25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Nach sechs Jahren: RWE weiht Kraftwerk ein
15. August 2012
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Nach sechs Jahren: RWE weiht Kraftwerk ein

 Aufgrund eines schweren Unfalls mit drei Toten verzögerten sich die Bauarbeiten.Bild: Udo Beissel

Aufgrund eines schweren Unfalls mit drei Toten verzögerten sich die Bauarbeiten.

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Udo Beissel

Grevenbroich-Neurath -

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war es, die den Grundstein für das Braunkohlekraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) am 23. August 2006 mit dem früheren NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, RWE-Vorstand Harry Roels und RWE-Power-Chef Jan Zilius legte. An diesem Mittwoch werden Rüttgers-Nachfolgerin, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), und der neue RWE-Vorstandschef Peter Terium sowie Power-Chef Johannes Lambertz das Kraftwerk nach monatelangem Probelauf offiziell in Betrieb nehmen. Der Bau des gigantischen Komplexes, der unter Volllast mehr als 2100 Megawatt Strom erzeugt, hat 2,6 Milliarden Euro gekostet.

Größte Baustelle im Land

2005 hatte die Bezirksregierung in Düsseldorf die Genehmigung zum Bau des BoA-Doppelblocks unweit des bestehenden Kraftwerks Neurath erteilt. Auf mehr als 30 Hektar entstand eine der größten Baustellen im Land. Bis zu 2800 Menschen waren in den ersten Jahren auf dem Gelände an der Energiestraße beschäftigt. Langsam wuchsen die Kühltürme, dann waren die Stahlgerippe der Kesselhäuser für die Blöcke F und G zu erkennen. Bis dahin lag der Bau im Plan. Spätestens Ende 2010 sollte das BoA-Kraftwerk regulär Strom produzieren.Doch am 25. Oktober 2007 geschah auf der Baustelle ein Unfall: Ein riesiges Stahlbauteil des Kessels stürzte aus 170 Meter Höhe in die Tiefe und riss mehrere Menschen mit. Drei Arbeiter im Alter von 25, 32 und 35 Jahren starben, fünf weitere wurden schwer verletzt. Unter großer Anteilnahme der Belegschaften aller vertretenen Firmen nahmen die Menschen Abschied von den Opfern. Wenige Monate später stellte die Staatsanwaltshaft Mönchengladbach die Ermittlungen zur Ursache ein. Es sei ein Unglücksfall, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach und des Polizeipräsidiums Düsseldorf, „bei dem keiner der verantwortlichen Personen ein individueller Schuldvorwurf gemacht werden kann“.

Letzte Kräne abgebaut

Im Sommer 2010 nimmt das Kraftwerk Gestalt an. Der zeitliche Rückstand durch den Unfall konnte aber nicht mehr aufgeholt werden. Knapp sechs Jahre nach der Grundsteinlegung werden nun die letzten Kräne auf der Baustelle abgebaut, darunter der größte Mobilkran der Welt. Nach Angaben von RWE Power ist das BoA-Kraftwerk eines der modernsten und umweltschonendsten weltweit. Das reicht nicht allen: Mit einer Mahnwache wollen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Klima-Allianz-Deutschland an diesem Mittwoch gegen die Stromerzeugung aus Braunkohle protestieren. Vor dem Kraftwerk wird auch der Landesvorsitzende des BUND, Paul Kröfges, stehen.