23.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Rückblick 2012: 90 Stunden im Tunnel

Die Polizei räumt den von Klimaaktivisten besetzten Hambacher Forst mit mehreren Hundertschaften.

Die Polizei räumt den von Klimaaktivisten besetzten Hambacher Forst mit mehreren Hundertschaften.

Foto:

Beissel

Kerpen-Manheim -

Den Einsatz am Dienstag in der 46. Kalenderwoche plant die Polizei von langer Hand. Seit mehreren Monaten duldet RWE Power in einem Wald am Hambacher Forst nahe Kerpen-Manheim zahlreiche Klimaaktivisten. Sie werden auch von örtlichen Bürgerinitiativen unterstützt und protestieren gegen die Kohleverstromung und gegen die Erweiterung des Tagebaus Hambach. Die meist jungen Leute veranstalten mehrere Theater- und Musikvorstellungen im Wald. Die Bagger rücken näher, aber die Hoffnung, dass die Besetzer das Gelände freiwillig verlassen, erfüllt sich nicht.

#infobox
Mit einem Räumungsbeschluss taucht am 13. November eine Gerichtsvollzieherin am Waldcamp auf. Im Schlepptau hat sie fünf Hundertschaften der Polizei. Die Beamten sollen das Waldlager räumen. In ein bis maximal zwei Tagen soll die Sache erledigt sein, so die Planung der Polizei. Er werden schließlich vier Tage.

Am Anfang läuft alles nach Plan. Denn die Polizei hat sich zuvor einen Überblick über die Größe des Camps verschafft. Dabei hat sie allerdings einen kleinen Schacht übersehen. Die Aktivisten haben die Zeit seit Mai genutzt, um einen Tunnel zu graben. Er führt zunächst sechs Meter in die Tiefe und ist verwinkelt. Als die Beamten mit schwerem Gerät anrücken, um Baumhäuser zu räumen, warnen die Aktivisten: In dem Tunnel halte sich ein Waldbesetzer versteckt.

Jonas Zimmermann, der bereits vier Eintragungen im Polizeiregister hat, hat Lebensmittel und Sauerstoffflaschen bei sich, die es ihm ermöglichen, mehrere Tage unter der Erde zu überleben. Die Räumung wird – so formuliert es die Polizei – zu einer Rettungsaktion. Spezialisten der Grubenwehr aus Herne rücken an. Sie haben Erfahrung mit der Rettung von Menschen unter Tage.

Ihnen gelingt es, in die Nähe von Zimmermann zu kommen. Die Männer verhandeln mit dem Aktivisten in dem Tunnel, um ihn zu bewegen, den Tunnel zu verlassen. Doch der Mann flüchtet in einen Nebengang. Die Einsatzleitung will das Leben der Retter nicht aufs Spiel setzen und zieht sie zunächst ab.

In der Nacht zum 18. November nähert sich die Grubenwehr erneut dem Aktivisten. In einem günstigen Moment, so heißt es, gelingt es den Männern, den 27-Jährigen festzuhalten. Das Katz-und-Maus-Spiel findet nach knapp 90 Stunden ein Ende. Drei Tage später schlagen die Aktivisten ihr neues Camp auf – auf einer Wiese nahe der Autobahn 4. Diese gehört einem Unterstützer der Besetzer. Der Kreis Düren hat nun verfügt, dass die Aufbauten verschwinden müssen