr lebten die Waldbesetzer im Wald bei Buir und hätten engen Kontakt mit der Initiative, so dass man sich gegenseitig kennengelernt habe: „Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Anschuldigungen als haltlos herausstellen werden.“ Die Waldbesetzer würden „pauschal kriminalisiert, ohne dass es Beweise und Belege gibt“. Das trage nicht zu einer „Deeskalation“ bei, wenn es zu einer Räumung des Lagers komme.

Grothus wies darauf hin, dass die der autonomen Szene zuzurechnenden Waldbesetzer eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten würden. „Viele Bürger kommen hier hin und haben etwa Baumaterial geliefert.“ Sie vermute, dass man die Waldbesetzer kriminalisieren wolle, um die Unterstützung aus dem „bürgerlichen Lager“ zu beenden. „Die Leute sollen Angst haben, hierhinzukommen.“ Susanne Witt und Thomas Waldmann von den Waldbesetzern wiesen noch einmal darauf hin, dass sie Gewalt gegen Menschen ablehnten. Auch für sie und ihre Gruppe müsse die „Unschuldsvermutung“ gelten, so lange es keine gerichtlichen Verurteilungen gebe. Die Äußerungen der Polizei seien verwunderlich, weil es im Wald noch keine Untersuchung der angeblichen Straftaten gegeben habe.

60 Strafanzeigen

Die Polizei wies die Vorwürfe zurück: „Wir führen keine Kriminalisierungskampagne“, betonte eine Sprecherin. Es sei aber nun einmal so, dass man über 60 Strafanzeigen im Umfeld der Waldbesetzung vorliegen habe, bei denen es etwa um Körperverletzung oder Sachbeschädigung gehe. Dabei seien alle angezeigten Straftaten aufgenommen worden.

„Nach unserem Kenntnisstand sind die Straftaten von den Waldbesetzern ausgegangen.“ Ähnlich äußerte sich das Unternehmen RWE: „Wir verwahren uns gegen Vorwürfe, irgendjemanden vorzuverurteilen oder zu kriminalisieren“, sagte Sprecher Lothar Lambertz. „Fakt aber ist: Mitarbeiter wurden in zahlreichen Fällen angegriffen, Betriebseinrichtungen wurden zerstört und Diebstähle begangen. Dies haben wir zur Anzeige gebracht und werden dies zum Schutze unserer Mitarbeiter auch weiter tun.“

Die Waldbesetzer wappnen sich derweil für die angekündigte Räumung: Sie haben mit Baumstämmen Barrikaden auf den Waldwegen errichtet und dort Gräben gezogen, um die Zufahrt zum Camp so schwer wie möglich zu machen.