28.09.2016
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Mord ohne Leiche: Staatsanwalt fordert zwölf Jahre Haft für Ehemann

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dpa

Köln/Kerpen -

Zuletzt richtete er den Blick direkt zum Angeklagten. „Wenn Sie ein Fünkchen Respekt gegenüber Ihrer kleinen Tochter verspüren, dann sagen Sie, wo der Leichnam der Mutter zu finden ist.“ Mit diesem Appell endete das zweieinhalbstündige Plädoyer des Staatsanwalts, das er am gestrigen 32. Verhandlungstag vor der 5. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts hielt. Auf der Anklagebank sitzt der 33-jährige Jens Peter M., der im Verdacht steht, am 12. März 2012 seine damals 23 Jahre alte Ehefrau getötet zu haben. Beide hatten ein gemeinsames Kind. Die Mutter ist seitdem verschwunden, ihre Leiche wurde nie gefunden, der Angeklagte bestreitet die Tat und schweigt.

Nach Abschluss der Beweisaufnahme, bei der insgesamt 120 Zeugen und Sachverständige gehört wurden, sieht es die Anklagebehörde als erwiesen an, dass der 33-Jährige die Tat begangen hat, und beantragt eine Haftstrafe von zwölf Jahren wegen Totschlags.

Es sei eine Tragödie, wenn Menschen spurlos verschwänden. Die Familie stelle sich die Frage, was mit der jungen Frau geschehen sei, wo die Leiche sei und ob der Angeklagte dafür verantwortlich sei. „Am schlimmsten ist die Ungewissheit über den Verbleib der Verstorbenen. Die Sehnsucht der Familie, Gewissheit zu erlangen, ist in diesem Verfahren nicht erfüllt worden“, so der Staatsanwalt. Allerdings gebe es keine Zweifel daran, dass Kim M. tot sei und Jens-Peter M. daran die Schuld trage.

„Notorischer Lügner“

Durch die Zeugenaussagen sei deutlich geworden, dass der Angeklagte ein „perfekter Schauspieler“ und „notorischer Lügner“ sei. Wegen akuter Geldsorgen sei es im März 2012 zwischen den Ehepartnern immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Wenige Tage vor dem Verschwinden der jungen Mutter habe der Angeklagte gegenüber einem Gerichtsvollzieher gesagt, sie sei gestorben. Freunden soll er bereits zu diesem Zeitpunkt mitgeteilt haben, sie habe ihn verlassen. Der Staatsanwalt sieht in diesen Äußerungen Anzeichen für eine geplante Handlung. Tatsächlich ging Kim M. in den Vormittagsstunden des 12. März 2012 noch mit einer Freundin und ihrer kleinen Tochter spazieren.

Schlösser ausgewechselt

Wenige Stunden später soll Jens-Peter M. Familienmitglieder und Freunde darüber informiert haben, dass Kim M. „abgehauen“ sei und er die Schlösser der Haustür habe auswechseln lassen. Keinen seiner Gesprächspartner habe er gefragt, ob dieser womöglich etwas zum Verbleib seiner Frau sagen könne. Die Umstände des Verschwindens soll er in „dramatisch voneinander abweichenden Versionen“ dargestellt haben. Nach dem 12. März habe er mit Kim M.s Handy Kurznachrichten an die Familie und Freunde versendet. Rechtschreibung, Zeichensetzung und Sprachduktus hätten allerdings nicht dem der jungen Frau entsprochen. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ bestätigte dies später eine Sachverständige vor Gericht. „Der Angeklagte wollte vortäuschen, dass sie noch lebt, und die Tat verdecken“, so der Staatsanwalt.

Als Tage nach dem Verschwinden das gemeinsame Haus geräumt werden musste, habe er Helfern den Zutritt zum Keller verwehrt. Die dortige Tür sei verschlossen und mit Klebeband gesichert gewesen. Zur Erklärung habe er gesagt, dort seien zwei Schlangen, die er zu fangen versuche. Ein Sachverständiger hatte jedoch vor Gericht gesagt, er habe keinerlei genetisches Material einer Schlange gefunden.

Blut, dass zweifelsohne von Kim M. stammte, wurde Monate später im Keller des Hauses gefunden und führte schließlich zur Festnahme des Angeklagten.