27.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

In-Extremo-Sänger: Das letzte Einhorn entspannt in Kerpen

In-Extremo-Sänger Michael Rhein über sein Leben als internationaler Rockstar und seinen Rückzugsort.

In-Extremo-Sänger Michael Rhein über sein Leben als internationaler Rockstar und seinen Rückzugsort.

Foto:

Universal Music

Kerpen -

Herr Rhein, das neue Album „Kunstraub“ liegt auf Platz zwei der Charts, das Konzert nächsten Freitag im Kölner E-Werk ist ausverkauft. Gehe ich recht in der Annahme, dass es im Moment bei Ihnen und ihrer Band In Extremo gut läuft?

Michael Rhein: Davon können Sie ausgehen. Wir haben im Moment eine solch starke Konkurrenz. Ich hatte mit Platz zwei gar nicht gerechnet. Unsere letzten beiden Alben sind auf Platz eins gelandet. Platz zwei jetzt ist trotzdem ein Hammer für uns, weil wir gleichzeitig mit Metallica, Sting, Justin Timberlake und Casper angetreten sind. Auch Andrea Berg war dabei, Placebo ist draußen. Da kann man nur den Fans tausend-, tausendmal Danke schön sagen.

In Extremo ist eine Berliner Band, Sie wohnen in Kerpen. Wie kann das funktionieren?

Rhein: Also, wenn ich in Kerpen bin, habe ich die Tür zu und schlafe meistens. Ich kommuniziere mit meinen Freunden und Nachbarn, ansonsten bin ich zwischen Flugzeug, Autobahn und der Bahn unterwegs. Dann lebe ich aus dem Koffer.

„Wir werden bis Ende 2014 ungefähr 120 Konzerte spielen.“

Michael Rhein

Aber wie kann die Band über diese Entfernungen zusammenarbeiten?

Rhein: Ich wohne mittlerweile auf der Enterprise. Wir haben so eine Beam-Maschine entdeckt und lassen uns immer hin- und herbeamen. Ha, ha, ha. Nee, wie machen wir das? Wir machen natürlich Probewochen. Dann bin ich manchmal einen Monat in Berlin, dort wird jeden Tag geprobt. Es gibt schließlich auch Computer, die unheimlich helfen. Da schicken wir uns Daten hin und her, und jeder kann seine Sachen zu den Stücken beisteuern.

Wie viele Konzerte haben Sie in nächster Zeit geplant?

Rhein: Wir werden bis Ende 2014 ungefähr 120 Konzerte spielen.

Was sind die Höhepunkte?

Rhein: Natürlich die Deutschland-Tour mit Köln, darauf freuen wir uns total. Ansonsten spielen wir dieses Jahr noch in London, nächstes Jahr in New York, Los Angeles, dann in Mexiko und Brasilien. Wir machen im März/April eine zweiwöchige Russland-Tournee. Dann werden wir viele Festivals spielen, unter anderem Rock am Ring und Rock im Park. Das ist der Zeitplan.

Sie kommen aus der Mittelalter-Musik, die neue CD geht mehr in Richtung Deutschrock. Wollen Sie vom Mittelalter-Image weg?

Rhein: Nein, überhaupt nicht. Das sind unsere Wurzeln, die wir nicht verleugnen werden. Bei dieser Platte war es nun mal so. Da steckt aber genauso viel Mittelalter drin wie in den letzten vier Scheiben. Das ist nur anders verpackt. Natürlich gibt es immer wieder Stimmen, die sagen: Macht doch noch einmal eine Platte wie früher, wie „Weckt die Toten.“ Aber warum sollten wir das tun? Die haben wir ja schon gemacht. Es geht immer weiter, und vielleicht ist die nächste Platte wieder mehr back to the roots. Das wissen wir noch nicht. Wir sind immer am Austüfteln, Probieren und Arbeiten.

Mit wie vielen Leuten seid ihr auf Tournee?

Rhein: Wir sind mit 27 Leuten unterwegs, davon sieben aus der Band. Das geht mit dem Tourmanager los, einer Küche, der ganzen Crew. Lkw-Fahrer, Busfahrer. Wir sind mit zwei 40-Tonnen-Trucks, zwei Nightlinern (Busse mit Betten zur Übernachtung, Anm. d. Redaktion) und einem 12,5-Tonner unterwegs. Das ist ein richtig großer Tross. Wir greifen immer auf Freunde und Crewmitglieder zurück, die wir seit Jahren kennen. Das ist ein eingeschworenes Team.

„Wenn du auf der Bühne eine Flasche Whisky trinkst, kannst du kein Konzert mehr spielen.“

Michael Rhein

Gibt es nie Ärger?

Rhein: Ach, es gibt immer mal ein bisschen Ärger. Das ist normal, das ist wie in einer Ehe. Dann streitet man sich, am anderen Morgen klopft man sich wieder auf die Schulter und fällt sich um den Hals und lacht.

Wie sieht es mit Sex, Drugs and Rock’n Roll während der Tour aus? Gibt es das heutzutage noch?

Rhein: Das ist ein Klischee. Wenn du auf der Bühne eine Flasche Whisky trinkst, wie manche das vorgeben, kannst du kein Konzert mehr spielen. Die Leute bezahlen einen Haufen Geld für den Eintritt. Wenn dann besoffene Typen auf der Bühne stehen, ist das nicht gut. Natürlich wird die eine oder andere Party im Nightliner stattfinden, da legt man dann am nächsten Tag den Schleier der Nächstenliebe drüber.

Wie entspannen Sie sich, wenn es mit der Tour und dem ganzen Stress vorbei ist?

Rhein: Ich gehe gerne in Kerpen in das Atelier von meinem Freund, dem Künstler Dirk Bauer. Er hat immer einen schönen Wodka auf Lager. Wir sehen fern, unterhalten uns, schauen Kunst an. Ich entspanne auch gerne beim Motorradfahren. Wenn ich mal viel freie Zeit am Stück habe, bin ich meistens in Kroatien.

Mick Jagger steht noch mit 70 Jahren auf der Bühne. Wie halten Sie sich für ihren Job fit?

Rhein: Eigentlich gar nicht. Ich mache nicht viel Sport, ich bin ein bisschen faul. Ich bin einfach zu viel unterwegs, sodass ich meine Ruhe haben will, wenn ich zu Hause bin.

Das Gespräch führte Wilfried Meisen