25.07.2016
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Tagebau: Zweifel an Sicherheit der Hänge

Gudrun Zentis

Gudrun Zentis (mit Mikrofon) will die möglichen Hangabrutschungen möglicherweise auch im Landtag zum Thema machen.

Foto:

Wilfried

Kerpen/Elsdorf -

Erhebliche Zweifel an der Standsicherheit der Böschungen im Tagebau Hambach äußern Vertreter von Bürgerinitiativen. Wie jetzt auf einer internen Versammlung im evangelischen Gemeindehaus in Buir dargelegt wurde, soll um das Jahr 2006 herum an zwei Stellen der Hang an der Nordseite des Tagebaus – unweit von Elsdorf – abgerutscht sein. Die Vorfälle seien bislang aber nicht bekannt gemacht worden.

Mit Hilfe von amtlichen Luftbildaufnahmen könnten diese Hangrutschungen, die es auf einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern gegeben haben soll, aber jetzt auch im Nachhinein nachgewiesen werden, erläuterte Wolfgang Schaefer vom Netzwerk Bergbaugeschädigter. Außerdem seien auch schon rekultivierte Gebiete der Sophienhöhe abgerutscht. Zum Glück habe es aber keine Toten oder Verletzte gegeben. Die Hangabrutschungen seien auch der Grund dafür, warum eine Moto-Crossbahn in diesem Bereich verlegt worden sei. In der Versammlung wurden Luftbilder gezeigt, auf denen zu sehen war, dass Bereiche, die 2000 schon rekultiviert waren, 2007 wie abgerutschte Böschungen wirkten.

Zufällig entdeckt

In Zusammenarbeit mit dem Luftbildgeografen Andreas Immekus habe man die abgerutschten Hänge eher zufällig entdeckt, erläuterte Schaefer. Um die Sache zu verifizieren, haben das Netzwerk Bergbaugeschädigter und auch die Grünen im Regionalrat Köln Anfang des Jahres einen Fragenkatalog an das Bergamt in Arnsberg geschickt. Die Behörde habe aber die Vorfälle bestritten. Es handele sich bei den „vermuteten Bereichen von Hangabrutschungen“ am Fuße der Sophienhöhe um sogenannte Großpolder, heißt es in dem Antwortschreiben des Bergamtes. „In diese Betriebsbereiche wird vernässtes und damit im Verkippungsbetrieb besonders zu handhabendes Bodenmaterial planmäßig eingebracht.“

Gudrun Zentis, Sprecherin der Grünen im Unterausschuss Bergbausicherheit des Landtages, bezweifelt die Angaben der Bergamtes: „Ich gehe nicht davon aus, dass dies planmäßige Rutschungen waren.“ Sie will dies nun zum Thema im Braunkohlenausschuss der Bezirksregierung und im Landtag machen.

Peter Abels von der Initiative „Buirer für Buir“ vermutet, dass Hangabrutschungen „bewusst“ nicht gemeldet worden seien oder das Bergamt einfach seine Kontrollfunktion nicht erfüllt habe. Denn ansonsten hätten sie möglicherweise auch Auswirkungen auf das 2006 noch nicht abgeschlossene Planfeststellungsverfahren für die Verlegung der Autobahn 4 an den Buirer Ortsrand gehabt. Angesichts der Gefahr von Hangabrutschungen müsse der Abstand des Tagebaus zu Buir neu überdacht werden. Bisher seien hier nur 270 Meter vorgesehen. Mindestens ein Kilometer Abstand sei aber erforderlich.

Hambach-See

Das Thema sei auch für die Genehmigung des 3. Rahmenbetriebsplanes für die Fortführung des Tagebaus wichtig, die gerade ansteht. Denn hier gehe es auch um den geplanten Hambach-See. Der See, der einmal der zweitgrößte Deutschlands und bis zu 400 Meter tief werden soll, müsse über Jahrzehnte mit Wasser gefüllt werden, so Andreas Büttgen von „Buirer für Buir“. Bis dahin werde er über steile Böschungen verfügen. Wenn der Hang ins Rutschen gerate, könne es zu Überschwemmungen von Randgebieten kommen.

Das Unternehmen RWE weist die Darstellungen Schaefers zurück. Es handele sich um „haltlose Vorwürfe“, mit denen Anwohner und Besucher der Sophienhöhe „völlig unnötig verunsichert würden“, so Sprecher Lothar Lambertz. Die Luftbildaufnahmen „verzerren“ den Blick auf das Betriebsgeschehen und zwar dadurch, dass „zweidimensional aufgenommene Bilder dreidimensional dargestellt werden“. Nur der Fachmann erkenne hier „seine eigene Schöpfung wieder“. Der Vorwurf, hier sei etwas nicht mit rechten Dingen vorgegangen, „ist aus der Luft gegriffen und wird durch die verzerrte Darstellung offensichtlich bewusst unterstützt“, teilte Lambertz mit. Die Tagebauentwicklung in den angesprochenen Bereichen und Jahren sei „völlig planmäßig“ erfolgt.