25.07.2016
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Rhein-Erft-Kreis: Ein Blick auf die Wirtschaft 2012

Über die Notwendigkeit neuer Braunkohlekraftwerke – hier die neuen Blöcke in Neurath – gehen die Ansichten auseinander.

Über die Notwendigkeit neuer Braunkohlekraftwerke – hier die neuen Blöcke in Neurath – gehen die Ansichten auseinander.

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Beissel

Ein neues Kraftwerk

Bergheim/Neurath. Die beiden Blöcke laufen schon auf vollen Touren, als die prominenten Gäste sich um einen großen grünen Knopf scharen. Der Generator eines Blocks zeigt eine Leistung von 1030 Megawatt, als Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zusammen mit RWE-Chef Peter Terium, Power-Vorstand Dr. Johannes Lambertz, Umweltminister Peter Altmaier und anderen den Knopf drückt. Mehr Leistung geht nicht, aber weniger. Und darauf kommt es an diesem 15. August an. Die Inbetriebnahme der BoA-Blöcke zwei und drei soll keine Demonstration der Stärke, sondern der Flexibilität sein. Die Blöcke F und G ließen sich binnen kürzester Zeit auf 50 Prozent ihrer Leistung herunterfahren – und umgekehrt, erklärt Lambertz dem staunenden Publikum. So könne die Braunkohle bei Flaute flugs 400 Windräder ersetzen.

Die Vorführung jedenfalls gelingt. Die Einweihung wird für RWE Power ein Doppelerfolg. Denn Hannelore Kraft fordert die Firmenchefs auf, weitere moderne Blöcke zu errichten und gesteht der Braunkohle eine wichtige Rolle zu. Nicht nur für das Industrieland NRW, sondern auch und gerade für die Energiewende. Im Sommer 2006 hatte RWE damit begonnen, das 2000-MW-Kraftwerk mit optimierter Anlagentechnik aus dem Neurather Acker zu stampfen. Bis zu 3000 Menschen waren täglich an der Baustelle beschäftigt. Mindestens vier starben bei Arbeitsunfällen. 380 000 Tonnen Beton wurden gegossen, 60 000 Tonnen Baustahl verarbeitet. Als die Besucher das Kraftwerk einweihen, hat es in der Phase der Inbetriebnahme bereits neun Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. (nk)

Umsiedlung kostet rund 150 Millionen Euro

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Manheim-neu. Mit einem Investitionsvolumen von rund 150 Millionen Euro ist die Umsiedlung von Manheim ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Kerpen und Umgebung. Zahlreiche Handwerksbetriebe und Baufirmen können sich so über neue Aufträge freuen: Im April 2012 ist die Umsiedlung offiziell gestartet worden. Schon vorher war mit der Erschließung des Umsiedlungsstandortes – also etwa der Anbindung ans Straßen- und Kanalnetz – begonnen worden. Zwei Kreisel – einer im Bereich von Bergerhausen, einer an der K 17 – wurden dafür gebaut. Geplant ist noch eine Verbindungsstraße zwischen Bergerhausen und Dorsfeld.

Rund ein Dutzend Häuser sind in Manheim-neu in Bau oder schon fertiggestellt. Das erste ist Ende November bezogen worden. Die rund 1700 Manheimer Bürger müssen dem Tagebau Hambach bis 2022 weichen. Rund 80 Prozent wollen sich an einer gemeinsamen Umsiedlung beteiligen. Für sie wurde zwischen Blatzheim und Kerpen ein rund 69 Hektar großer Umsiedlungsstandort ausgewiesen, der von dem Unternehmen Strabag im Auftrag von RWE Power erschlossen wurde.

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Insgesamt investiert RWE direkt 15,6 Millionen Euro in die Umsiedlung und indirekt über die Entschädigung der Hausbesitzer im alten Ort noch wesentlich mehr. Die Investitionen Dritter in Manheim-neu, dazu zählen die Hausbauten und die Errichtung öffentlicher Einrichtungen – liegen bei rund 130 Millionen Euro. Es gibt dort 463 Grundstücke, die bebaut werden können und zum größten Teil schon vergeben sind. Zudem wird Manheim-neu unter anderem einen eigenen Friedhof mit Halle, einen Rodelberg, einen Sportplatz, ein kleines Industriegebiet und zahlreiche Grünflächen bekommen. (wm)

See mit Kerosin in Wesseling

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Wesseling. Am letzten Samstag im Februar 2012 stellt ein Mitarbeiter der Shell-Rheinland-Raffinerie fest, dass mit dem Füllstand in einem Tank für Kerosin im Wesselinger Werk etwas nicht stimmt. Bei der drei Tage dauernden Prüfung der Unregelmäßigkeit wird ein 63 Quadratmillimeter großes Loch in der Verbindungsleitung gefunden. Korrosion durch Wechselwirkung mit dem Schutzsystem einer querenden Wasserleitung wird als Ursache ausgemacht. An der Waldstraße sind über einen Zeitraum von vier Wochen eine Million Liter Kerosin ins Erdreich gelaufen. Auf 120 Quadratmetern ist es durch die Erde bis in sieben Meter Tiefe vorgedrungen. Dort hat das Kerosin einen See gebildet, in der Fachsprache Phase genannt.

Der Stoff schwimmt auf dem Grundwasser und breitet sich immer weiter darauf aus. Im November ist die Phase eingegrenzt: 42 000 Quadratmeter, also sechs Fußballfelder, ist sie groß. Die Ausdehnung misst an ihrer längsten Stelle 284 Meter. Mit der Bezirksregierung Köln einigt sich die Firma Shell auf ein Sanierungskonzept. Im Juli geht der erste Sanierungsbrunnen, der das Kerosin aus dem Boden pumpt, in Betrieb, kurz vor Weihnachten folgt der zweite. Bislang konnten rund 100 000 Liter Kerosin abgepumpt werden. Der Kerosin-See löst zusammen eine landesweite Debatte über den Zustand der Leitungen in der Industrie aus. Auch der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel kritisiert Alter und Qualität des Pipeline-Systems. Der Bund für Umwelt und Naturschutz schlägt ebenfalls Alarm: Der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen sei nicht streng genug geregelt, außerdem solle das zulässige Höchstalter der Verbindungsleitungen beschränkt werden. Die defekte Leitung stammt aus dem Jahr 1942. (kbl)


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